# taz.de -- Hamburger Lesefest „Sorbet“: „Mit Essen und Trinken kann man Literatur sinnlicher machen“
> Von Kuchen, Cocktails und Lieferdiensten: Das Hamburger Lesefest „Sorbet“
> präsentiert Texte, die direkt oder indirekt mit Kulinarik zu tun haben.
(IMG) Bild: Lesung in der Bar: Beim „Sorbet“ wird Literatur mit Kulinarik verbunden
taz: Frau Kavouras, Sie haben in Hamburg das kulinarische Lesefest „Sorbet“
gegründet. Wie kam es dazu?
Nefeli Kavouras: Ich arbeitete zusammen mit Peter Reichenbach beim
Mairisch-Verlag in Hamburg. Wir beide essen sehr gerne und reden auch gerne
über Literatur. Irgendwann kamen wir auf die Idee, dass man vielleicht
Literatur sinnlicher machen könnte, wenn etwas über das Essen und Trinken
vorgelesen wird und man dazu das essen kann, was einem vorgelesen wird.
Dafür haben wir schöne, verbindende Ort gesucht. Vor sechs Jahren haben wir
das erste kulinarische Lesefest „Sorbet“ organisiert. Und weil es alle zwei
Jahre stattfindet, ist dies nun die dritte Ausgabe.
taz: Es scheint ja ein Erfolg zu sein, denn drei der fünf anstehenden
Veranstaltungen sind ja inzwischen schon ausverkauft.
Kavouras: Ja, wir merken, dass es ein großes Interesse gibt. Und zwar
gerade bei Menschen, die sich normalerweise nicht in klassische Kulturräume
hineintrauen. Wir hatten Lesungen in Bars, Restaurants oder einem
Bierladen, bei denen Leute uns hinterher erzählt haben, dass sie davor noch
nie zu einer Lesung gegangen sind und dann die Bücher gekauft haben, weil
sie so begeistert waren.
taz: Diesmal ist ja bei den Veranstaltungsorten auch nur ein Buchladen
dabei.
Kavouras: Ja, denn wir wollen Literatur an Orte bringen, die man sonst eher
aus dem Alltag kennt.
taz: Und wie kuratieren Sie das Festival?
Kavouras: Wir schauen, welche Neuerscheinungen es gibt, in denen Essen,
Trinken und Gastfreundschaft eine Rolle spielen – und bei welchen Büchern
es denkbar wäre, dass die Literatur selber zum Gastgeber wird. Und wir
achten dabei auch darauf, dass wir eine gute Mischung aus Autor*innen
von außerhalb und aus Hamburg haben.
taz: So gibt es bei Ihnen ja auch die Lesung [1][„Russische Spezialitäten“
von Dmitrij Kapitelman.]
Kavouras: Da wird davon erzählt, wie es ist, wenn eine ukrainische Familie
in Deutschland lebt, aber einen russischen Spezialitäten-Laden hat. Uns
geht es darum zu zeigen, dass man auch aus anderen Kulturen etwas über
Kulinarik lernen kann.
taz: Manchmal ist der kulinarische Bezug ja eher indirekt.
Kavouras: Das stimmt. In der Veranstaltung „Prekär. Traurig. Lustig.“ mit
Tomer Gardi geht es nicht um das Essen selbst, sondern um die prekäre
Situation von Menschen, die für Lieferdienste arbeiten. Da gibt es eine
Szene, in der Kinder ganz gierig auf indische Burger warten, die dann aber
nicht geliefert werden. Und da haben wir gedacht, es wäre doch schön, wenn
man bei der Lesung diese Burger dann doch serviert bekommt.
taz: Der Hamburger Pflichttext zum Thema Essen ist [2][„Die Entdeckung der
Currywurst“ von Uwe Timm], der aber bei Ihnen ja nicht selbst vorliest.
Kavouras: Nein, aber es gibt eine sehr schöne Adaption der Novelle von der
Hamburger Comiczeichnerin Isabel Kreitz, die sich intensiv mit dem Werk
beschäftigt und dabei auch die Hamburger Neustadt illustriert hat, in der
das Festival ja stattfindet.
taz: Zu der Lesung wird eine „vegane Currywurst“ gereicht. Wie ist es denn
dazu gekommen?
Kavouras: Wir haben uns gedacht, dass es heute ja keine
Selbstverständlichkeit mehr ist, einfach Fleisch zu essen. Und wir wollten
auch den Menschen etwas anbieten, die sich sonst vielleicht ausgeschlossen
gefühlt hätten. Und das Wichtige ist ja nicht die Wurst an sich, sondern
die Soße. Und auf die legen wir natürlich großen Wert.
taz: Worauf haben Sie sonst bei der Wahl der Speisen und Getränke geachtet?
Kavouras: Wir wollten auch kulinarisch eine möglichst große Bandbreite
haben. Bei der Lesung des Essays „Eine Frau geht einen Martinez trinken.
Alleine“ von [3][Lou Zucker,] in dem es darum geht, womit eine Frau
konfrontiert wird, die alleine in eine Bar geht, gibt es zum Beispiel
Cocktails.
taz: Und wie ist es zu der Lesung „Erste Hilfe gegen Liebeskummer: Kuchen
und Philosophie“ von Miriam Metze gekommen?
Kavouras: Es gibt in der Hamburger Neustadt ein Café mit dem Namen „Erste
Liebe Bar“. Und wir haben uns gedacht, es wäre spannend, genau diesen Ort
mit unerwiderter Liebe zu konfrontieren. Und gegen den Liebeskummer wird
dann dazu Kuchen gegessen.
18 Aug 2026
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## AUTOREN
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