# taz.de -- Militärische Eskalation im Jemen: Die Rückkehr des Bürgerkriegs
> Im Jemen flammt der militärische Konflikt erneut auf. Während
> Saudi-Arabien noch versucht, ihn einzudämmen, eskalieren die Huthis
> weiter.
(IMG) Bild: Huthi-Anhänger bei einer Kundgebung gegen Saudi-Arabien in Sanaa, 31. Juli
Am Donnerstag um 11 Uhr trafen 8 ballistische Raketen und mehrere Drohnen
Lager der jemenitischen Notstreitkräfte in den Provinzen Hadramaut und
Marib. Die Huthis hatten die Raketen aus der Provinz al-Dschauf abgefeuert,
wobei mehrere Soldaten getötet und Dutzende verletzt wurden. Inoffiziellen
Quellen zufolge lag die Zahl der Todesopfer bei etwa 40, doch das
jemenitische Verteidigungsministerium gab an, die tatsächliche Zahl betrage
[1][17 Soldaten und Offiziere].
Der militärische Sprecher der Huthis bekannte sich zu dem Angriff und
erklärte, die angegriffenen Streitkräfte hätten eine Offensive gegen die
Gruppe vorbereitet. Das jemenitische Verteidigungsministerium kündigte an,
„zu einem Zeitpunkt und an einem Ort seiner Wahl“ zu reagieren, und das
Präsidialamt teilte mit, der Vorsitzende des Präsidialen Führungsrats habe
die Versorgung der Verwundeten sowie eine entschlossene militärische
Reaktion angeordnet.
Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition kündigte keine militärische
Reaktion an. Ihr Sprecher, General Turki al-Maliki, gab lediglich eine
Beileidserklärung ab und erklärte, die Position des Königreichs „bleibe
standhaft und unterstütze die legitime Regierung des Jemen“ – eine
Reaktion, die viele regierungsfreundliche Jemeniten online mit Frustration
aufnahmen und mit dem Argument kritisierten, sie ermutige die Huthis nur
noch mehr.
Der Angriff ist die größte Operation der Huthis im Jemen seit Inkrafttreten
des von der UNO vermittelten Waffenstillstands im April 2022. In den
vergangenen Wochen kam es an mehreren Fronten zu vereinzelten
Zusammenstößen, bei denen Kämpfer auf beiden Seiten ums Leben kamen.
Quellen vor Ort in den von den Huthis kontrollierten Gebieten berichten,
dass die Gruppe allein im Juli rund 90 ihrer Kämpfer begraben habe, die bei
diesen Zusammenstößen gefallen seien.
Stunden nach dem Angriff auf Marib gab der [2][Sprecher des saudischen
Verteidigungsministeriums] bekannt, dass bei einem Angriff der Huthis auf
zivile Einrichtungen 7 saudische Zivilisten verletzt worden seien, darunter
1 Kind und 1 Frau sowie 1 Jemenit, 1 Pakistaner und 2 Ägypter. Zum
Zeitpunkt der Veröffentlichung hatten die Huthis noch keinen Angriff auf
Saudi-Arabien an diesem Tag für sich beansprucht.
Die Huthis treiben Saudi-Arabien in den Krieg
Die Huthis begannen am 3. Juli mit der Eskalation, nachdem ein iranisches
Flugzeug den jemenitischen Luftraum überflogen hatte, um eine
Huthi-Delegation von der Beerdigung des ehemaligen obersten Führers des
Iran nach Hause zu bringen. Am 13. Juli bombardierte das jemenitische
Verteidigungsministerium die Landebahn, um die Landung eines zweiten
iranischen Flugzeugs zu verhindern. Die Huthis reagierten darauf mit einem
Raketen- und Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen Abha im Süden
Saudi-Arabiens – ihrem ersten Angriff auf das Königreich nach Jahren
inoffizieller Ruhe.
Am 20. Juli verkündete der Huthi-Sprecher Yahya Saree eine [3][Seeblockade]
gegen Saudi-Arabien bei Bab al-Mandab – eine „Belagerung als Antwort auf
die Belagerung“ – und behauptete, Riad blockiere jemenitische Häfen und
Flughäfen. Seitdem geben die Huthis an, acht saudische Tanker angegriffen
und 29 weitere vom Kurs abgebracht zu haben.
Am 27. Juli behauptete Saree, einen Drohnenangriff auf die Pipeline
durchgeführt zu haben, die Öl aus dem Osten Saudi-Arabiens nach Yanbu
transportiert – eine Route, auf die sich Riad nun stützt, nachdem es rund
70 Prozent seiner Exporte dorthin verlagert hat, um die Straße von Hormus
zu umgehen. Fast zeitgleich teilte Saudi-Arabien mit, es habe Drohnen
abgefangen, die auf dieselben Anlagen in Riad und der Ostprovinz abzielten
und von „dem Iran loyalen Milizen“ aus dem Irak gestartet worden seien.
Keine irakische Gruppierung bekannte sich zu dem Angriff; irakischen
Quellen zufolge waren es die Huthis selbst, die von irakischem Boden aus
zuschlugen.
Zwei Tage später griffen saudische Streitkräfte in Abstimmung mit dem
US-Zentralkommando Stellungen der Volksmobilisierungskräfte in sieben
irakischen Provinzen an – Riads erster bestätigter Angriff auf irakischem
Boden seit Beginn des regionalen Krieges. Die Volksmobilisierungskräfte
gaben an, dass 20 Mitglieder getötet und 32 verletzt worden seien. Unter
den Toten befanden sich laut Quellen 5 iranische Offiziere und [4][1
Huthi-Offizier].
Da nun auch diese letzte Exportroute bedroht ist, [5][kündigte Riad] am 30.
Juli nach einem Treffen der Militärchefs aus 43 der 51 eingeladenen Länder
eine neue Koalition zum Schutz der Schifffahrt durch die [6][Meerenge von
Bab al-Mandab], das Rote Meer und den Golf von Aden an. Saudi-Arabien würde
die Koalition anführen und dauerhaft beherbergen.
Eine Kampagne, um Saudi-Arabien unter Druck zu setzen
[7][Ali al-Bukhaiti], ein ehemaliger Huthi-Führer, der mit der Gruppe
gebrochen hat, sagt, bei der Kampagne gehe es weniger um die Verteidigung
des Jemen als vielmehr darum, Saudi-Arabien vor einem möglichen endgültigen
Abkommen zwischen dem Iran und den USA, bei dem die Huthis außen vor
bleiben könnten, unter Druck zu setzen, um Geld und Zugeständnisse zu
erpressen. Er sagt: „Die Gruppe koordiniert sich mit den iranischen
Revolutionsgarden und bewaffneten Milizen im Irak und versucht, so schnell
wie möglich Vorteile zu erlangen, bevor es zu spät ist.“ Dies deckt sich
mit [8][Berichten saudischer Medien], die sich auf Regierungsquellen
berufen und von Geheimdienstinformationen berichten, die auf eine
Koordination zwischen denselben drei Parteien hindeuten.
Militärexperten sagen, Saudi-Arabien ziehe es vor, den Konflikt nicht
auszuweiten, da die US-Regierung trotz Anschlägen auf saudischem Boden
nicht eingegriffen habe – selbst wenn das Königreich Angriffen aus mehreren
Richtungen gleichzeitig ausgesetzt sei. Riad ist am Freitag Gastgeber eines
Treffens mit Kronprinz Mohammed bin Salman, dem türkischen Präsidenten
Recep Tayyip Erdoğan und dem pakistanischen Premierminister, um gemeinsame
Verteidigungsabkommen zu unterzeichnen, wie Quellen aus dem Umfeld der
saudischen Regierung berichten.
Die Eskalation zeigt, dass die seit 2022 im Jemen herrschende Situation des
„Weder Krieg noch Frieden“ fragiler ist denn je. Während die Huthis darauf
setzen, vor einer Einigung zwischen dem Iran und den USA weitere Gebiete zu
erobern, steht Saudi-Arabien vor zwei schwierigen Entscheidungen: einer
militärischen Reaktion, die eine neue Front eröffnen könnte, oder
Zurückhaltung, die die Huthis in ihrer Überzeugung bestärken könnte, dass
der Druck auf das Königreich ihren Einfluss im Jemen stärkt.
Der Jemen leidet unterdessen unter einer beispiellosen
Ernährungsunsicherheit: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist auf
Hilfslieferungen angewiesen, die durch die Einschränkungen der Huthis für
Hilfsorganisationen in letzter Zeit unterbrochen wurden, was eine Krise
verschärft, die die UNO 2021 als die schlimmste der Welt bezeichnet hatte.
7 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/YemenMOD/status/2085495184205164988
(DIR) [2] https://x.com/CJFCSpox/status/2085481689971663133
(DIR) [3] /Angriffe-von-Jemens-Huthi-Miliz/!6199355
(DIR) [4] https://x.com/BashaReport/status/2082559816728293510
(DIR) [5] https://www.reuters.com/world/middle-east/saudi-arabia-unveils-plans-multinational-maritime-defence-coalition-2026-07-30/
(DIR) [6] /Jemen-im-Krieg-zwischen-Iran-und-USA/!6198078
(DIR) [7] https://x.com/Ali_Albukhaiti
(DIR) [8] https://x.com/alarabiya_eng/status/2085461231310131344?s=46
## AUTOREN
(DIR) Najm Aldain Qasem
## TAGS
(DIR) Jemen Bürgerkrieg
(DIR) Jemen
(DIR) Huthi-Rebellen
(DIR) Saudi-Arabien
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Verhandlungen um die Straße von Hormus: Iran stellt neue Forderungen an die USA
Laut Iran und Oman sei eine Einigung über die Wiedereröffnung der Meerenge
nahe. Nun stellt Teheran Bedingungen, die für die USA inakzeptabel sein
dürften.
(DIR) +++ Nachrichten im Irankrieg +++: 58 Soldaten im Jemen bei Huthi-Angriffen getötet
Im Jemen werden Angriffe der von Iran unterstützten Miliz gemeldet.
Saudi-Arabien warnt vor einer koordinierten Angriffswelle irakischer
Milizen und Huthis.
(DIR) Angriffe von Jemens Huthi-Miliz: Internationaler Schiffsverkehr geht zurück
Immer weniger Öltanker durchqueren das Südende des Roten Meeres, wo Jemens
Huthi-Miliz das Sagen hat. Iran und USA legen derweil eine Kriegspause ein.
(DIR) Eskalation am Roten Meer: Huthi-Miliz feuert Raketen auf Saudi-Arabien ab
Die mit dem Mullah-Regime in Teheran verbündeten Huthis im Jemen
attackieren Städte in Saudi-Arabien. Riad hatte zuvor Stellungen der Miliz
zerstört.