# taz.de -- Rechtsextreme Rockmusik: Schwurbelnde Liederkönige, schweigende Behörden
> Die Bundesregierung hat keine Kenntnisse über AfD-Events mit
> musikalischer Unterstützung von Rechtsrock-Bands. Die Linke hatte
> nachgefragt.
(IMG) Bild: Der passende Barde für die AfD: Hannes Ostendorf, Sänger der rechtsextremen Band Kategorie C im Jahr 2014
Das Konzert fand kürzlich in einer Eckkneipe in Heide statt. Hannes
Ostendorf trat in der schleswig-holsteinischen Stadt auf. Als Frontmann der
Band „Kategorie C“ ist er einer der Stars der Rechtsrock-Szene. Eine
antifaschistische Initiative machte das konspirative Konzert vom 24. Juli
publik. Die Betreiber bestätigten den Auftritt auf Instagram, beteuerten
dort aber, „das Liedgut“ sei nicht „rechtsgerichtet oder extremistisch“
gewesen. Rechte Gäste seien nicht gekommen, obwohl Ostendorf seit Jahren
rechtsextreme Fans anzieht – mal solo, mal mit Band.
In einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der
Linken zu Rechtsrock wird der stämmige Glatzkopf erwähnt. Diese Erwähnung
ist allerdings einer der wenigen konkreten Informationen zur „Musik der
extremen Rechten“. Bereits im Juni hatte die Linksfraktion im Bundestag zur
musikalisch unterlegten Hetze angefragt. Zwischen Juli und Dezember 2025
fanden demnach allein 20 Konzerte und 100 Liederabende statt, antwortet die
Bundesregierung.
Die Antworten offenbaren allerdings auch, dass die Sicherheitsbehörden
öffentlich bekannte Veranstaltungen nicht angaben. Nicht erwähnt waren
unter anderem Musikevents in der verschwörungsideologischen und
esoterisch-völkischen Szene sowie bei der AfD, [1][sagt die Linksfraktion].
Deshalb hakte sie nach. Die neunseitige Antwort lässt jedoch erneut Fragen
offen.
## V-Leute schützen
Die Linke wollte wissen, warum Auftritte von Musiker:innen unter
Künstlernamen nicht namentlich angegeben wurden, obwohl sie in
Landesverfassungsschutzberichten erwähnt werden. Die Antwort: zum Schutz
von Grundrechten Dritter. Die Bundesregierung enthalte sich einer Bewertung
der Landesberichte aufgrund der föderalen Kompetenzverteilung. Zu den
Auftritten der Musiker mit den Künstlernamen „Yann Song King“, „Estéban
Cortez“ und „Björn Banane“ möchte die Bundesregierung nichts darlegen, da
die Informationen in „besonderem Maße das Staatswohl berühren“ würden. Die
Akteure könnten Abwehrstrategien gegen die Beobachtung entwickeln. Die
Antwort legt nahe, dass Informant:innen oder V-Leute geschützt werden
sollen.
In den sozialen Medien suchen die drei Musiker selbst eine breite
Öffentlichkeit. Yann Song King stellt sich auf seiner Website als
„schwurbelnden Liederkönig und beliebten Heimatdichter aus
Dunkeldeutschland“ vor. Estéban Cortez und Björn Banane dokumentieren
online ihre Auftritte bei der AfD. Björn Banane, alias Björn Winter, der
auch für AfD-Funktionäre arbeitet, provozierte am 27. Juli in Potsdam beim
CSD-Gedenken: Er bezeichnete die Trauernden als „Regenbogenfaschisten“.
## Schärfstes Schwert der Opposition
Die drei Musiker bewegen sich zudem im „Phänomenbereich
[2][Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates]“. 2021 führte
das Bundesamt für Verfassungsschutz diesen Bereich im Zuge der
Querdenken-Proteste ein. Als eigenständiger Bereich werde er inzwischen
aber nicht mehr geführt, da er „an Bedeutung verloren“ habe. Die Antwort
lässt sich so verstehen: Weil auf der Straße keine Proteste mehr
stattfinden, wird offenbar auch nicht mehr genau hingeschaut.
Zu Events der AfD mit Musik erklärt die Bundesregierung, dass diese
Veranstaltungen, sofern rechtsextreme Bands oder Solokünstler:innen
auftreten, bei den „rechtsextremen Musikveranstaltungen“ mitgezählt würden.
Auf die Frage, welche Erkenntnisse zu 17 Veranstaltungen mit
AfD-Beteiligung und musikalischer Darbietung zwischen Juli und Oktober 2025
vorlägen, räumt die Bundesregierung jedoch ein, keine Erkenntnisse zu
haben.
„Das Fragerecht ist das schärfste Schwert der Opposition“, sagt die
Linke-Politikerin Mandy Eißing. Die Bundesregierung berufe sich jedoch aufs
Staatswohl, um Auskünfte zu verweigern, die längst öffentlich bekannt
seien. In anderen Fällen wiederum wolle sie offenbar gar nichts wissen,
obwohl es Medienberichte gebe, so die Sprecherin der Linken für
bürgerschaftliches Engagement und für Ostdeutschland. Für den Osten sei das
besonders bitter, da hier die meisten Konzerte stattfänden. „So
funktioniert parlamentarische Kontrolle nicht“, sagte Eißing.
4 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /AfD-und-Rechtsrock/!6187059
(DIR) [2] https://www.kas.de/de/web/extremismus/verfassungsschutzrelevante-delegitimierung-des-staates
## AUTOREN
(DIR) Andreas Speit
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