# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Die verlorene Welt der Krimtataren
> Reisen in die Vergangenheit ermöglichen diese Woche die Gitarren. In die
> Zukunft geht es dagegen mit den guten alten Laptops.
(IMG) Bild: Raphael Rogiński erkundet in seinem Konzert die Musik der Krimtataren
Um die Jahrtausendwende standen Laptops für eine neue Form des mobilen
Musizierens. Dank avancierter Musiksoftware brauchte man keine sperrigen
Synthesizer oder großen Rechner mehr, um ein scheinbar unbegrenztes
Klangspektrum an elektronischer Musik live im Raum hervorzubringen. Laptop
auf den Tisch gestellt, Display hochgeklappt, und es konnte losgehen. Diese
Innovation sorgte anfangs vor allem im erweiterten Umfeld der Clubmusik für
Aufmerksamkeit, Laptops gehören aber längst ebenso zum Instrumentarium von
Komponisten der Neuen Musik.
Zu letzter Gruppe gehört auch das ni-va Ensemble, das am Sonnabend beim
Festival Young Euro Classic in der Reihe „Future Now Musical Diaries“
auftritt. Das Laptop-Quartett gründete sich im Studiengang
Elektroakustische Komposition an der Nationalen Universität der Künste in
Buenos Aires. In ihren Konzerten bearbeiten sie Sound in Echtzeit.
Akustische und elektronische Klänge werden dabei oft bis zur
Unkenntlichkeit kombiniert. Für elektroakustische Unterstützung sorgt das
Cello von Stellan Veloce. Nach dem Konzert folgt ein Publikumsgespräch
(Konzerthaus, 15. 8., 16.30 Uhr).
Einen Laptop verwendet dieser Tage auch der Musiker Michael Rother. Sein
Hauptinstrument bleibt aber die Gitarre. An der trug er maßgeblich dazu
bei, dass seltsame Musik aus Deutschland die Aufmerksamkeit von
Musikkritikern aus England erregte und zur Verwendung des Begriffs
„Krautrock“ inspirierte. Sein Duo Neu! mit Klaus Dinger etablierte
kultiviert zurückgenommene Gitarrenriffs und brachte die Motorik in den
Rock, die Superband Harmonia, die Rother zusammen mit dem Duo Cluster
bildete, kombinierte Repetition mit kosmisch pastoralen Klängen. Danach
begann er eine Solokarriere.
Bei seinem Konzert in der Reihe „Sound in the Garten“ in der Neuen
Nationalgalerie, gleichfalls am Sonnabend, lässt Rother diese Stationen
Revue passieren. Sein Weg ist nebenbei ein Beispiel dafür, wie sich auch im
Rock in Würde altern lässt (Neue Nationalgalerie, 15. 8. 18.30 Uhr).
Eine andere Art des Dialogs mit der Vergangenheit pflegt der Gitarrist
Raphael Rogiński, der am Sonntag im Morphine Raum sein aktuelles Album
„Qırım“ vorstellt. Da wäre zunächst die Aufnahmetechnik, denn die Platte
wurde auf Analogband eingespielt. Rogiński verfolgt mit seiner Musik aber
auch so etwas wie einen ethnomusikalischen Ansatz. Von seinen Aufenthalten
in der Ukraine inspiriert, betrachtet er das Album als musikalische Reise
und Reisetagebuch zugleich. Damit möchte er vor allem die Kultur der
Krimtataren würdigen. Nicht im Sinne eines Folklore-Archivs, sondern als
etwas Lebendiges, das trotz russischer Annexion fortbesteht (Morphine Raum,
16. 8., 20 Uhr).
14 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Tim Caspar Boehme
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