# taz.de -- Amazon-Serie „Sterling Point“: Warum haben die alle Boote?
> Nach „Off Campus“ ist „Sterling Point“ die nächste Hype-Serie. Zwischen
> Trauer, malerischen Inseln und Love-Triangle verliert sie manchmal den
> Fokus.
(IMG) Bild: „Sterling Point“ läuft seit dem 5. August bei Prime Video
Nach [1][„Heated Rivalry“] und „Off Campus“ ist mit „Sterling Point“ schon
die nächste gehypte Serie am Start. Schon wenige Tage nach dem Start hält
sich die Serie auf Platz 1 der Amazon Charts in Deutschland. Aber warum
eigentlich?
Das Setting ist auf jeden Fall besonders. „Sterling Point“ spielt in der
kanadischen Seelandschaft rund um Muskoka und trifft mit seinem Sommerflair
wahrscheinlich gerade ein bisschen den Nerv. Überall Wasser, Inseln und
riesige Ferienhäuser. Irgendwie haben auch immer alle ein Boot zur
Verfügung.
Die Serie versucht zwar, die Schere zwischen Reich und, na ja, nicht ganz
so Reich zu zeigen und das auch gewissermaßen zu problematisieren. Aber
wenn die einen für mehrere Millionen eine Insel kaufen wollen und die
anderen mal eben eine ganze Insel von ihrem Großvater erben, fällt es etwas
schwer, das ernst zu nehmen. Dazu kommen ständig Partys mit unzähligen
jungen, attraktiven Menschen, bei denen man sich irgendwann fragt, wo die
in einer Kleinstadt alle herkommen.
Im Mittelpunkt steht Annie, eine ehrgeizige 17-Jährige, die kurz vor ihrem
letzten Sommer vor dem Abschlussjahr steht. Gespielt wird sie von Ella
Rubin, die ihre Sache gut macht, abgesehen davon, dass Annie leider
überhaupt nicht wie 17 aussieht. Das gilt für viele der Figuren, die eher
wie Anfang/Mitte 20 wirken.
Schön sind dafür die Themen, die „Sterling Point“ abseits der klassischen
Teenie-Romanze anspricht: Der Tod und die Trauer um Annies Großvater, den
sie nie kennenlernen durfte, die Abwesenheit der Mütter einiger Figuren,
biologische Elternschaft, Familie und die Frage, wo man eigentlich
hingehört. Es gibt sehr viele Szenen, in denen die Jugendlichen in ihrer
Entscheidungsfindung allein gelassen werden und dabei eigentlich permanent
Joints rauchen.
## Love-Triangle
Natürlich gibt es auch die klassische Hetero-Lovestory als Love-Triangle.
Annie muss sich zwischen zwei Boys entscheiden, die beide in sie verliebt
sind – wie schon in [2][„The Summer I Turned Pretty“], „My Life with the
Walter Boys“ oder „Never Have I Ever“.
Dafür gibt es aber schön erzählte Nebenhandlungen. Nach jahrelanger
Freundschaft funkt es zwischen Oona (Bo Bragason), die mit ihrer kleinen
Schwester auf einem Boot lebt, und Ramona (Amélie Hoeferle). Die Annäherung
und die Dialoge zwischen den beiden sind einfühlsam geschrieben und
gespielt und gehören zu den schönsten Momenten der Serie.
Überhaupt steckt viel Schönes in den kleinen Geschichten. Etwa beim Umgang
mit der ersten Periode von Maple, Oonas kleiner Schwester. Als Maple nach
einem Ferienlager davon erzählt, bastelt Oona ihr eine Krone aus Blumen,
setzt sie ihr auf und sagt ihr, dass sie sich freut, dass Maple ihr so
etwas erzählen kann. Eine kleine Randszene, die gerade durch ihre
undramatische Erzählung etwas sehr Fürsorgliches in sich hat.
Leider wird die eigentliche Handlung zunehmend kompliziert. Geht es am
Anfang noch darum, dass Annie mehr über ihren Großvater herausfinden
möchte, verliert man sich irgendwann darin, wer jetzt wessen Mutter, Vater
oder Geschwister ist. Die Serie möchte gleichzeitig Coming-of-Age,
Liebesgeschichte, Familiendrama und Mystery sein und verliert dabei
manchmal etwas den roten Faden.
13 Aug 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
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