# taz.de -- Sonnenfinsternis und Solarenergie: Wenn die Sonne nicht mehr liefert
       
       > Eine Sonnenfinsternis kann eine gewaltige Herausforderung für die
       > Stromwirtschaft sein. Auch diesmal in Deutschland?
       
 (IMG) Bild: Brille sitzt korrekt: eine Schulklasse in Essen bei der Sonnenfinsternis 2015
       
       Am Mittwochabend wird über Deutschland [1][eine Sonnenfinsternis] zu
       beobachten sein, bei der kurz nach 20 Uhr bis zu 90 Prozent der
       Sonnenscheibe durch den Mond verdeckt sind. Angesichts der großen Leistung
       an installierter Photovoltaik in Deutschland sind solche Phänomene längst
       auch für die Stromwirtschaft relevant geworden. Was bedeutet das konkret?
       
       Wird die partielle Verdunkelung der Sonne heute für die Stromversorgung
       relevant sein? 
       
       Kaum. Das liegt schlicht daran, dass sie erst am Abend auftritt. Gegen
       19.15 Uhr, wenn das Himmelsereignis startet, werden nur noch rund acht
       Gigawatt an Photovoltaik im Netz sein. Zum Höhepunkt der Sonnenfinsternis
       läge auch unter normalen Bedingungen die Erzeugung nur noch bei rund einem
       Gigawatt. Daher teilte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet mit, die
       reduzierte Einspeisung werde „keinen Einfluss auf die Stromversorgung
       haben“. Träte eine so markante Sonnenfinsternis heute am Mittag bei mehr
       als 60 Gigawatt Solarstrom auf, wäre das Ereignis für die Stromwirtschaft
       eine riesige Herausforderung.
       
       Gab es schon mal eine Sonnenfinsternis, die schwieriger war? 
       
       Ja. Am 20. März 2015 gab es am späten Vormittag eine Sonnenfinsternis, die
       in Deutschland die Sonne um bis zu 83 Prozent verdunkelte. Die
       Stromwirtschaft hatte sich lange auf das Ereignis vorbereiten müssen.
       Tennet teilte seinerzeit im Vorfeld mit, die Anspannung sei
       „außerordentlich groß“. Vor allem zum Ende der Sonnenfinsternis waren die
       Auswirkungen erheblich: Im Netz gab es einen Anstieg der PV-Leistung um
       rund vier Gigawatt in nur einer Viertelstunde. Die Änderung der Netzlast
       erfolgte dreimal so schnell, wie man es unter normalen Umständen jemals
       erlebt hatte.
       
       Entsprechend hatten die Übertragungsnetzbetreiber sich auf den Tag
       vorbereitet und doppelt so viel Regelleistung unter Vertrag genommen wie
       üblich. Seither hat Deutschland seine Photovoltaik mehr als verdreifacht.
       Gäbe es heute zu sommerlicher Mittagszeit eine markante Sonnenfinsternis,
       wäre der Effekt für die Stromwirtschaft so durchschlagend, als würde im
       Minutentakt jeweils ein Großkraftwerk ausfallen.
       
       Aber die nächsten Sonnenfinsternisse sind absehbar … 
       
       Am 2. August 2027 wird es wieder eine geben, die eine Bedeckung von rund 50
       Prozent am späten Vormittag erreichen wird. Dann werden in Deutschland
       bereits weit mehr als 120 Gigawatt Photovoltaik installiert sein – mit
       entsprechenden Auswirkungen auf die Stromwirtschaft, wenn es ein sonniger
       Tag wird.
       
       Spiegelt die heutige Sonnenfinsternis sich im Strommarkt wider? 
       
       Ja. Am Spotmarkt, der jeweils am Vortag die erwarteten Strommengen für jede
       Viertelstunde handelt, ergab sich für die Zeit von 19.45 Uhr bis 20 Uhr ein
       Preis von 461 Euro pro Megawattstunde. Das ist der Spitzenwert des Tages.
       Doch es gab dieses Jahr schon deutlich höhere Preise: Am 24. Juni, während
       der ersten Hitzeperiode dieses Sommers, lag der Spitzenwert bei 747 Euro.
       Für die meisten Stromkunden sind diese kurzfristigen Preisausschläge
       allerdings nicht relevant, weil sie zu jeder Zeit den gleichen Strompreis
       bezahlen. [2][Kunden mit einem dynamischen Tarif] sollten aber nicht
       unbedingt während der Sonnenfinsternis ihr Auto an der heimischen Wallbox
       laden.
       
       12 Aug 2026
       
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