# taz.de -- Neues Militärbündnis in Nahost: Mit dem Mecca Defence Agreement gegen die Regionalkrise
> Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei wollen sich künftig in allen
> Verteidigungslagen beistehen. Die Bedrohung sitzt in Teheran – aber nicht
> nur.
(IMG) Bild: Man freut sich über das Verteidigungsabkommen: die Staatschefs der Unterzeichnerstaaten Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan
Die Welt im Nahen Osten ordnet sich neu. Ausgerechnet in der für den Islam
heiligen Stadt Mekka haben Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan ein für
die Region völlig neues Sicherheitsabkommen geschlossen: das Mecca Defence
Agreement. Damit ergänzen sich drei Mittelmächte: Saudi-Arabien verfügt als
größter Ölstaat am Golf über gewaltige Geldreserven, Pakistan als einziges
islamisches Land über Atomwaffen und die Türkei stellt die zweitgrößte
Nato-Armee und ist bedeutende Rüstungsproduzentin.
Der Pakt ist eine Reaktion auf die eskalierende Regionalkrise seit [1][dem
US-israelischen Angriff auf Iran am 28. Februar] und den folgenden
iranischen [2][Vergeltungsschlägen auf arabische Golfstaaten]. Vor allem
Riad nimmt zur Kenntnis, dass die USA nicht mehr die Schutzmacht für die
arabischen Golfstaaten sind.
Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten sei bereits mehrfach „erschüttert“
worden, sagt Andreas Reinicke, Direktor des Deutschen Orient-Instituts:
„Diese Ursprungsidee, die Amerikaner verteidigen den Golf, ist im Grunde
genommen ad acta gelegt. Man braucht etwas Neues“, so der frühere
EU-Sonderbeauftragte für den Friedensprozess im Nahen Osten.
Der Text des Abkommens ist bisher nicht öffentlich. In einer gemeinsamen
Erklärung zu den gegenseitigen Verteidigungsgarantien heißt es, diese seien
darauf ausgerichtet, „die kollektive Abschreckung gegen jegliche Aggression
zu stärken“. Es werde festgelegt, „dass jeder bewaffnete Angriff gegen
einen der drei Staaten als Angriff gegen alle drei Staaten angesehen wird“.
Weiter heißt es darin: „Das Abkommen sieht die Stärkung aller Aspekte der
Verteidigungszusammenarbeit zwischen den drei Staaten vor.“ Es seien
gemeinsame Manöver, Austausch von Geheimdienstinformationen, Kooperation in
Rüstungsfragen und andere Punkte geregelt, heißt es in regierungsnahen
Medien der drei Unterzeichnerstaaten.
Nach Angaben der beteiligten Länder steht der Beitritt auch anderen Staaten
wie Ägypten und Katar offen.
## Ein Grund für den Pakt ist wohl die Bedrohung durch Iran
Vor allem Saudi-Arabien will sich gegen Angriffe aus Iran und der von
Teheran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen schützen. Beide attackieren
derzeit außerdem das Ölexportgeschäftsmodell des Landes: Iran blockiert die
Straße von Hormus, [3][die Huthis die Meerenge Bab al-Mandab], die Riad als
Alternativroute durch das Rote Meer dienen soll und am Jemen vorbei
verläuft. Durch die Straße von Hormus werden normalerweise ein Fünftel der
globalen Öl- und ein Viertel der Flüssiggasexporte verschifft.
Teheran kritisierte den neuen Pakt gleich: „Die Saudis sollten wissen, dass
ein Abkommen auf dem Papier mit der Türkei und Pakistan ihnen [4][keine
Sicherheit bringen wird], genauso wenig wie ihnen jahrelanges einseitiges
‚Ausbeuten‘ durch die Amerikaner Sicherheit gebracht hat“, schrieb Ebrahim
Rezaei, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, auf der
Plattform X. „Ändert eure Politik, damit ihr nicht bei anderen um
Sicherheit betteln müsst.“
## Und dann sind da noch Israel und die Emirate
Saudi-Arabien, die Führungsmacht des sechs arabische Golfstaaten
umfassenden Gulf Cooperation Councils und wirtschaftlich wichtigstes Land
der Region, geht mit dem Abkommen einen anderen Weg als Nachbar Vereinigte
Arabische Emirate. Diese hatten in der ersten Amtszeit des US-Präsidenten
Donald Trump gemeinsam mit weiteren Ländern der Region [5][die sogenannten
Abraham Accords] geschlossen – ein Kooperationsabkommen mit Israel.
Aus Israel kam bereits scharfe Kritik an dem neuen Dreierpakt: Naftali
Bennett, ehemaliger israelischer Premier, sagte, „die Türkei ist der neue
Iran, und Ankara versucht, Saudi-Arabien gegen Israel aufzubringen und eine
feindselige sunnitische Achse mit dem atomar bewaffneten Pakistan zu
bilden“. Solche Äußerungen – und auch [6][der Angriff Israels auf eine
Delegation der Hamas in Katar im vergangenen September] – tragen dazu bei,
dass einige Golfländer Israel als wachsende Bedrohung in der Region
wahrnehmen.
Der in Riad ansässige Analyst Masoud Alfak meint, „das vorrangige Ziel
besteht darin, die regionale Sicherheit und Stabilität zu fördern, anstatt
Konfrontationen zu suchen oder sich an Kriegen zu beteiligen“.
Dennoch dürften zunächst die Spannungen wachsen: Die Emirate hatten die
Führungsrolle der Saudis zuletzt immer wieder herausgefordert, [7][etwa im
Jemen, wo es im Winter Kämpfe zwischen von Riad und Abu Dhabi unterstützten
Fraktionen gab]. Und Pakistans Rivale Indien rückte zuletzt den Emiraten
und Israel näher.
Die USA beäugen das Abkommen sorgenvoll, vor allem die immer engere
Annäherung Saudi-Arabiens und des Atomstaats Pakistan. [8][Denn Washington
hatte kürzlich Riad per Vertrag den Bau von Atomkraftwerken zugesagt] –
will aber wohl verhindern, dass die Saudis Atomwaffen bekommen. Das jedoch
hatte Kronprinz Mohammed bin Salman angekündigt, [9][sollte Rivale Iran die
Bombe bauen.]
9 Aug 2026
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(DIR) [9] https://www.aljazeera.com/news/2018/3/15/mbs-saudis-will-pursue-nuclear-weapons-if-iran-does
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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