# taz.de -- Rassismus auf dem Wohnungsmarkt: „Passt nicht“, weil Sinteza
> Die Sinteza und Aktivistin Kelly Laubinger bewarb sich auf eine Wohnung –
> und erfuhr per Zufall, warum sie dafür nicht infrage kommt.
(IMG) Bild: Sieht in dem Fall einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz: Sinteza Kelly Laubinger
„Sie verdient glaub ich zu wenig und ist Roma/Sinti – bin nicht sicher, obs
passt.“ Diese Notiz verschickte die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma
nach einem Wohnungsbesichtigungstermin in Neumünster. Was die Mitarbeiterin
offenbar übersah: Ihre Mail landete nicht nur im internen Verteiler der
Firma, sondern ging auch an [1][Kelly Laubinger], die Frau, die sich für
die Wohnung interessierte. Deren Anwalt fordert nun eine Entschädigung
gemäß dem [2][Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz]. Für Laubinger ist das
nicht der erste Fall dieser Art.
„Ich hatte eigentlich ein sehr gutes Gefühl bei der Besichtigung“,
berichtet Kelly Laubinger. Die Neumünsteranerin ist auf der Suche nach
einer Wohnung, und die Anzeige der Immobilienfirma, die sie auf einem
Internetportal fand, passte zu ihren Wünschen. Ihr sei vor allem wichtig,
dass ihre neue Wohnung in der Nähe ihres Arbeitsplatzes liege, so
Laubinger.
Die 37-Jährige ist als Geschäftsführerin der [3][Sinti Union
Schleswig-Holstein] tätig. Der Verein organisiert unter anderen
Veranstaltungen und Schulungen. Die Mitglieder setzen sich für die
Interessen der Sinti und Roma ein, der Kampf gegen Diskriminierung ist ein
wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit. In den vergangenen Jahren ist
der Verein, auch dank Kelly Laubingers Einsatz, im Land und auf Bundesebene
[4][als laute Stimme der Sinti- und Roma-Community bekannt geworden].
„Bei der Wohnungsbesichtigung habe ich meine Tätigkeit bei der Sinti Union
bewusst erwähnt, eben weil es sich um einen eingeführten und mit
öffentlichen Mitteln geförderten Verein handelt“, berichtet Laubinger. Dass
sie über ein sicheres Einkommen verfüge, sei schließlich eine wichtige
Information für einen möglichen Vermieter.
Sie erwähnte aber auch, dass sie neben der Festanstellung regelmäßig
Honorare als Freiberuflerin erhalte. „Dazu gab es aber keine Rückfragen“,
erinnert sie sich. Insgesamt sei das Gespräch aus ihrer Sicht angenehm und
offen verlaufen. Sie habe deutliches Interesse an der Wohnung signalisiert
und eigentlich auf eine Zusage gehofft.
Stattdessen landete die Mail mit der Notiz „ist Roma/Sinti“ in ihrem
Postfach. Kurz darauf kam sogar eine zweite Mail, in der die Mitarbeiterin
der Firma die Notiz noch erweitert hatte. Es ging dabei um ihr monatliches
Einkommen, das die Mitarbeiterin deutlich niedriger einstufte, als
Laubinger es ihr gesagt hatte. Der Hinweis auf das zweite finanzielle
Standbein aus der freien Tätigkeit fehlte komplett. Wieder endete die Mail,
die der taz als Screenshot vorliegt, mit der Einschätzung: „Weiß nicht, ob
das passt.“
Auf taz-Anfrage spricht der Chef der Immobilienfirma von einem
„Missverständnis“. Die Notiz stamme von seiner Schwester, die ebenfalls in
der Firma arbeite. Dass sie den Hinweis auf „Roma/Sinti“ diskriminierend
gemeint hätte, weist er von sich: „Das ist eine Fehlinterpretation.“ Auch
in seiner eigenen Familie gebe es Erfahrungen mit Diskriminierung: „Unsere
Mutter war eine Reisende, sie hat im Zirkus gearbeitet“, berichtet er.
Laubingers Einsatz gegen Diskriminierung fände er bewundernswert. Er hoffe
auf eine Einigung und ein klärendes Gespräch, um die Sache aus der Welt zu
räumen.
Laubinger und ihr Anwalt sehen dagegen deutliche Anzeichen für eine
Diskriminierung und damit einen Verstoß gegen das Allgemeine
Gleichbehandungsgesetz. „Was soll dieser Hinweis auf meine Zugehörigkeit
zur Sinti-Minderheit?“, fragt Laubinger. Sie ärgert sich auch darüber, dass
die Mitarbeiterin ihr Gehalt reduziert und die selbstständigen Einkünfte
gar nicht einberechnet hat. „Eigentlich bin ich ziemlich bekannt in der
Stadt“, sagt Laubinger. „Eine kurze Internetsuche hätte gezeigt, was ich
alles tue.“
Dabei wäre aufgefallen, dass Kelly Laubinger mehrfach juristisch gegen
Diskriminierung vorgegangen ist. So wurde sie [5][2021 abgelehnt, als sie
in ein Fitness-Studio eintreten wollte]. Angeblich gab es keine freien
Plätze mehr, aber als Laubinger Freundinnen bat, sich probeweise
anzumelden, klappte das mühelos. Offenbar lag es an dem Nachnamen, der in
Neumünster als „typisch Sinti“ bekannt ist.
Laubinger klagte – und gewann. Das war der Start ihrer Karriere als
Aktivistin. Erneut ging sie 2024 vor Gericht, nachdem ein Hotelier der
Sinti Union ein Zimmer verweigerte, das Laubinger für den Autor Max Czollek
buchen wollte. Das Verfahren [6][endete mit einer Geldstrafe für den
Hotelbesitzer].
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kelly-Laubinger-ueber-Diskriminierung/!5972181
(DIR) [2] https://www.gesetze-im-internet.de/agg/
(DIR) [3] https://sintiunionsh.com/
(DIR) [4] https://www.landtag.ltsh.de/parlament/sinti-und-roma/
(DIR) [5] /Fitnessstudio-nimmt-Sinteza-nicht-auf/!5888734
(DIR) [6] /Antiziganismus-im-Hotel/!6024105
## AUTOREN
(DIR) Esther Geißlinger
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