# taz.de -- Käärijä-Konzert in Schweden: Ein skurriler Mix aus Techno, Metal und Elektro
       
       > Der finnische Rapper, Sänger und Songwriter Käärijä präsentiert eine
       > Musik, die sich nicht zu ernst nimmt. So auch beim jüngsten Konzert in
       > Schweden.
       
 (IMG) Bild: Der Sänger Käärijä mit Mikrofon in einem panzerartigen Anzug auf der Bühne
       
       Es ist ein verregneter Samstag in Schweden, ungefähr fünf Stunden nördlich
       von Stockholm. Zum eigentlichen Konzertbeginn prasselt Wasser in Strömen
       auf den Rasen, der immer matschiger wird, die meisten Gäste warten in einem
       Glashaus vor der amphitheaterartigen Bühne auf den Beginn des
       Käärijä-Konzerts, das erst 30 Minuten später losgeht. „Wenigstens ein paar
       sind gekommen, wenigstens ist’s nicht leer“, sagt Käärijä, als er mit einer
       schwarzen Lederjacke mit aufgeblähten Oberärmeln und nacktem Bauch auf die
       Bühne tritt – ein Stil, dem man von seinen Eurovision-Auftritten kennt.
       
       Finnland ist für skurrile und einzigartige Beiträge zum [1][ESC] bekannt –
       man erinnere sich an die Metalband Lordi, die 2006 den Titel holte. Die
       Nummer zwei in Sachen ESC-Bekanntheitsgrad ist Käärijä, bürgerlich Jere
       Mikael Pöyhönen, der im Jahr 2023 auf dem zweiten Platz landete – mit „Cha
       Cha Cha“, einem tanzbaren Ohrwurm, den man gern mitgrölt, auch wenn man
       kein Finnisch kann, und der Techno, Metal und Elektro auf einzigartige
       Weise vereint. Hätte nur das Publikumsvoting beim ESC gezählt, wäre der
       32-Jährige auf Platz eins gelandet.
       
       An dem Augustsamstag 2026 steht der Finne in Mittelschweden auf einer
       Open-Air-Bühne, der „Naturscen Skuleberget“, direkt am
       Skuleskogen-Nationalpark. Seit mehr als 40 Jahren finden hier Konzerte
       statt. Hinter der modernen Bühne, die größtenteils aus Holz besteht und
       schwarz angestrichen ist, ragt der knapp 300 Meter hohe namengebende Berg,
       der Skuleberget, in die Höhe. Reingepasst hätten hier mindestens zehnmal so
       viele Leute, doch die Stimmung ist unter den rund 200 Menschen, die da
       sind, trotz immer wieder einsetzendem Regen top.
       
       Die Menge ist gemischt, alle Altersgruppen sind vertreten. Eltern sind mit
       ihren Kindern da. „Sei fleißig in der Schule, sonst endest du hier“, sagt
       Käärijä zu einem Mädchen in einer der ersten Reihen. Jemand hält Käärijä
       einen Plüschrucksack hin, mit einem Mumin, einem Trollwesen aus
       Kinderbüchern, erfunden von der finnlandschwedischen Schriftstellerin
       [2][Tove Jansson,] den Käärijä dankend annimmt und für die nächsten Songs
       auf dem Rücken behält.
       
       Anders als viele andere ESC-Sternchen machte Käärijä weiter, nahm zuletzt
       zwei Songs mit dem 2024 beim ESC disqualifizieren Joost aus den
       Niederlanden und Tommy Cash („Espresso Macchiato“), ESC-Dritter aus Estland
       in Basel 2025, auf. Joost ludt Käärijä sogar zum Coachella Festival 2026
       ein, um den neuen gemeinsamen Song „TRAFIK!“ zu performen.
       
       Doch nicht nur mit ESC-Sternchen macht der Finne einzigartige Musik, die
       sich nicht zu ernst nimmt, sondern neulich auch mit dem schwedischen
       Millenniums-DJ-Star Basshunter – wer Anfang der 2000er jung war, erinnert
       sich an „Boten Anna“ und „Now You’re Gone“. Und nun gibt es einen neuen
       Song, Basshunter und eben Käärijä: „Ja Eller Nej“.
       
       Im Technotrack hört man beide Stimmen klar heraus, den nostalgisch
       anmutenden Refrain auf Schwedisch von Basshunter und Rap von Käärijä auf
       Finnisch – und weil Basshunter an diesem Abend nicht vor Ort ist, aber eben
       viele Schweden, sucht Käärijä sich aus dem Publikum einen Fan, lädt die
       Teenagerin auf die Bühne ein, fragt sie, ob sie den schwedischen Text kann,
       und als sie nickt, sagt er: „Okay, dann bist du nun Basshunter.“ Dann
       klingt der Song an und die junge Frau singt auf Schwedisch die Strophen.
       
       Weil so wenige da sind – vielleicht wegen des Regens, vielleicht weil hier
       meistens schwedische Acts auftreten –, fühlt sich das Konzert intim an. Der
       Künstler nimmt sich Zeit, geht auf die Gegebenheiten und seine Fans ein und
       schafft es, die Stimmung hochzuhalten, obwohl es die vielleicht vorerst
       kleinste Crowd ist, vor der Käärijä, der nun auf Tour geht, spielen wird.
       
       17 Aug 2026
       
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