# taz.de -- Demokratische Primaries in den USA: Wählbar oder nicht wählbar? Und für wen?
       
       > Die demokratischen Vorwahlen in Michigan für die Senatskandidatur sind
       > eine Richtungswahl. Mit Millionen Dollar dabei: die Pro-Israel-Lobby
       > Aipac.
       
 (IMG) Bild: Abdul El-Sayed tritt bei den demokratischen Vorwahlen in Michigan an
       
       Eines wollte Abdul El-Sayed gleich klarstellen, als er sich mit David
       Remnick, dem Chefredakteur des New Yorker, zum Gespräch zusammensetzte.
       „Ich bin kein Sozialist. Ich mag den Kapitalismus.“ Sollten die WählerInnen
       von Michigan den Sohn ägyptischer Einwanderer im Herbst in den Senat
       wählen, würden sie nicht von jemandem vertreten, der eine große
       Verstaatlichungswelle anzettelt oder den freien Wettbewerb ausschaltet.
       Anders als etwa die neuen Kongresskandidatinnen Chevalier und Valdez aus
       New York gehört er nicht den [1][Democratic Socialists of America] an.
       
       Dennoch steht El-Sayed im derzeitigen [2][Richtungskampf der Demokratischen
       Partei] in dieser Woche im Rampenlicht. Wenn er am Dienstag in der Vorwahl
       der Partei gegen die amtierende Senatorin des Staates, Hayley Stevens,
       antritt, steht er als Vertreter der progressiven Welle vor den Wählern, die
       in den vergangenen Monaten zunehmend von der Partei Besitz ergreift.
       
       Dabei kommt El-Sayed in der Frage, ob die Demokraten in Washington scharf
       nach links schwenken, um Donald Trump die Stirn zu bieten, eine besonders
       wichtige Stellung zu. Zum einen sind die Vorwahlen im oberen Mittelwesten
       an diesem Dienstag eine harte Probe, ob progressive Politiker nicht nur in
       den urbanen Zentren an der Küste, sondern auch im „Heartland“ der USA eine
       Chance haben. Zum anderen ist die Senatswahl von Michigan entscheidend bei
       der Frage, ob die Demokraten ab kommendem Jahr auch in der höheren Kammer
       des Parlaments die Mehrheit zurückerobern können.
       
       Deshalb wird El-Sayed von den demokratischen Wählern in Michigan, einem
       Industriestaat, der um seine Zukunft ringt, vor allem nach seiner
       vermeintlichen Wählbarkeit beurteilt. Sein mutmaßlicher republikanischer
       Gegner Mike Rogers hat mehrfach gesagt, dass es für ihn gut aussähe,
       sollten die Demokraten El-Sayed aufstellen. Jonathan Chait, ein durchaus
       liberaler Kolumnist beim New York Magazine, warnte, dass El-Sayed zwei
       toxische Ideologien in sich vereinige: zum einen, trotz El-Sayeds
       Bekenntnis zum Kapitalismus, einen banalisierten, pauschalen Hass auf die
       Reichen. Zum anderen, wie Chait sagt, einen obsessiven Antizionismus.
       
       ## Immer weniger US-Amerikaner unterstützen Israels Regierung
       
       Beides vereinige sich nach Ansicht von El-Sayeds Kritikern in seiner
       zentralen Wahlkampfbotschaft. Wie die meisten progressiven Kandidaten in
       diesem Wahlkampfzyklus kämpft er dafür, Lobbygelder aus der Politik
       herauszubekommen. Seiner Kontrahentin Stevens wirft er vor, 60 Millionen
       Dollar von Vertretern von Sonderinteressen angenommen zu haben – angefangen
       bei Krankenversicherern, die sich gegen eine staatliche
       Krankenversicherung, wie Sayed sie will, stellen, über Stromversorger, die
       große Datenzentren wollen, bis hin zur Pharmaindustrie.
       
       Der größte Stolperstein sind jedoch die Zuwendungen der Israel-Lobby Aipac.
       Laut der Bundeswahlkommission FEC hat Aipac in Michigan schon jetzt die
       Rekordsumme von 30 Millionen Dollar ausgegeben, um El-Sayed zu besiegen.
       Ein Zeichen dafür, wie tief Aipac bereit sein wird, in diesem
       Zwischenwahlkampf in die Tasche zu greifen.
       
       El-Sayed glaubt jedoch wie viele seiner Parteigenossen, dass die
       Unterstützung durch Aipac nach hinten losgeht. Immer weniger Amerikaner
       möchten, dass ihre Regierung weiterhin Israel unterstützt. Laut neueren
       Umfragen haben 62 Prozent eine negative Ansicht über die israelische
       Regierung. Laut dem Londoner Guardian ist Aipac in der US-Politik eine
       „toxische Marke geworden“. Bei den [3][demokratischen Vorwahlen in New
       York] beispielsweise wurde KandidatInnen ihre Verbindung mit Aipac zum
       Verhängnis.
       
       El-Sayed bestreitet derweil, dass er, wie Chait behauptet, ein militanter
       Antizionist sei. Anders als etwas Darializa Chevalier, die in New York für
       das Abgeordnetenhaus kandidiert, verurteilt Sayed klar den 7. Oktober. Er
       möchte nur, dass die USA Geld ausgibt, um die „Ausbildung unserer Kinder zu
       verbessern, anstatt irgendwo Menschen zu bombardieren“.
       
       Was die US-Nahostpolitik angeht, sagt er, sei er für das
       Selbstbestimmungsrecht beider Völker, der Palästinenser und der
       israelischen Juden. „Wenn das zwei Staaten sind, wunderbar. Wenn es ein
       Staat wird, ist es mir auch recht. Von mir aus auch 23 Staaten. Ich möchte
       nur nicht, dass Steuergelder aus Michigan an eine Regierung gehen, die
       furchtbare Dinge tut.“
       
       Es ist eine Botschaft, die unter demokratischen Wählern von Michigan
       Anklang zu finden scheint. Sayed liegt zurzeit in den Umfragen mit bis zu
       19 Prozentpunkten Vorsprung in Führung. Sollte sich das Ergebnis an diesem
       Dienstag bestätigen, würde dies die Demokratische Partei massiv in ihrem
       progressiven Kurs bestärken. Auch, wenn El-Sayed sich klar zum Kapitalismus
       bekennt.
       
       4 Aug 2026
       
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