# taz.de -- Weltsozialforum in Benin: Eine andere Welt entsteht bereits
> Weil die Behörden in Benin sich querstellten, begann das Weltsozialforum
> mit zwei Tagen Verspätung. Für die Organisatoren war es trotzdem ein
> Erfolg.
(IMG) Bild: Umweltschützer tragen beim Weltsozialforum 2022 in Porto Alegre eine Weltkugel
Es war ein Start mit Stolpersteinen. Eigentlich hätte das
[1][Weltsozialforum (WSF)] am vergangenen Dienstag mit einer großen Parade
beginnen sollen. Doch bis zum späten Mittwochabend war nicht klar, ob das
größte internationale Treffen von zivilgesellschaftlichen Organisationen,
Bewegungen, Gewerkschaften und Aktivisten überhaupt stattfinden würde. Dann
gaben die Ausrichter der Veranstaltung bekannt, man habe sich mit der
Regierung Benins einigen können, das WSF sei offiziell genehmigt.
Mit zwei Tagen Verspätung durften die Veranstaltungen auf dem offiziellen
Gelände des Forums an der Universität Abomey-Calavi in Cotonou nun doch
stattfinden. Mehr als 800 Organisationen aus 100 Ländern tauschten sich in
15 thematische Schwerpunkte aufgeteilt über die großen Kämpfe sozialer
Bewegungen aus, darunter Klimawandel, Menschenrechte und
Entkolonialisierung.
Das [2][2001 im brasilianischen Porto Alegre gegründete Weltsozialforum]
versteht sich als Gegenentwurf zum jährlich stattfindenden
Weltwirtschaftsforum in Davos und dient als Raum für den Austausch über
soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz, Menschenrechte und alternative
Wirtschaftsmodelle. Dabei geht es hauptsächlich um die Vernetzung und den
Austausch von Erfahrungen. Verbindliche politische Beschlüsse werden dort
nicht gefasst.
Im Vorfeld der mehrtägigen Konferenz fuhren mehrere Buskarawanen mit
insgesamt rund 400 Teilnehmenden aus aller Welt über drei Routen durch
West- und Zentralafrika sowie die Sahelzone, um entlang der Strecke Werbung
für die Anliegen des WSF zu machen. Kurz vor Benins Wirtschaftsmetropole
Cotonou, dem Veranstaltungsort des 17. Weltsozialforums, stoppten jedoch
Sicherheitskräfte die Karawane und schoben die Teilnehmenden nach Togo ab.
## Aktivisten per Flugzeug abgeschoben
Warum die Behörden das machten, ist weiterhin unklar. Auch wurde
Delegierten aus Haiti, Uganda, Finnland und Schweden, die die per Flugzeug
anreisten, der Eintritt nach Benin verwehrt. Sie wurden direkt in den
nächsten Flieger in ihre Heimat gesetzt und erhielten erst in ihren
Heimatländern ihre Pässe zurück.
Zwei Jahre lang war das diesjährige Treffen vorbereitet worden. Dass
Cotonou als Austragungsort des 17. Weltsozialforums ausgewählt wurde, ist
kein Zufall, so die Ausrichter. Die westafrikanische Region sei ein
besonders dynamischer Schauplatz von sozialen Bewegungen und dem Widerstand
gegen Landraub, die [3][Folgen des Klimawandels], Rohstoffausbeutung und
bewaffnete Konflikte. Zugleich entwickelten die Menschen hier eigene
Antworten auf diese Probleme, die auf lokalem Wissen, Solidarität und der
Verteidigung gemeinschaftlicher Rechte beruhten.
Eine Erklärung, warum Benins Regierung ihre Unterstützung kurz vor Beginn
des WSF zunächst zurückzog, gab es bis zum Schluss nicht. Auch gab es keine
Erklärung, warum die Karawane kurzerhand abgeschoben wurde. Während Benin
lange als demokratisches Vorzeigeland Westafrikas galt, beklagten
Menschenrechtsorganisationen zuletzt eine schrittweise Einschränkung ihres
Handlungsspielraums. So werden strengere Auflagen für Opposition und
Medien, die Verfolgung politischer Gegner sowie eine wachsende Beschneidung
grundlegender Freiheitsrechte kritisiert.
Mit ihrem Vorgehen haben die Behörden in Benin viel Kritik auf sich
gezogen. „Die Schwierigkeiten zeigen einmal mehr, wie sehr
zivilgesellschaftliche Räume verteidigt werden müssen“, schreibt die
deutsche Delegation beim Weltsozialforum in einer Stellungnahme. Die
Ereignisse in Cotonou zeigten jedoch auch, dass eine andere Welt durch
gemeinsames und solidarisches Handeln bereits entstehe.
## Programm in drei Tage gequetscht
Teilnehmende organisierten sich selbst, hielten Treffen ab und machten ihre
Arbeit, berichtet Saliou Diouf von der senegalesischen Organisation Boza
Fii. Die Organisation setzt sich für die Rechte von Migrantinnen und
Migranten ein und wollte sich während des Forums mit anderen Akteuren
vernetzen.
Statt auf vier Tage verteilt, wurde das Programm nun in drei Tage
gequetscht. Dem Geist der Veranstaltung habe das jedoch keinen Abbruch
getan. „Das Ziel des Forums ist es, Menschen über Ländergrenzen hinweg
zusammenzubringen und den Austausch und die gegenseitige Unterstützung zu
fördern“, erklärt Selina Wiredu vom bischöflichen Hilfswerk Misereor, die
die Westafrikakarawane begleitet hatte. Trotz der Stolpersteine sei dies
erfolgreich passiert.
9 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Helena Kreiensiek
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