# taz.de -- Gewalt im türkischen Gefängnis: Demonstrationen gegen Misshandlung im türkischen Gefängnis
> Eine Gruppe deutscher Aktivist:innen bereiste Nordkurdistan und wurde
> verhaftet. Nun wirft sie der türkischen Polizei Misshandlungen vor.
Unter dem Motto „Eure Gewalt bricht uns nicht“ fanden am Mittwoch in
mehreren Städten in Deutschland Demonstrationen und Kundgebungen statt. In
den nächsten Tagen sind an weiteren Orten ähnliche Proteste geplant. Sie
werden von der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO)
organisiert. Mit den Aktionen will das linke Bündnis auf die Gewalt
hinweisen, [1][die einige ihrer Mitglieder während einer Delegationsfahrt
in die Türkei im Januar 2026 erfahren haben sollen.]
Die Aktivist*innen erheben massive Anschuldigungen gegenüber der
türkischen Justiz. Demnach soll ein Polizeibeamter die FKO-Aktivistin Paula
Maier (Name geändert) in einer Istanbuler Gefängniszelle vergewaltigt
haben. Die außenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cansu
Özdemir, fordert von der Bundesregierung Aufklärung in dem Fall. Die
Vorwürfe müssten unabhängig und lückenlos aufgeklärt werden, erklärte sie.
„Dafür muss sich die Bundesregierung umgehend einsetzen und den Betroffenen
die notwendige Unterstützung zukommen lassen.“
Die Internationalist*innen waren im Januar auf Einladung der
sozialistischen DEM-Partei [2][in die Südosttürkei und nach Nordkurdistan]
gereist. Die 16-köpfige Gruppe, darunter dreizehn Frauen, besuchten
[3][demokratische kurdische Initiativen, Vereine und Parteien] in den
Städten Diyarbakır, Nusaybin und Mardin.
Am fünften Tag der Reise wurde die Gruppe auf dem Weg zu einer
Pressekonferenz in Mardin von türkischer Militärpolizei und der
Abschiebebehörde gestoppt und festgenommen. Die Aktivist*innen seien in
einer 20-stündigen Busfahrt nach Istanbul gebracht worden, wo sie direkt
mit dem Flugzeug nach Deutschland abgeschoben werden sollten.
Bis dahin sei die Polizeiaktion ohne größere körperliche Gewalt verlaufen,
heißt es. Das habe sich geändert, nachdem die Internationalist*innen
im Flugzeug feministische Parolen auf Türkisch und Kurdisch skandiert
hatten. Die Gruppe sei von einem großen Polizeiaufgebot mit massiver Gewalt
aus dem Flugzeug gezerrt und in ein Gefängnis gebracht worden, wo sie eine
Nacht lang misshandelt worden sein sollen.
Danach erlebten die Internationalist*innen nach eigenen Angaben über
mehrere Stunden massive körperliche und sexualisierte Gewalt. Den Frauen
sei über lange Zeit Schlaf und Ruhe verweigert worden. Sie seien
geschlagen, teils bis zur Bewusstlosigkeit, beleidigt und bespuckt worden.
Geflochtene Haare seien den Gefangenen ausgerissen worden. Zudem seien
ihnen Videos misshandelter kurdischer Kämpfer*innen sowie Aufnahmen der
Delegationsteilnehmer*innen gezeigt worden, verbunden mit der
Drohung, dass die betreffenden Personen die türkische Haft nie mehr
verlassen würden. In dieser Nacht habe auch die Vergewaltigung von Paula
Maier in der Gefängniszelle stattgefunden, so die Berichte der Betroffenen.
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hätten sich die
Internationalist*innen gemeinsam mit weiteren Genoss*innen und
Freund*innen intensiv mit den Geschehenen auseinandergesetzt. Aus diesen
Gesprächen sei nun der Entschluss entstanden, die Gewalterfahrungen
öffentlich zu machen.
13 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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