# taz.de -- PKK-Gesetz in der Türkei: Parlament billigt bedingte Amnestie von PKK-Mitgliedern
> Historisch: Das türkische Parlament stimmt dem Gesetz zu, das den
> Konflikt mit der kurdischen Guerilla PKK beenden soll. Ob es umgesetzt
> wird, ist aber unklar.
(IMG) Bild: Kämpfer:innen der PKK bei einer Entwaffnungszeremonie im Oktober 2025
Erstmals in der Geschichte der Republik Türkei ist am Montagabend ein
Gesetz verabschiedet worden, das zu einer Befriedung im jahrzehntelangen
Konflikt mit der kurdischen Guerilla PKK beitragen soll. Das Gesetz ist
eine gemeinsame Initiative der Regierungspartei AKP, der
rechtsnationalistischen MHP und der kurdischen Partei DEM.
Es sieht vor, dass die Strafverfolgung ehemaliger PKK-Kämpfer ausgesetzt
werden kann und sie sich dann entweder fünf oder zehn Jahre „bewähren“
müssen, bevor die Strafverfolgung endgültig eingestellt wird.
PKK-Mitglieder, denen Mord oder andere schwere Straftaten vorgeworfen
werden, kommen für die Teilamnestie nicht infrage. Das gilt auch für die
Führer der PKK – einschließlich des seit 27 Jahren [1][inhaftierten
Abdullah Öcalan.]
[2][Die Debatte über das Gesetz] begann am Montagvormittag und dauerte bis
in den Abend. Es war das erste Mal, dass im Parlament vor laufenden Kameras
über die „PKK-Terroristen“ und die Kurden offen debattiert wurde. Dabei war
allen klar, dass die Debatte im Kern um die Kurdenfrage insgesamt geführt
wurde und nicht nur über die extrem vorsichtigen Formulierungen des konkret
vorliegenden Gesetzestextes.
Während AKP, MHP und DEM sich schon vorab über eine Zustimmung zu dem
Gesetz geeinigt hatten und damit bereits die Mehrheit sicherstellen
konnten, wurde in [3][der neu gegründeten Oppositionspartei Yeni Parti]
hart um eine Position gerungen. Oppositionsführer Özgür Özel, gleichzeitig
Vorsitzender der Yeni Parti, nutzte die Gelegenheit für eine Grundsatzrede
zur Kurdenfrage und nannte das Gesetz völlig unzulänglich. Er kritisierte,
dass [4][Präsident Recep Tayyip Erdoğan] die DEM mit dem Gesetz nur dazu
bringen wolle, einer Verfassungsänderung zuzustimmen, die diesem eine
erneute Kandidatur bei den bevorstehenden Wahlen ermöglichen würde. Um aber
dennoch nicht als Blockierer dazustehen, stimmte die Yeni Parti
schlussendlich mit großer Mehrheit zu.
## Worum geht es: um die PKK oder die Kurden?
Auch die PKK selbst hatte am Wochenende in einer schriftlich vorgelegten
Erklärung das Gesetz als völlig unzulänglich kritisiert. Auf Basis der nun
vorgelegten gesetzlichen Grundlage könne man kein Vertrauen darin haben,
dass es PKK-Kämpfern möglich sei, in die Türkei zurückzukehren und dort am
politischen Leben teilzunehmen. Außerdem müsse Abdullah Öcalan freigelassen
werden, damit der Prozess weitergehen könne.
Tatsächlich steht selbst dieses extrem vorsichtige Gesetz noch unter
Vorbehalt: Der türkische Geheimdienst MİT muss zunächst bestätigen, dass
die PKK vollständig ihre Waffen abgegeben und sich die Partei vollständig
aufgelöst hat. Erst wenn der Nationale Sicherheitsrat auf Grundlage eines
entsprechenden MİT-Berichtes grünes Licht gibt, kann das Gesetz in Kraft
treten. Wann und ob das der Fall sein wird, ist völlig unklar. Niemand
außerhalb der PKK und des MİT weiß, wie weit der Prozess fortgeschritten
ist.
Die Regierung möchte die gesamte Debatte auf das Ziel einer „terrorfreien
Türkei“ beschränken. Für die DEM und die Yeni Parti hingegen ist das jetzt
verabschiedete Gesetz nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer
gleichberechtigten Integration der kurdischen Minderheit im Rahmen einer
echten Demokratisierung der Türkei.
Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden: Die DEM
tut so, als sei eine solche Entwicklung unter Erdoğan möglich. Die Yeni
Parti, die wie zuvor die CHP seit zwei Jahren Opfer [5][einer massiven
Repressionskampagne] ist, sieht die Möglichkeit einer Demokratisierung erst
nach einer Entmachtung Erdoğans und seiner AKP.
11 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Wolf Wittenfeld
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