# taz.de -- Horrorfilm „The End of Oak Street“: Vor der Riesenschlange sei gewarnt
> Der Regisseur David Robert Mitchell bringt in „The End of Oak Street“ das
> Weltall in Unordnung. Und reichlich Dinos in eine Vorstadtidylle.
(IMG) Bild: Hier jedenfalls ist die Welt in „The End of Oak Street“ noch in Ordnung
Gleich vorweg: Dieser Film dürfte nichts für Menschen mit einer
ausgeprägten Schlangenphobie sein. Der Anblick der Titanoboa cerrejonensis
und wie sich dieses graubläuliche, 13 bis 15 Meter lange und vor 60
Millionen Jahren lebende Urzeitungetüm in schleichender Stille durch die
Gänge eines Hauses windet, unbemerkt von den sich dort aufhaltenden
Menschen, auf der Suche nach seiner nächsten Beute, könnte für Menschen mit
jener Angstausprägung zu einer kleinen Belastungsprobe werden.
Der Regisseur David Robert Mitchell hat sich für seinen neuen Spielfilm
„The End of Oak Street“ eine skurrile Prämisse ausgedacht. Was wäre, wenn
im Jahr 1982 ganze Straßenzüge eines amerikanischen Vororts durch eine
Anomalie im Universum in jene prähistorische Zeit versetzt werden, als
Dinosaurier die Erde dominierten? Dass die Titanoboa, die größte Schlange
aller Zeiten, erst kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier existierte, ist
dabei völlig unerheblich. Ebenso die Erklärung für dieses kosmische
Ereignis. Die Lust an der Inszenierung dieses in 80er-Nostalgie getränkten
Riesenechsenspektakels steht im Vordergrund.
Am Anfang seiner Idee sei schlicht das Bild eines Dinosauriers gewesen, der
im Müll eines Vorstadtgartens wühlt, wie Mitchell selbst sagt. Einer dieser
Gärten gehört zum Haus von Gregg (Ewan McGregor) und Denise Platt (Anne
Hathaway). Das Paar lebt in einer Suburbia-Idylle mit großzügigem
Einfamilienhaus, wie sie die Kinogeschichte schon dutzendfach gezeigt hat.
Doch der Haussegen hängt schief.
Gregg hat seinen vorherigen Job verloren und ist kaum zu Hause, da er zu
viel Zeit damit verbringt, als Pizzabote genügend Geld in die Familienkasse
zu spülen. Denise schreibt im Keller an einem Roman über eine Frau, die
sich aus der Enge der Vorstadt befreien will. Ein verdächtig ähnliches
Sujet zu ihrem eigenen Leben. Ihre Teenagerkinder Brian (Christian Convery)
und Audrey (Maisy Stella) müssen derweil die Streitereien ihrer Eltern
ertragen. Da braucht es selbstredend eine äußere Gefahr, um die Familie
wieder zusammenzuschweißen.
## Von nachbarschaftlichem Zusammenhalt keine Spur
Die Kleinfamilie als Nukleus bürgerlicher Selbstgewissheit – das gilt auch
hier. Sobald die Dinosaurier – sanftmütige Pflanzenfresser wie
zähnefletschende Prädatoren – nach einem nächtlichen Lichtblitz in den
Vorort eindringen und durch die Straßen stampfen, geht es ums nackte
Überleben. Von einem nachbarschaftlichen Zusammenhalt ist hier schnell
nichts mehr zu sehen. Abgesehen von einem verwaisten Mädchen, das sich der
Familie Platt in diesem Survival-Parcours anschließt, sind die Nachbarn
seltsam abwesend.
Mitchell zeigt sie als Randfiguren, die wahlweise zerfleischt, zerdrückt
und auseinandergerissen werden. Den einsetzenden Schrecken verstärkt er vor
allem durch den Verzicht auf schnelle Schnitte.
Mike Gioulakis lässt seine Kamera in diesen langgezogenen Bildern immer
wieder um die Figuren wandern und kreisen, wodurch eine große Raumtiefe
entsteht. Etwa wenn die Platts mit ihrem Auto in die Einfahrt zurückrasen
und ins Haus flüchten, während eine Meute Dinosaurier im Hintergrund über
die Nachbarn auf der anderen Straßenseite herfällt. Oder wenn sie durch das
Badfenster zusehen müssen, wie ihr Nachbar nebenan den Verstand verliert
und auf seinem Dach von Flugsauriern zerlegt wird.
## Zwischen Survival-Thriller und Spielberg’schem Abenteuerfilm
Die vorherigen Filme von David Robert Mitchell, sein Independent-Horror „It
Follows“ (2014) und der verschroben-surreale Neo-Noir-Slacker-Film „Under
The Silver Lake“ (2018), waren von einer großen erzählerischen Eigenheit
gekennzeichnet. Mit „The End of Oak Street“ hat er nun seinen ersten
Blockbuster hingelegt, der für IMAX-Leinwände gedreht wurde und mit einem
geschätzten Budget von 85 Millionen US-Dollar das große Publikum ansprechen
soll. Dass [1][Dinosaurier nach Steven Spielbergs „Jurassic Park“ (1994)]
nach wie vor Publikum ins Kino locken, zeigt ein Blick auf das
[2][Jurassic-World-Franchise]. Alle vier Teile seit 2015 haben weltweit
mehr als 4,4 Milliarden US-Dollar eingespielt.
„The End of Oak Street“ ist irgendwo zwischen Survival-Thriller und
Spielberg’schem Abenteuerfilm zu verorten, zuweilen mit bitterbösem Humor
garniert. Das funktioniert leider nur bedingt. Denn Mitchell lässt die
Vielschichtigkeit, mit der er seine Figuren zunächst anlegt, einfach ins
Leere laufen. Nebenhandlungen werden angerissen, nur um sie im weiteren
Verlauf völlig zu vergessen. Schauwerte schlagen Storytelling.
Das ist umso ärgerlicher, wenn sich der Film gar keine Mühe mehr gibt,
seiner Zeitreise-Geschichte ein einigermaßen kohärentes Ende zu geben. Den
Ärger mildern auch nicht kopulierende Dinos, die für einen
Polaroid-Schnappschuss herhalten müssen, oder eine fantastische Anne
Hathaway, die mit der Schrotflinte einen Allosaurus, den anderen großen
Giganten neben T-Rex, erlegt. Es liegt der Verdacht nahe, hier wurde ein
sehr eigenwilliger Regisseur von einem Filmstudio und dessen
Gewinnerwartungen ausgebremst. Hätten sie ihn doch einfach machen lassen.
12 Aug 2026
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