# taz.de -- „Before“-Trilogie bei HBO: Ein wohliges Gefühl der Nostalgie
       
       > Wer heute die Liebesfilme mit Ethan Hawke und Julie Delpy guckt, bemerkt
       > schmerzhaft was der heutigen Kinolandschaft fehlt. Nämlich richtig gute
       > RomComs.
       
 (IMG) Bild: Die große Liebe oder nur ein schöner Tag? Julie Delpy und Ethan Hawke in „Before Sunrise“
       
       Es passierte nicht mit einem lauten Knall, sondern ganz schleichend: In den
       letzten Jahren sind [1][RomComs nach und nach aus den Kinos verschwunden].
       Und ich vermisse sie schmerzlich. Weniges entspannt mich so sehr, wie in
       das fiktive Gefühlsleben anderer einzutauchen. Wird dann doch noch einmal
       eine romantische Komödie produziert, ist sie mir oft zu knallig oder zu
       abgedreht. Einfache Filme zum Schmachten, wie die Klassiker „Notting Hill“,
       „When Harry Met Sally“ oder „You’ve got Mail“, gibt es nicht mehr.
       
       Ich konnte mein Glück also kaum fassen, als mir HBO vor Kurzem einen
       Indie-Klassiker vorschlug, von dem ich zwar schon viel gehört, ihn aber
       noch nie gesehen hatte: „Before Sunrise“. Denn alles, was ein Film heute
       braucht, um erfolgreich zu sein, hat dieser nicht.
       
       Die Geschichte ist simpel: Der junge US-Amerikaner Jesse ([2][Ethan Hawke])
       und die französische Studentin Celine (Julie Delpy) [3][lernen sich auf
       einer Zugfahrt kennen] und verstehen sich auf Anhieb so gut, dass Jesse
       Celine bittet, mit ihm in Wien auszusteigen. Sie sagt zu und die beiden
       spazieren stundenlang durch die österreichische Hauptstadt – wohl wissend,
       dass ihre gemeinsame Zeit begrenzt ist.
       
       ## Alles plätschert vor sich hin
       
       „Before Sunrise“ arbeitet weder mit Cliffhanger noch mit einer tiefen
       Message, sondern setzt rein auf Dialog. Die beiden unterhalten sich im
       wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt – manchmal hören wir dabei
       tiefe Lebensweisheiten, manchmal, gerade aus heutiger Sicht, vollkommenen
       Quatsch. Doch das unterstützt nur das wohlige Gefühl der Nostalgie, das
       sich beim Gucken einstellt.
       
       Auch die Optik des Filmes ist angenehm zurückhaltend. Obwohl der Film in
       Wien spielt, wird nicht in jeder Szene ein barockes Kulturerbe
       eingeblendet, sondern die Stadt bleibt Kulisse für die zwei Verknallten.
       
       Und obwohl die beiden mit ihren Besserwissereien auch mal nerven, habe ich
       sie schnell in mein Herz geschlossen und bin nicht bereit, sie nach knapp
       zwei Stunden schon wieder zu verabschieden. Zum Glück hat Regisseur Richard
       Linklater mit jeweils neun Jahren Abstand noch einen zweiten und dritten
       Teil geschaffen, und wir dürfen mit dem Paar noch einen Tag durch Paris und
       ein paar Wochen durch Griechenland spazieren.
       
       Auch hier plätschert die Handlung fröhlich vor sich hin. Genau die richtige
       Unterhaltung also nach einem langen Sommertag.
       
       21 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Romantische-Film-Komoedien/!5850305
 (DIR) [2] /Ethan-Hawke-in-Blue-Moon-von-Richard-Linklater-Kleiner-Mann-mit-grossem-Herzen/!6165114
 (DIR) [3] /Finnischer-Kinofilm-Abteil-Nr-6/!5841809
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Carolina Schwarz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) HBO
 (DIR) Komödie
 (DIR) Filme
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) TV-Serien
 (DIR) Serien-Guide
 (DIR) Gangsterfilm
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Das Ende von „Sex and The City“: Das feministische Vermächtnis von Carrie Bradshaw
       
       Eine Ära geht zu Ende: Die letzte Folge „And Just Like That“ läuft. Damit
       findet das „Sex And The City“-Imperium sein Ende. Eine Verneigung
       
 (DIR) Netflix-Serie „Nobody Wants This“: Rabbi mit Herzschmerz
       
       Die Netflix-Serie „Nobody Wants This“ will das Comeback der Romcom sein.
       Ganz gelingt ihr das aber nicht.
       
 (DIR) Film „A Killer Romance“: Ein Job, der ihm gefällt
       
       Die Komödie „A Killer Romance“ zerstört den Mythos des Auftragsmörders.
       Über die popkulturelle Obsession.