# taz.de -- Internetkultur: Internationale Verständigung durch Memes und Emojis
       
       > In hundert Jahren ist Jugendsprache nicht mehr im Trend. Das Internet
       > schafft aber neue Wege der Vernetzung und Erfahrung, lernt unsere
       > Kolumnistin.
       
 (IMG) Bild: 1. Wir schaffen unsere eigene Sprache. 2. Sie wird von allen übernommen. 3. ??? 4. Meme
       
       Die Autotür schlägt zu, und die Worte hallen noch in meinem Kopf: „Mami,
       Bro, Cinema. Ich weiß, du warst am Grinden und hast trotzdem meine
       Sidequest gecarried. Aura +1000, no cap.“
       
       Während mein Sohn über den Parkplatz zur Schule rennt, überprüfe ich
       mithilfe meines KI-Assistenten, was er wohl gemeint hat. Neben mir sitzt
       mein zeitreisender Freund Felix und lacht.
       
       „Diese Jugendsprache versteht doch kein Mensch!“, schimpfe ich.
       
       „Sollen alle so reden wie du in den 1990ern?“
       
       „Nein … aber vielleicht einfach weniger Unsinn? Ein Wort, das tausend
       Sachen impliziert, und dazu diese Füllwörter: [1][Ey Digga], Abi, Bratan,
       Bre, ich geh gleich crash out.“
       
       Felix verzieht das Gesicht. „Goethe hätte gesagt: Was wird mir jede Stunde
       so bang? Das Leben ist kurz, der Tag ist lang.“
       
       „Das ist Vintage!“
       
       „Dir kann man heute auch gar nichts recht machen.“
       
       „Ich mache mir Sorgen! Die Alten schimpfen seit Jahrtausenden über die
       Jugend. Aber was, wenn wir dieses eine Mal recht haben?“
       
       „Keine Angst. Daran wird die Zivilisation nicht zugrunde gehen“, sagt
       Felix. „Im Gegenteil: Durch die aktuelle Jugend- und Onlinekultur wird
       Sprache endlich zu einer globalen Verständigungsform! Das Internet sorgt
       dafür, dass erstmals in der Geschichte eine Generation über alle Kontinente
       hinweg einen Großteil ihrer Sozialisierungserfahrung teilt: Weltgeschehen,
       Stars, Musik, Filme, Games. Fakt ist, dass es bei jungen Menschen aus
       Deutschland, Senegal und den Philippinen eine große Schnittmenge an
       ähnlichen popkulturellen Erfahrungen gibt. Die daraus entstehende Meme-,
       Emoji- und Sprachkultur wird zur Basis eines völlig neuen
       Internet-Vernakulars.“
       
       „Eines was?“
       
       „Ich meine eine gemeinsame Sprache, eine globale Metaebene, eine
       Möglichkeit, unabhängig von der Muttersprache Intentionen, Absichten,
       Emotionen oder implizite Kontexte zu transportieren.“
       
       „Aber ich kann doch nicht mit ‚slay, girl, you’re so GOAT‘ über
       komplizierte Fachthemen sprechen.“
       
       „Das nicht, aber du kannst damit global verständlich Subtext vermitteln,
       der sonst bei der Übertragung von einer Sprache in die andere
       verlorenginge. Denn durch die Normalisierung von KI-Übersetzungen lernen
       immer weniger Menschen Fremdsprachen und verlieren dadurch den
       unmittelbaren Zugang zu anderen Kulturen.“
       
       „Ach, und das ist auch der Grund, warum es so viel einfacher ist, mit
       meinen chinesischen Kolleg*innen zu chatten, als E-Mails zu schreiben?“,
       frage ich. „Beim Chatten benutzen wir ständig [2][Emojis und Memes].“
       
       „Genau!“, sagt Felix. „Und in Zukunft wird das noch viel intensiver. Denk
       nur an die Unmengen an Subtext, die du heute schon mit Begriffen [3][wie
       ‚NPC‘], [4][‚Winter is coming‘] oder [5][‚This is fine‘] transportierst.
       Das Internet-Vernakular dient als Brücke zwischen den Sitten und Gebräuchen
       unterschiedlicher Kulturen und übernimmt online die Rolle, die im analogen
       Gespräch die nonverbale Kommunikation spielt.“
       
       „Und das funktioniert dann in Zukunft auch zwischen Erwachsenen und
       Teenagern?“, frage ich.
       
       „Nein, Sinn [6][der Jugendsprache] ist ja, sich von den Alten abzugrenzen
       und von ihnen nicht verstanden zu werden. Aber mach dir nichts draus: Im
       Jahr 2126 ist kaum etwas altmodischer als Worte aus der Mottenkiste des
       Tiktok-Zeitalters: ‚Sis, ich brauch meine Meds, sonst ist mein Gehirn AFK‘
       sagen literally nur Greise.“
       
       7 Jul 2026
       
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