# taz.de -- AfD-Regierungsprogramm in Sachsen-Anhalt: Angriff auf den Sport
       
       > Die AfD fordert von Sportvereinen für staatliche Förderung ein
       > „glaubhaftes“ Patriotismusbekenntnis. Willkür sind Tür und Tor geöffnet.
       
 (IMG) Bild: Patriotisch genug? Die deutsche 4x100m-Staffel präsentiert sich beim Silbermedaillengewinn
       
       Erstaunlicherweise ist es ein völlig unterbelichtetes Szenario. Aber sollte
       die AfD bei der Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt die absolute
       Mehrheit der Stimmen erhalten, stehen auch dem organisierten Sport extrem
       freiheitsbeschneidende Veränderungen bevor. Das ist [1][dem
       AfD-Regierungsprogramm] zu entnehmen.
       
       Im Juli hat der Landessportbund Sachsen-Anhalt bereits allen im Landtag
       vertretenen Parteien vertiefende Nachfragen zu deren Plänen gestellt
       [2][und die Antworten im Internet veröffentlicht.] Fast schon ungläubig ist
       die Hauptfrage an die AfD formuliert: „Gilt dieser Ansatz auch für
       Sportvereine- und verbände?“ Gemeint war folgende, eigentlich recht
       unmissverständliche Passage im AfD-Wahlprogramm: „Wir werden deshalb als
       Landesregierung dafür sorgen, dass jeder Verein, der entweder
       institutionell oder projektbezogen mit Steuergeld gefördert werden will,
       ein glaubhaftes Bekenntnis zur demokratischen Ordnung und zu einer
       patriotischen Grundhaltung ablegen muss.“
       
       Die Antwort der AfD fällt erwartungsgemäß eindeutig aus: „Wer staatliche
       Förderung in Anspruch nimmt, muss die verfassungsmäßige Ordnung anerkennen
       und sich zur Identität unseres Gemeinwesens bekennen.“ Bislang wurde diese
       Ankündigung stets im Kontext politisch und kulturell aktiver Vereine
       problematisiert – als die Einführung eines nicht näher definierten
       Instruments, um missliebigen Vereinigungen Finanzierungsquellen zu nehmen.
       Auf die Frage, wer einen Entzug von staatlicher Förderung fürchten müsse,
       fiel [3][Hans-Thomas Tillschneider, dem kulturpolitische Sprecher der AfD,]
       der als entscheidender Kopf hinter dem Regierungsprogramm gilt, in einem
       Podcast mit der Spiegel-Journalistin Melanie Amann als Erstes prompt der
       Verein Miteinander e.V. ein. Das „Netzwerk für Demokratie und
       Weltoffenheit“ wird von der AfD als „linksextremistisch“ wahrgenommen.
       
       Freilich bekennt sich die AfD schon lange zu dem Vorhaben, den Sport zu
       „entpolitisieren“ Die zahlreichen Initiativen für Diversität und gegen
       Rassismus im Sport sind der Partei ein Dorn im Auge. Bei potenziell
       besonders Betroffenen in Sachsen-Anhalt ist die Sorge vor der Zeit nach dem
       6. September groß. Ein Sportverein erklärte gegenüber der taz, wegen des
       AfD-Regierungsprogramms Rücklagen gebildet zu haben, um mögliche
       Förderkürzungen zu überstehen. Dies war mit der Bitte verbunden, den
       Vereinsnamen nicht zu nennen.
       
       ## Im Widerspruch zu Werten im Sport
       
       Ein Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung würde man ja
       noch abgeben, sollte das Fördervoraussetzung sein, sagt Silvio Klawonn,
       Ehrenvorsitzender des Kampfsportvereins KSG Zeitz. Aber selbst das halte
       man für überflüssig. Im Jahr 2025 wurde die KSG Zeitz beim Wettbewerb der
       deutschen Sportjugend „(M)ein Verein gegen Rassismus“ mit dem fünften Platz
       ausgezeichnet. Eine „Demokratie- und Patriotismuserklärung“, wie die AfD
       sie vorsieht, findet Klawonn dagegen bedenklich.
       
       „Im Hinblick auf den ‚Patriotismus-Begriff‘ werden wir abwarten, was die
       Partei konkret damit meint. Sollte dieser ‚völkisch-nationalistisch‘
       aufgeladen sein, werden wir dies ablehnen. Dies steht im Widerspruch zu
       unseren Werten im Verein und im Sport, aber auch zu wesentlichen Prinzipien
       der freiheitlich demokratischen Grundordnung.“ Die AfD gebe vor, den Sport
       entpolitisieren zu wollen, würde mit der Maßnahme aber genau das Gegenteil
       bewirken.
       
       Auch der SV Halle e.V., der zweitgrößte Sportverein in Sachsen-Anhalt,
       äußert große Bedenken. Kritisch sehe man es, wenn „die Gewährung
       öffentlicher Fördermittel von Begriffen wie der ‚Identität unseres
       Gemeinwesens‘ oder den ‚tragenden Grundlagen unserer Kulturnation‘ abhängig
       gemacht werden soll. Hier bleibt für uns offen, was darunter konkret zu
       verstehen ist, wer darüber entscheidet und anhand welcher objektiven
       Kriterien mögliche Verstöße festgestellt werden sollen.“ Und auf ein
       weiteres Problem weist der SV Halle hin: „Wenn Vereine befürchten müssen,
       aufgrund nicht eindeutig definierter gesellschaftspolitischer Kriterien
       Fördermittel zu verlieren, schafft das Unsicherheit und kann ihre
       politische und weltanschauliche Unabhängigkeit beeinträchtigen.“
       
       Möglicherweise hat sich diese Unsicherheit schon breitgemacht. [4][Der
       Männerfußball-Zweitligist 1. FC Magdeburg], der im Jugendsport von
       Fördergeldern profitieren kann, will sich zur Anfrage der taz nach der
       eigenen Betroffenheit und Haltung nicht äußern: „Der 1. FC Magdeburg ist
       politisch unabhängig und gibt grundsätzlich keine Bewertungen zu
       parteipolitischen Programmen ab.“ Als Verein konzentriere man sich auf
       seine gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben.
       
       ## Befeuerung von Argwohn
       
       Ähnlich äußert sich der SC Magdeburg e.V.. „Hypothetische künftige
       Förderbedingungen“ und ein „bislang nicht näher bestimmtes Bekenntnis“
       wolle man nicht bewerten. Sollte unter einer AfD-Regierung in
       Sachsen-Anhalt dieses nicht näher bestimmte „glaubhafte Bekenntnis“ zum
       Patriotismus als Fördervoraussetzung eingeführt werden, würden zudem
       absehbar innerhalb der Vereine Spannungen entstehen. Das
       gesellschaftspolitische Engagement von einigen Vereinsmitgliedern könnte
       den Argwohn von anderen befeuern, die sich um das Vereinsbudget sorgen.
       Auch das dürfte ein Grund sein, weshalb dieser politische Angriff auf die
       Autonomie des Sports völlig unter dem Radar bleibt und sich Vereine mit
       klaren Stellungnahmen zurückhalten.
       
       Die AfD selbst hat offenbar kein Interesse daran, das „glaubhafte
       Bekenntnis“ näher zu bestimmen. Zwei Anfragen der taz dazu ließ Matthias
       Büttner, der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Inneres und
       Sport im Landtag von Sachsen-Anhalt, unbeantwortet. Auch die AfD-Antwort
       auf die Anfrage des Landessportbunds Sachsen-Anhalt hilft wenig weiter. Der
       LSB schreibt der taz, es fehle grundsätzlich in der AfD-Stellungnahme an
       einer klaren Definition und Konkretisierung zentraler Begriffe aus dem
       Wahlprogramm.
       
       Ein Patriotismus-Bekenntnis, an das die Vergabe von Fördergeldern geknüpft
       wird, lehnt der LSB ab. „Unsere Standortpolitik und sportlichen Erfolge
       stehen für Lokalpatriotismus im besten Sinne des Wortes. Ein weiteres,
       gesondertes politisches Bekenntnis einzufordern, ist vor diesem Hintergrund
       nicht mit den Werten des Sports vereinbar.“ Der organisierte Sport in
       Sachsen-Anhalt stehe für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Dazu
       gehöre gelebte Vielfalt, diskriminierungsfreie Teilhabe und die Stärkung
       demokratischer Strukturen.
       
       Der LSB habe der AfD die Frage nach dem Bekenntnis gestellt, weil man auch
       als Institution „unmittelbar in den Adressatenkreis dieser Aussage aus dem
       AfD-Wahlprogramm“ fallen würde. Weder dem LSB noch den Sportvereinen wurden
       die Befürchtungen genommen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie bewusst in
       einem Klima der Unsicherheit gehalten werden, das vorauseilenden Gehorsam
       begünstigt.
       
       ## Eine Gefahr für die Autonomie des Sports
       
       Die konkreteren sportpolitischen Forderungen der AfD bereiten dem LSB
       ebenso Sorgen. Wie die vorgesehene Beitragsfreiheit in den Sportvereinen
       für Kinder unter 18 Jahren finanziert werden soll, bliebe völlig unklar.
       Immerhin würden sich die Kosten dafür im zweistelligen Millionenbereich
       bewegen. Auch vier Stunden Schulsport seien aufgrund der personellen und
       finanziellen Engpässe im Haushalt kaum umsetzbar.
       
       Und der Plan der AfD, die Inklusion von Menschen mit Behinderung zu
       bremsen, weil sie sich gegen die bislang „ideologisch motivierte
       Vereinheitlichung“ ausspricht, weist der Landessportbund genauso zurück:
       „Ansätze, die per se auf Separierung setzen lehnen wir ab – sie
       widersprechen dem Verständnis von Teilhabe, das wir in Satzung und
       Positionspapier verankert haben.“
       
       Öffentlich hat sich der LSB Sachsen-Anhalt bislang kaum vernehmbar so
       kritisch zum Regierungsprogramm der AfD geäußert. Vielleicht wollte man den
       Eindruck der parteipolitischen Neutralität wahren – trotz aller
       extremistischen Umgestaltungspläne. Mit dem herannahenden Wahltermin
       scheint das Bewusstsein zu wachsen, wie viel auch für die Autonomie des
       Sports und sein zivilgesellschaftliches Engagement auf dem Spiel steht.
       
       29 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://afd-regierungsprogramm.de/
 (DIR) [2] https://www.lsb-sachsen-anhalt.de/landtagswahl-2026/positionen-der-parteien/vertiefungsfragen-an-die-parteien
 (DIR) [3] /Kulturpolitik-der-AfD/!6198974
 (DIR) [4] /Magdeburgs-Europapokalsieg-vor-50-Jahren/!6005734
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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