# taz.de -- Rechte Politikerin in Australien: Plötzlich in den Umfragen vorn
       
       > Seit 2016 dümpelte die australische Partei One Nation der rassistischen
       > Pauline Hanson bei 3 bis 6 Prozent. Jetzt sehen Umfragen sie plötzlich
       > bei 30.
       
 (IMG) Bild: Die australische Senatorin und One Nation-Vorsitzende Pauline Hanson
       
       Canberra 1996: Pauline Hanson, Ex-Betreiberin eines Fisch-und-Chips-Ladens
       im australischen Bundesstaat Queensland, steht erstmals am Rednerpult im
       Parlament. Wenige Monate zuvor hatte die Liberal Party Hansons Kandidatur
       zurückgezogen, nachdem diese sich rassistisch über Aboriginal Australians
       geäußert hatte. Als unabhängige Kandidatin gewann Hanson dennoch den
       Wahlkreis Oxley. In ihrer Antrittsrede warnt sie vor Australiens
       „Überflutung durch asiatische Migranten.“
       
       Es ist der Beginn einer bemerkenswerten politischen Karriere. 1997 gründet
       Hanson die Partei One Nation. Bei der Wahl in Queensland 1998 erreicht die
       Partei 22,7 Prozent und gewinnt elf Sitze – der stärkste Start einer neuen
       Partei dort seit dem Ersten Weltkrieg. Der Aufstieg ist ebenso schnell
       vorbei. Hanson verliert noch im selben Jahr ihr Mandat, interne Machtkämpfe
       zerlegen One Nation. Hanson wird wegen Wahlbetrugs verurteilt und muss ins
       Gefängnis. Zwar hebt ein Berufungsgericht 2003 das Urteil auf, aber erst
       2016 kehrt sie in den Senat zurück.
       
       Seitdem schien One Nation eine typische Protestpartei zu sein: laut,
       populär in Teilen des erzkonservativen, ländlichen Queensland, aber weit
       davon entfernt, regieren zu können. Bei den Nationalwahlen dümpelt sie bei
       3 bis 6 Prozent.
       
       Der große Sprung folgt 2026. Bei einer Zwischenwahl in New South Wales
       gewinnt der Kandidat von One Nation mit mehr als 40 Prozent der
       Erststimmen. Dabei ist die politische Formel der Partei seit 1996
       erstaunlich konstant: Einwanderung begrenzen, Multikulturalismus
       zurückdrängen, Remigration von „jenen, die sich nicht anpassen wollen“,
       Klimapolitik bekämpfen, nationale Souveränität betonen.
       
       Hansons offener Rassismus – inzwischen primär gegen Muslime gerichtet,
       weshalb sie im Parlament schon zweimal [1][in einer Burka auftrat] und
       dafür sanktioniert wurde –, sowie das Leugnen der Klimakrise bleiben ihre
       wichtigsten Markenzeichen. Inzwischen verhelfen auch hohe Wohnkosten,
       Migration, Kriminalität und der Eindruck, etablierte Parteien hätten die
       Kontrolle über zentrale Fragen verloren und würden „in ihre eigene Tasche
       arbeiten“, One Nation zum Aufschwung. Im Juli 2026 lag One Nation in einer
       Umfrage bei 30 Prozent der Erstpräferenzen vor der regierenden Laborpartei
       mit 28 und der konservativen Koalition mit 20 Prozent.
       
       ## Ultrakonservative Gönnerin
       
       Unterstützt wird Hanson von der [2][reichsten Frau Australiens, Gina
       Rinehart]. Die Erbin eines Rohstoffimperiums schenkte Hanson unter anderem
       ein Flugzeug. Dafür, so Kritiker:innen, setze Hanson politisch die
       ultrakonservative Ideologie ihrer Gönnerin um, die eng mit US-Präsident
       Donald Trump befreundet ist.
       
       Nicht nur Hansons grell orange gefärbte Haare lassen einen Vergleich mit
       Donald Trump zu. Ihre unbeholfen tönende und von Fehlern durchsetzte
       Sprache machen sie in den Augen ihrer Anhänger zu „einer von uns“. Dabei
       hat sie in all ihren Jahren im Parlament stets gegen gesetzliche Maßnahmen
       gestimmt, die das Wohl der arbeitenden Bevölkerung, von Frauen sowie von
       Minderheiten verbessert hätte.
       
       Doch die heute 72-Jährige ist längst nicht mehr nur die Stimme einer
       politischen Randgruppe. Ihre Partei zwingt die großen Parteien, über
       Migration, Energie und nationale Identität zu sprechen. Sie hat damit etwas
       erreicht, was ihr 1996 kaum jemand zugetraut hätte: Aus der Empörung einer
       einzelnen Abgeordneten ist ein dauerhaftes politisches Angebot geworden.
       
       11 Aug 2026
       
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