# taz.de -- Trump will weniger Militär in Südkorea: Schockwellen in Seoul
       
       > Bei US-Präsident Donald Trump ist längst nicht mehr klar, welches der
       > beiden Koreas Verbündeter ist und welches ein Schurkenstaat. Das hat auch
       > für Europa Folgen.
       
 (IMG) Bild: Diese Menschen sehen es wie Trump: „Stoppt das Manöver Ulchi Freedom Shield“, steht am Montag auf einem Demoschild in Seoul
       
       Am Sonntag kündigte der US-Präsident in einem scheinbar spontanen, konfusen
       Onlinepost auf Truth Social an, dass er die gemeinsamen Militärübungen mit
       Südkorea „deutlich reduzieren“ möchte, nachdem eine vollständige Streichung
       so kurzfristig nicht mehr möglich sei.
       
       Denn die Militärmanöver würden ein „feindseliges“ Signal an Nordkorea
       senden, das sich während seiner Amtszeit stets „respektvoll“ verhalten habe
       und keine Bedrohung darstelle. Mit [1][Machthaber Kim Jong Un] habe Trump
       zudem eine „sehr gute Beziehung“. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung
       hingegen habe den USA nicht bei ihren Bemühungen geholfen, Iran atomar
       abzurüsten.
       
       In Seoul sorgte Trumps Onlinepost für Schockwellen. Trotz nationalem
       Feiertag versuchte die Regierung rasch, die Wogen mit einer zurückhaltend
       formulierten Stellungnahme zu glätten. Man nehme die Botschaft von
       Präsident Trump „zur Kenntnis“, hieß es aus dem Präsidentenamt in Seoul.
       Man hoffe, dass das „freundschaftliche Verhältnis zwischen den Staatschefs
       der USA und Nordkoreas“ zu konstruktiven Friedensgesprächen führe.
       
       Dass Trump ohne Absprache mit seinem Verbündeten derart forsch vorprescht,
       dürfte die südkoreanische Regierung zutiefst besorgen. Rein inhaltlich
       liegen Seoul und Washington, was eine Annäherung mit Nordkorea betrifft,
       auf derselben Linie: Auch Präsident Lee hatte erst am Samstag gegenüber Kim
       Jong Un Friedensgespräche angeboten.
       
       Nur: Nordkoreas Staatschef zeigt bisher keinerlei Anzeichen, dass er auch
       nur das geringste Interesse an einem Austausch mit Washington oder Seoul
       hat. Wozu auch? Kims Partner in Peking und Moskau garantieren Pjöngjang
       ausreichend Sicherheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit.
       
       Tatsächlich hat Kim sein [2][letztes Treffen mit Trump 2019 in Hanoi] bis
       heute nicht vergessen. Noch vor dem geplanten Mittagessen reiste Nordkoreas
       Machthaber erbost vom Gipfel ab. Knackpunkt waren die Verhandlungen über
       sein Atomwaffenprogramm: Der US-Präsident bestand darauf, dass Kim erst
       vollständig abrüsten müsse, ehe Washington Konzessionen liefert. Für
       Nordkoreas Staatsführer war dies – wenig überraschend – inakzeptabel. Wieso
       sollte sich also Kim Jong Un sieben Jahre später erneut dem Risiko eines
       solchen Gesichtsverlusts aussetzen?
       
       ## Was die Ukraine damit zu tun hat
       
       Trumps Avancen gegenüber Pjöngjang sollten auch Europa alarmieren. Denn
       Nordkorea als „nicht bedrohlich“ zu charakterisieren, während das Land eine
       historisch beispiellose Militärkooperation mit Russland eingegangen ist,
       blendet den anhaltenden Krieg in der Ukraine vollständig aus.
       
       In einer ersten [3][Entsendungswelle hatte Nordkorea] laut südkoreanischen
       Geheimdienstangaben mindestens 15.000 Soldaten geschickt, um Putins
       Angriffskrieg zu unterstützen. Hinzu kommen riesige Lieferungen an
       Artilleriemunition und Raketen. Erst zu Beginn des Monats hatte der
       ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Alarm geschlagen, dass Nordkorea
       bis zu 50.0000 weitere Soldaten entsenden könnte. Seine Angaben lassen sich
       bislang nicht unabhängig bestätigen.
       
       Doch Fakt ist: Nordkoreas Militär lernt moderne Kriegsführung auf den
       Schlachtfeldern der Ukraine und wird zudem von russischen
       Sicherheitsgarantien ermutigt. Insofern hat Südkorea derzeit ein hohes
       Interesse, dass die „eiserne Allianz“ mit den USA nicht öffentlich infrage
       gestellt wird.
       
       Und die alljährlichen Militärübungen, die die US- und südkoreanischen
       Streitkräfte jeden Sommer abhalten, sind ein Kernpfeiler der gemeinsamen
       Abschreckung von Nordkorea. Aufgrund der hohen Rotation, insbesondere unter
       den 28.500 in Südkorea stationierten US-Soldaten, ist es essenziell, dass
       sie Befehlsketten regelmäßig üben. Am Montag hat das sogenannte Ulchi
       Freedom Shield nun zwar planmäßig begonnen, doch ist es im Vergleich zum
       vorherigen Jahr deutlich abgespeckt.
       
       In Südkorea laufen längst Überlegungen, wie man die Sicherheit des Landes
       auch ohne die USA langfristig gewährleisten kann. Dazu gehört, dass die
       Stimmen nach einer eigenen Atombombe immer mehr Gehör finden. In
       repräsentativen Umfragen, etwa [4][des Asan-Instituts, befürworten
       inzwischen 80 Prozent] aller Südkoreaner eigene Nuklearwaffen. Im Vorjahr
       waren das noch 76 Prozent. Der Anstieg dürfte eine direkte Auswirkung von
       Trumps regelmäßigen Androhungen sein, das US-Militär aus Südkorea abziehen
       zu wollen.
       
       Langfristig dürften sich die Vereinigten Staaten aber vor allem selbst
       schaden. Denn je mehr Trump seine militärischen Ressourcen in Nahost
       bündelt, desto stärker wäre er bei seiner Chinapolitik auf die
       Unterstützung der Alliierten im Indopazifik angewiesen. Insofern sollte
       sich der US-Präsident zweimal überlegen, welches der beiden Koreas er vor
       den Kopf stößt – und welches er hofiert.
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kim-Jong-Un-ist-zurueck-auf-der-Buehne-der-Weltpolitik/!6107877
 (DIR) [2] /USA-Nordkoreagipfel-in-Hanoi/!5577080
 (DIR) [3] /Nordkoreanische-Soldaten-in-der-Ukraine/!6082085
 (DIR) [4] https://www.asaninst.org/bbs/board.php?bo_table=s3_4_2_eng&wr_id=106&utm
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
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