# taz.de -- Haare sind politisch: Soll ich mir einen Bixie schneiden?
       
       > Der Bixiecut ist die Frisur des Jahres. Unsere Autorin findet ihn schön,
       > aber zögert noch mit einem Friseurtermin. Was das mit dem Male Gaze zu
       > tun hat.
       
 (IMG) Bild: Auch die Schauspielerin Zendaya trägt einen ‚Bixie‘
       
       An vielen Abenden in diesem Sommer finde ich mich vor dem Spiegel wieder
       und versuche meine langen Haare so hochzuhalten, dass ich eine Vorstellung
       davon bekomme, wie ich mit einem Bixie aussehen würde. Die
       90er-Jahre-Frisur, die eine Mischung aus Bob und Pixiecut ist, hat es mir
       angetan. Das Deckhaar bleibt beim Bixie wie bei einem Bob kinnlang und wird
       locker durchgestuft, während die Seiten und der Nacken kürzer geschnitten
       sind.
       
       Zugegeben, meine Faszination für den Bixie kommt vermutlich vor allem
       daher, dass mein Insta-Algorithmus mich seit Beginn des Sommers mit Fotos
       von normschönen Frauen überflutet. Zendaya, Gracie Abrams, Jessie Buckley,
       sie alle tragen einen Bixie – und auch auf der Fashion Week im Frühjahr war
       die Frisur sehr präsent. Und trotzdem stehe ich mit 22 vor dem Spiegel und
       halte meine Haare hoch.
       
       Doch bei dem Gedanken, sie mir abzuschneiden, kürzer, als ich sie je hatte,
       ist da gleichzeitig diese Stimme in mir: „[1][Aber deine schönen langen
       Haare!] Bist du denn dann noch feminin genug?“ Da spricht er, der
       verinnerlichte male gaze, und ich bin erschrocken von mir selbst.
       
       Als würde ich mit meinen Haaren einen Teil meiner Geschlechtsidentität
       abschneiden. Was für ein Unsinn – und wie ernüchternd: Trotz all der
       Auseinandersetzungen mit queerfeministischen Themen habe ich immer noch
       diese patriarchale Quatschvorstellung im Kopf.
       
       In vielen Kulturen funktionieren lange Haare seit jeher als Metapher für
       Weiblichkeit – auch in unserer. Etwa im Märchen von Rapunzel, deren lange
       Haare „fein wie gesponnenes Gold“ ihre Schönheit symbolisieren, oder in der
       Sage von der Loreley, die Männer durch das Kämmen ihrer wallenden Mähne in
       den Bann zieht.
       
       Ja, [2][Haare sind politisch]. Ihr erzwungenes Abschneiden wie beim Militär
       oder in Autokratien soll der Vereinheitlichung und Kontrolle dienen.
       Gleichzeitig sind Haare ein modisches Statement, zeigen die Zugehörigkeit
       zu einer Subkultur oder stehen wie beim Bubikopf in den 1920ern für ein
       neues Selbstverständnis der Frau.
       
       Nun ist ein Bixiecut kein Bubikopf. Er ist kein eindeutiger Bestandteil
       einer feministischen Bewegung. Er bricht nicht mal wirklich aus einem male
       gaze aus. Denn in allen möglichen Modemagazinen wird davon geschwärmt, dass
       der Bixie die perfekte Frisur sei, weil er zwar androgyn anmute, die
       längeren Strähnen, die das Gesicht rahmen, aber weich, elegant und sinnlich
       seien. Ah ja. Nur solange Frauen ihre Weichheit und Eleganz bewahren, sind
       Kurzhaarfrisuren trendtauglich.
       
       ## Schluss jetzt, mir reicht's
       
       Mein Eindruck ist, dass kurze bis mittellange Haare bei Frauen nach wie vor
       noch nicht im gleichen Maß akzeptiert werden wie lange. „Ich trau mich
       nicht, meine Haare abzuschneiden“, habe ich schon oft von meinen
       Freundinnen gehört. Und als ich meine Haare selbst einmal kinnlang trug,
       ertappte ich mich dabei, meine kurze Frisur „abzumildern“, indem ich
       Schmuck, einen Rock oder hohe Schuhe anzog.
       
       Das alles macht mich wütend, ohnmächtig und müde. Denn es kostet so viel
       Kraft, sich immer und immer wieder am male gaze abzuarbeiten – sei er nun
       extern oder internalisiert.
       
       All die Energie, die es braucht, sich damit zu beschäftigen, in welche
       ästhetische Box man sich reinquetscht, könnte in so viel Schöneres fließen.
       Muss sie fortan. Denn es reicht.
       
       28 Aug 2026
       
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