# taz.de -- Über miese Wohnverhältnisse in Bremen: „Vonovia erzielt auf dem Rücken der Menschen Rekordgewinne“
       
       > Probleme mit der Heizung sind für Mieter:innen eines
       > Vonovia-Wohnkomplexes in Bremen Alltag. Sie sollten sich zusammentun,
       > sagen zwei Linke.
       
 (IMG) Bild: Viel Kritik, aber wenig Verbesserung an den Wohnverhältnissen: Und Vonovia steigert seinen derweil seinen Gewinn
       
       taz: Frau Kutterer, Herr Chaunière, Sie gehen derzeit in einem
       Vonovia-Wohnkomplex in Bremen-Hemelingen von Tür zu Tür und unterstützen
       die Mieter:innen, ihre zu viel gezahlten Heizkosten zurückzufordern. Wie
       groß ist das Problem aus Ihrer Sicht? 
       
       Kilian Chaunière: [1][Das Problem mit Vonovia] ist unserem Verständnis nach
       sehr groß, weil es sich dabei nicht nur um Wohnkosten handelt, sondern um
       gesundheitliche Einschränkungen und einen massiven Mangel an
       Lebensqualität. Dieser entsteht dadurch, dass Vonovia auf dem Rücken der
       Menschen Rekordgewinne erzielt.
       
       Elisabeth Kutterer: Durch die Gespräche ist uns bewusst geworden, dass es
       sich um strukturelle Probleme handelt, weil Vonovia diese Immobilien
       komplett verwahrlosen lässt. Es ist schockierend dort und Vonovia ignoriert
       das seit vielen Jahren konsequent.
       
       taz: Können Sie den Zustand der Häuser näher beschreiben? 
       
       Chaunière: Die Menschen vor Ort haben uns berichtet, dass das zentrale
       Heizungssystem marode ist und seit Jahren im Winter immer wieder ausfällt.
       Vonovia möchte Geld einsparen, indem sie dringend notwendige Reparaturen
       nicht vornehmen und stattdessen kurzfristige Lösung finden will. Das führt
       zu Schimmelproblemen. Und das ist eine konkrete, gesundheitsschädigende
       Komponente. Ich würde fast so weit gehen, da den Vorwurf zu machen, dass
       man aktiv Menschen ihrer Gesundheit beraubt.
       
       taz: Es wohnen rund 700 Menschen in dem betroffenen Wohnkomplex „Hinter den
       Ellern“. Wer lebt dort? 
       
       Chaunière: Unserer Wahrnehmung nach sind es sehr unterschiedliche Menschen
       – von alleinstehenden Personen lange in der Rente über eine sechsköpfige
       Familie mit einem Alleinversorger im Schichtdienst bis hin zu chronisch
       kranken Menschen, die Unterstützung vom Staat beziehen. Ein gemeinsamer
       Nenner, den wir wahrnehmen, ist eine generelle Prekarität. Es sind also
       Menschen, die es sich aufgrund ihres Lohnstatus nicht leisten können,
       wegzuziehen. Generell sind es Menschen, mit denen man dieses unfaire Spiel
       gut spielen kann.
       
       taz: Sie werfen Vonovia vor, von Unwissenheit, Sprachbarrieren und Ängsten
       der Mieter:innen zu profitieren. Woran machen Sie das fest? 
       
       Kutterer: Unser Gefühl ist, dass Vonovia ausnutzt, dass viele
       Mieter:innen ihre Mieterrechte nicht kennen oder sich nicht trauen,
       diese durchzusetzen. Das liegt zum Beispiel daran, dass viele Menschen
       Angst haben, den Mietvertrag gekündigt zu bekommen. Und das treibt sie in
       eine Hilflosigkeit. Wir sind uns sicher, dass Vonovia das kalkuliert, weil
       sie wissen, dass die Menschen gezwungen sind, diese Zustände zu
       akzeptieren.
       
       taz: Einige Mieter:innen berichten, dass sie trotz eingereichter
       Heizkostenanträge monatelang auf eine Reaktion von Vonovia warten oder gar
       keine Rückmeldung erhalten. Wie erleben Sie den Umgang des Konzerns mit den
       Betroffenen? 
       
       Kutterer: Wir haben einen Mieter kennengelernt, der uns berichtet hat, dass
       seine Heizung sich nicht mehr regulieren lässt. Sie hat im Hochsommer
       während der Hitzewelle auf voller Stufe geheizt. Diesen Mangel hat er
       dutzendfach angezeigt, ohne dass ein Handwerker vorbeikam. Das ging mehrere
       Monate lang. Er hat sich dann mit der Situation arrangiert, obwohl sie akut
       seine Gesundheit bedroht hat.
       
       taz: Wie kann sich etwas an der Situation der Mieter:innen ändern? 
       
       Kutterer: Wir glauben, dass [2][öffentliche Aktionen Druck auf Vonovia
       Bremen erzeugen können]. Aber wir sind auch überzeugt davon, dass sich nur
       etwas an der Wohnsituation der Menschen vor Ort verbessern kann, wenn sie
       sich gemeinsam gegen diesen Konzern wehren. Wenn Menschen sich
       zusammenschließen und Druck aufbauen für Interessen, die sie alle
       betreffen, wie die Heizungsausfälle jeden Winter, glauben wir, dass Vonovia
       auch einlenken muss.
       
       12 Aug 2026
       
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