# taz.de -- Gegen Migranten an der Grenze zu Belarus: Lettland startet Operation Werwolf
       
       > Mit Drohnen will Riga illegale Migranten an der Grenze zu Belarus
       > abwehren. Erstmals wurde dort auch ein unterirdischer Tunnel entdeckt.
       
 (IMG) Bild: Lettischer Grenzschützer an der Grenze zu Belarus
       
       Lettland verschärft seinen Kurs gegen Geflüchtete an der belarussischen
       Grenze. „Ab heute ist der organisierten Migration ein Ende gesetzt“,
       kündigte [1][Ministerpräsident Andris Kulbergs] am Dienstag mit markigen
       Worten in Riga an. Die Operation „Werwolf“ soll den Schutz der lettischen
       Außengrenzen gewährleisten.
       
       Laut Kulbergs ist seit rund fünf Jahren ein sprunghafter Anstieg der Zahl
       der Geflüchteten zu beobachten, die versuchen, über Belarus nach Lettland
       einzureisen. In Litauen [2][und Polen] sei die Lage ähnlich. Bei den
       Geflüchteten handelt es sich Berichten zufolge nicht um Personen, die vor
       dem belarussischen Regime fliehen, sondern aktuell vor allem um Menschen
       aus dem Nahen Osten und aus afrikanischen Staaten. Organisierte
       Schleusergruppen sollen die Geflüchteten an die Grenze bringen, die
       belarussischen Behörden würden sie nicht aufhalten.
       
       Die EU hat diese Strategie bereits als hybride Kriegsführung bezeichnet.
       Kulbergs betonte daher auch, dass die Vorfälle an der Grenze nicht nur die
       Sicherheit Lettlands beträfen, sondern auch die der europäischen
       Außengrenzen. Die Operation „Werwolf“ soll den gesamten August über laufen.
       Kulbergs hofft, dass sie den Schleusern einen schweren Schlag versetzt und
       keine Geflüchteten mehr über die Grenze kommen.
       
       ## Erstmals unterirdischer Tunnel an der Grenze entdeckt
       
       Der lettische Verteidigungsminister Raivis Melnis will dafür mit
       „modernster Technologie“ aufrüsten, also mit dem Einsatz von Drohnen und
       Videoüberwachung die Grenze schützen. Warum? „Der bloße Einsatz von
       Soldaten an der Grenze gewährleistet keinen angemessenen Grenzschutz, da
       wir dann alle 50 bis 60 Meter Personal stationieren müssten“, sagte Melnis.
       
       Wie brisant die Lage vor Ort ist, zeigt auch dieser Fund: In der Nacht zu
       Dienstag wurde an der lettisch-belarussischen Grenze ein unterirdischer
       Tunnel entdeckt, der von illegalen Migranten genutzt wurde. „Bislang ist
       dies der erste Tunnel dieser Art in Lettland“, sagte Innenminister Jānis
       Dombrava. Normalerweise versuchten Migranten, über den Grenzzaun zu
       klettern. Derzeit wird ermittelt, ob es weitere Tunnel gibt.
       
       Auch in Litauen wurden bereits unterirdische Tunnel entdeckt, die
       höchstwahrscheinlich für die illegale Migration aus Belarus bestimmt sind.
       Zudem griff Ende Juli eine Gruppe von Migranten litauische
       Grenzschutzbeamte an, nachdem sie über einen Tunnel an der Grenze zu
       Belarus ins Land eingedrungen war.
       
       Die lettische Operation „Werwolf“ wird vom Krisenmanagementzentrum der
       Staatskanzlei koordiniert. Die staatliche Grenzschutzbehörde, die
       Staatspolizei und die Nationalen Streitkräfte werden an der Umsetzung
       beteiligt sein. Und Lettland will auch juristisch schärfer gegen die
       Schleuser vorgehen. „In Zusammenarbeit mit dem Justizministerium werden wir
       prüfen, wie schnell wir Helfer vor Gericht bringen können“, sagte Arvis
       Zīle, Leiter des Krisenmanagementzentrums.
       
       ## Gemeinsam mit Polen, Litauen und Estland
       
       In Lettland gilt bis Ende dieses Jahres ein verschärftes
       Grenzsicherheitsregime entlang der Grenze zu Belarus. Während dieses
       Zeitraums gelten strenge Strafen für die illegale Beförderung von Personen
       über die Staatsgrenze sowie für die „wissentliche Beihilfe zum illegalen
       Aufenthalt einer Person in Lettland“. Behördenangaben zufolge wurden allein
       in diesem Jahr bereits mehr als 9.500 Personen an einem illegalen
       Grenzübertritt gehindert. 2025 waren es insgesamt rund 12.000 Personen.
       
       Riga setzt zudem auf eine engere Zusammenarbeit mit Litauen, Estland und
       Polen, um die illegalen Grenzübertritte zu reduzieren. Nato-Truppen werden
       nicht an der Operation „Werwolf“ beteiligt sein.
       
       11 Aug 2026
       
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