# taz.de -- Grüne in Mecklenburg-Vorpommern: Landesverband als Selbstbeschäftigungsgruppe
       
       > In MV tritt Grünen-Fraktionschefin Constanze Oehlrich wenige Wochen vor
       > der Landtagswahl zurück. Zuvor waren erneut Belästigungsvorwürfe gegen
       > sie laut geworden.
       
 (IMG) Bild: Zurückgetreten: Constanze Oehlrich, Fraktionschefin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern
       
       Für die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern geht es bei der Landtagswahl am
       20. September um jede Stimme. Manche Umfragen sehen sie bei 5 Prozent,
       andere darunter. Was der Landesverband in der Situation nicht gebrauchen
       kann, sind interne Querelen. Doch genau damit macht die Partei im Nordosten
       nun Schlagzeilen – schon wieder.
       
       Nur wenige Wochen vor der Wahl schmeißt die Vorsitzende der Grünen-Fraktion
       im Schweriner Landtag, Constanze Oehlrich, hin. Sie habe sich entschieden,
       das Amt mit sofortiger Wirkung niederzulegen, teilte die 51-Jährige am
       Montag mit. Auslöser sind zum einen Berichte in der Welt und im Nordkurier,
       Oehlrich habe in der Vergangenheit einen Fraktionsmitarbeiter sexuell
       belästigt.
       
       Zum anderen spielt ein interner Beschluss des Grünen-Landesvorstands vom 4.
       August eine Rolle. Darin heißt es: „Die betroffene Person hat diese
       Handlungen und Äußerungen mit sexualisierter Sprache von Constanze Oehlrich
       als entwürdigend beziehungsweise belastend empfunden.“ Das widerspreche
       eklatant „den Grundwerten und den inhaltlichen Positionen“ der Partei.
       
       ## Rücktritt als Spitzenkandidatin bereits Anfang 2026
       
       Es ist der Tiefpunkt einer sich seit einem Jahr hinziehenden Affäre um die
       gebürtige Bonnerin, die die Fraktion seit 2024 führte. Denn [1][die
       Belästigungsvorwürfe sind nicht neu]. Schon im vergangenen Jahr war die
       Aufregung deswegen groß. Anfang 2026 musste Oehlrich dann auch die
       ursprünglich für sie reservierte Spitzenkandidatur für die Landtagswahl
       aufgeben. Hinterher war [2][viel von innerparteilichem Neuanfang] die Rede.
       
       Davon unbeeindruckt verblieb die studierte Politikwissenschaftlerin an der
       Spitze der Fraktion mit ihren nur vier Abgeordneten. Bis jetzt. Alle
       Vorwürfe seien zwar längst „in einem unabhängigen Verfahren geprüft und als
       unbegründet zurückgewiesen worden“, erklärte Oehlrich. Trotzdem trete sie
       zurück, „um meine Fraktion, meine Familie und auch mich selbst vor weiteren
       Verletzungen zu schützen“.
       
       Tatsächlich kam eine vom grünen Fraktionsgeschäftsführer beauftragte
       Kanzlei bereits im November 2025 zu dem Schluss, die Anschuldigungen seien
       „nicht substantiiert und rechtlich unbegründet“. Das überzeugte nicht alle
       in der Partei. Und die neuen Vorwürfe wiegen im Detail weit schwerer als
       die vielen Gerüchte aus dem vergangenen Jahr.
       
       ## Brisante Hinternansichten
       
       Unabhängig voneinander zitieren Welt und Nordkurier ausführlich aus einem
       Schreiben vom 29. Juli, das zwei vom Land geförderte
       Antidiskriminierungs-Beratungsstellen an die Fraktion und den
       Landesvorstand der Grünen richteten. Oehlrichs Ex-Mitarbeiter berichtet
       darin von „unerwünschten Liebes- und Gefühlsbekundungen und verbaler
       sexueller Belästigung“ bis zu einem Rüffel der Chefin, der zwölf Jahre
       Jüngere würde „zu wenig körperbetonte Kleidung“ tragen und solle sich doch
       etwas anziehen, das „am Hintern enger sitzt“. So geht das über vier Seiten.
       
       Oehlrich wurde für den Bericht nicht angehört. Er gibt ausschließlich die
       Perspektive des Mitarbeiters wieder. Dass sich der Landesvorstand dem ohne
       Weiteres angeschlossen hat, sorgt wiederum nach taz-Informationen in der
       kleinen Fraktion für Irritationen. Man könnte auch sagen: massiven Unmut.
       
       Die Außenwirkung ist fatal. Hatte die Partei nach dem Auswechseln der
       Spitzenkandidatin Oehlrich vor acht Monaten den großen Neuanfang beschworen
       und wollte alles hinter sich lassen, geht so jetzt kurz vor der Wahl alles
       wieder zurück auf Los: [3][ein Landesverband als
       Selbstbeschäftigungsgruppe].
       
       18 Aug 2026
       
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