# taz.de -- Über Klimaanpassung nach Bürgerwillen: „Auf den Schottergarten verzichten“
       
       > Wie umgehen mit Hitze und Starkregen? Pinneberg setzt auf Bürgerräte, die
       > Maßnahmen erarbeiten. Milan Bogojević über das Projekt „Klima trifft
       > Kommune“.
       
 (IMG) Bild: Kies und Schotter statt Blumen und Gras: In der klimaangepassten Stadt wird andersrum ein Schuh draus
       
       taz: Herr Bogojević, der [1][Bürgerrat] Pinneberg findet im Kontext des
       Projekts „Klima trifft Kommune“ statt. Worum geht es bei diesem Projekt? 
       
       Milan Bogojević: Im Bürgerrat werden Maßnahmen zur Klimaanpassung
       erarbeitet, die in ein Gutachten gefasst werden. Die [2][Ratsversammlung]
       erhält dieses Gutachten anschließend. Es ist geplant, dass die Empfehlungen
       des Bürgerrats zu einem Bürgerentscheid münden, der parallel zur
       [3][Landtagswahl im April 2027] stattfinden soll.
       
       taz: Warum ist es wichtig, dass es einen Bürgerrat zu diesem Thema gibt? 
       
       Bogojević: Es zeigt sich, dass immer mehr Menschen in Deutschland
       unzufrieden sind mit einigen Ergebnissen der parlamentarischen Demokratie.
       Es gibt vor allem bei kontroversen Themen häufig Bedenken, ob Maßnahmen
       richtig gewählt werden. In dem Moment, in dem die Zivilgesellschaft
       einbezogen wird und – nachdem sie umfassend informiert wurde – selbst
       Maßnahmen beschließt, hat das eine andere Wirkung, als wenn einzig die
       Politik entscheidet.
       
       taz: Sie sagen, dass [4][Klimaanpassung] mit großen Herausforderungen
       einhergeht. Was ist die größte Herausforderung? 
       
       Bogojević: Bei Klimaanpassungsmaßnahmen handelt es sich in der Regel um
       bauliche Maßnahmen, für die es Geld braucht. [5][Geld, das die Kommunen
       heute kaum haben]. Andere Themen sind Konflikte aufgrund unterschiedlicher
       Interessen oder Ansprüche an den öffentlichen Raum.
       
       taz: Ein Beispiel? 
       
       Bogojević: Das Thema [6][Entsiegelung], also wenn wir die
       Wasserdurchlässigkeit des Bodens erhöhen. Die Fläche geht dann unter
       Umständen verloren für andere Dinge, wie beispielsweise eine Straße. Das
       führt dazu, dass einzelne Gruppen sich dagegen wehren.
       
       taz: Welche Maßnahmen halten Sie im Zusammenhang mit der Klimaanpassung
       noch für wichtig? 
       
       Bogojević: Dach- und Fassadenbegrünung. Das sind Maßnahmen, die dafür
       sorgen können, dass sich nicht nur die Stadt, sondern auch die Gebäude
       nicht so stark aufheizen. Das Grün sorgt dafür, dass Räume kühler bleiben.
       Außerdem haben wir in Pinneberg ein Bauprojekt, bei dem wir auch
       [7][Schwammstadt]-Elemente mit aufführen. Das bedeutet, dass wir
       Regenwasser nicht in die Kanalisation abführen, sondern in unsere
       Grünflächen einleiten. Dort wird es gespeichert und verdunstet. Die
       Schwammstadt verfolgt den Anspruch, dass durch diese Verdunstung auch
       Kühlung erfolgt. Das sind Elemente, die wichtig, aber teuer sind. Es ist
       aber etwas, das bei Neubauprojekten immer mitgedacht werden sollte.
       
       taz: Was können Einzelpersonen tun, um zur Klimaanpassung beizutragen? 
       
       Bogojević: Wenn wir vom typischen Einfamilienhausbesitzer sprechen, geht es
       zum Beispiel darum, auf den [8][Schottergarten] zu verzichten und die
       Fläche stattdessen zu begrünen. Außerdem kann man sich an die
       Kommunalpolitik wenden, um etwas zu tun. Das Thema Klimaanpassung ist im
       Fachraum nicht neu, es ist aber sozusagen der kleine Bruder vom
       Klimaschutz. Es ist sehr wichtig, dafür Bewusstsein zu schaffen und auch
       außerhalb der Fachwelt darüber zu sprechen.
       
       taz: Wie macht sich die Klimaanpassung in Städten für Einzelpersonen
       bemerkbar? 
       
       Bogojević: Wir haben in Pinneberg einen Trinkbrunnen im öffentlichen Raum
       installiert, in einem Bereich, den wir gerade umfangreich im Sinne der
       Klimaanpassung umgestaltet haben. Dort haben wir entsiegelt und jede Menge
       grün gepflanzt. Das führt zu kühleren Orten und sorgt für eine deutlich
       verbesserte Aufenthaltsqualität. Darüber hinaus haben wir mit den
       Einzelhändlerinnen und -händlern gesprochen, um in der Innenstadt ein
       Netzwerk an Räumen zu schaffen, in die sich die Menschen bei Hitze
       zurückziehen können – das kann beispielsweise ein klimatisierter Raum sein.
       Das haben wir zu einer Kühle-Orte-Karte zusammengefasst und [9][auf unserer
       Website veröffentlicht].
       
       6 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Studie-zu-Buergerraeten/!6185462
 (DIR) [2] https://www.pinneberg.de/politik/kommunalpolitik/ratsversammlung
 (DIR) [3] /Landtagswahl-Schleswig-Holstein-2027-Aminata-Toure-laeutet-Wahlkampf-ein/!6182248
 (DIR) [4] /Anpassung-an-den-Klimawandel/!6202188
 (DIR) [5] /Landkreis-klagt-gegen-Unterfinanzierung/!6208913
 (DIR) [6] /Entsiegelung-der-Boeden-in-der-Stadt/!6192827
 (DIR) [7] /Wassermanagement-in-der-Stadt/!5905389
 (DIR) [8] /Umweltfrevel-Schottergaerten/!5874639
 (DIR) [9] https://www.pinneberg.de/stadtleben/sicherheit/kuehle-orte
       
       ## AUTOREN
       
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