# taz.de -- Urteil in Südkorea: Lebenslänglich für Ex-Präsident Yoon
       
       > Yoon Suk Yeol hat sein Land in die schwerste politische Krise seit Jahren
       > gestürzt. Nun muss er dafür hinter Gitter – zumindest vorerst.
       
 (IMG) Bild: Demonstranten fordern am Tag der Urteilsverkündung mit Aufklebern den Tod von Südkoreas Ex-Präsidenten Yoon Suk Yeol
       
       Am Ende ist es dann doch nicht die Todesstrafe für Yoon Suk Yeol geworden,
       wie die Sonderstaatsanwaltschaft zuvor gefordert hatte. Das zentrale
       Bezirksgericht Seoul sah es allerdings als erwiesen an, dass der
       südkoreanische Ex-Präsident einen Aufstand angeführt hat – mit dem Ziel,
       die demokratische Ordnung außer Kraft zu setzen und die Nationalversammlung
       zu lähmen. Dafür wurde Yoon nun zu einer lebenslänglichen Haftstrafe
       verurteilt.
       
       Ein Rückblick: In den Abendstunden des 3. Dezember 2024 hatte der
       konservative Ex-Präsident [1][völlig überraschend das Kriegsrecht
       ausgerufen]. In einer Fernsehansprache warnte Yoon mit ernster Miene vor
       einer kommunistisch unterwanderten Opposition, welche die freiheitliche
       Ordnung des Landes gefährden würde.
       
       Noch während seine Worte über den Äther gingen, flogen bereits die
       Militärhubschrauber über den Han-Fluss in Richtung Parlament. Dort schlugen
       Soldaten die Fenster ein, um sich Zugang zum Gebäude zu sichern. Die
       Verhaftung von mindestens 14 Politikern hatte der ehemalige
       Verteidigungsminister angeordnet, darunter wohl auch vom ehemaligen
       Oppositionsführer und heutigem Präsidenten Lee Jae Myung.
       
       Doch Südkoreas Demokratie blieb standhaft. Die Abgeordneten
       verbarrikadierten sich in einem Saal der Nationalversammlung und erklärten
       Yoons Kriegsrechtsdekret in einer hastig einberufenen Abstimmung für
       ungültig. Ebenso erstaunlich ist, dass keiner der bewaffneten Soldaten auch
       nur einen einzigen Schuss während jener Ausnahmesituation abfeuerte.
       
       ## Ehemalige Regierung größtenteils in Haft
       
       Über ein Jahr später sitzen nun große Teile von Yoons ehemaligem Kabinett
       hinter Gittern. [2][Ex-Verteidigungsminister Kim Yong Hyun] wurde zu 30
       Jahren verurteilt, der ehemalige Ministerpräsident Han Duck Soo hat 23
       Jahre bekommen.
       
       Und dennoch widersprach das Gericht am Donnerstag einigen der
       schwerwiegendsten Anschuldigungen, welche von der Staatsanwaltschaft
       erhoben wurden – dass etwa Yoon Suk Yeol mit seinem Kriegsrechtsdekret eine
       langfristige Diktatur geplant habe.
       
       Der über einjährige Strafprozess gegen Yoon mutete, wie so oft bei
       politischen Fällen in Südkorea, streckenweise wie ein öffentliches Theater
       an. Dazu gehörte auch, dass die Sonderstaatsanwaltschaft die Todesstrafe
       gefordert hatte – wohl wissend, dass dies nur eine symbolische Botschaft
       wäre, um dem erzürnten Volk ein Ventil für die angestaute Wut zu bieten.
       Tatsächlich wurde in Südkorea seit 1997 keine Todesstrafe mehr vollstreckt.
       
       ## Lebenslänglich mit Aussicht auf baldige Begnadigung
       
       Auch die lebenslängliche Gefängnisstrafe dürfte der 65-jährige Yoon
       keineswegs vollständig absitzen. Er ist schließlich bereits der fünfte
       ehemalige Präsident Südkoreas, der während der letzten drei Dekaden
       verurteilt wurde. Alle von ihnen wurden bislang begnadigt, meist nach nur
       wenigen Jahren Haft.
       
       Das konservative Lager dürfte sich so schnell nicht von seiner
       Identitätskrise erholen. Man ist im Umgang mit dem geschassten Yoon Suk
       Yeol zutiefst zerstritten. Nach wie vor gibt es loyale Anhänger, die auf
       eine Rückkehr des ehemaligen Staatsanwalts hoffen. Moderate
       Parteifunktionäre hingegen haben sich mehr oder weniger offen distanziert.
       
       Bei aktuellen Umfragen kommt die rechtsgerichtete People Power Party (PPP)
       nur mehr auf knapp über 20 Prozent, die linksgerichtete Demokratische
       Partei (DP) hingegen erreicht locker das Doppelte an Zustimmung. Sie stellt
       seit letztem Sommer auch [3][den regierenden Präsidenten Lee Jae Myung],
       der in allen politischen Kernfragen eine Kehrtwende vollzogen hat – und das
       auch in Bezug auf Nordkorea.
       
       Denn während Yoon unter höchster Geheimhaltung Überwachungsdrohnen in
       Richtung Pjöngjang entsandte und damit beinahe einen militärischen Konflikt
       provozierte, streckt Seoul unter der neuen Regierung nun wieder die
       diplomatische Hand zum nördlichen Nachbarn aus. Und pünktlich zum
       Urteilsspruch des in Pjöngjang verhassten Yoon hat das Kim-Regime nun
       erstmals wohlwollende Töne signalisiert: Dass sich Seoul für besagte
       Drohneninfiltrierung rückwirkend entschuldigt hat, wisse man sehr zu
       „schätzen“, teilte Kim Yo Jong, Schwester von Machthaber Kim Jong Un, am
       Donnerstagmorgen mit.
       
       19 Feb 2026
       
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 (DIR) Fabian Kretschmer
       
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