# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Ballistische Raketen auf Kyjiw
       
       > Bei neuen russischen Raketenangriffen werden mindestens neun Menschen
       > getötet. Selenskyj beklagt Mangel an Abfangraketen für die
       > US-Patriot-Systeme.
       
 (IMG) Bild: Folgen des russischen Angriffs: Kyjiw am 1. August
       
       ## Selenskyj: Haben nur eine von 27 russischen Raketen abgeschossen
       
       Die Ukraine hat nach den Worten ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei
       einem russischen Großangriff am Samstag nur eine von 27 ballistischen
       Raketen abgeschossen. Seinem Land fehlten Abfangraketen für die
       US-Patriot-Systeme, sagte ‌Selenskyj. Russland habe insgesamt 35 Raketen
       abgefeuert, darunter 27 ballistische Raketen und 185 Kampfdrohnen. Die
       Hauptstadt Kyjiw sei das Hauptziel des Angriffs gewesen. Dabei wurden nach
       offiziellen Angaben mindestens neun Menschen getötet und 28 Personen
       verletzt. (rtr)
       
       ## Mindestens neun Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kyjiw
       
       Die russischen Streitkräfte haben die ukrainische Hauptstadt Kyjiw
       ukrainischen Angaben zufolge erneut massiv angegriffen. Bei den Angriffen
       auf fünf Regionen in Kyjiw in der Nacht zum Samstag seien mindestens neun
       Menschen getötet und 28 weitere verletzt worden, teilte der staatliche
       ukrainische Rettungsdienst mit. Die Angriffe seien „mit ballistischen
       Raketen“ erfolgt, teilte Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko im
       Onlinedienst Telegram mit. Klitschko schrieb bei Telegram von „Explosionen
       in der Stadt“. Die Bewohner forderte er auf, in den Schutzräumen zu
       bleiben. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, waren
       mehr als zehn Explosionen hintereinander zu hören. Die Wucht der
       Explosionen ließ demnach zahlreiche Autoalarmanlagen anspringen.
       
       In dem Bezirk Darnytsky in der ukrainischen Hauptstadt wurden
       Behördenangaben zufolge bei den Angriffen sieben Menschen getötet und 14
       weitere verletzt. Mehrere Gebäude seien zudem beschädigt worden. In dem
       Bezirk Solomiansky wurden demnach zwei Menschen getötet und acht weitere
       verletzt. Die Angriffe hätten zudem ein fünfstöckiges Wohnhaus beschädigt.
       Unter den Verletzten befanden sich den Behörden zufolge auch vier Kinder.
       Anwohner berichteten von Verwüstung durch die russischen Angriffe. „Alles
       war zertrümmert, die Fenster, alles“, sagte die 75-jährige Kateryna
       Krawtschenko AFP mit Blick auf ihre Wohnung. „Ich kann kaum stehen. Ich
       weiß nicht, wie ich das alles durchstehen soll.“ Die 46-jährige Oksana
       erklärte derweil, sie plane zu gehen. „Nach so etwas kann man hier nicht
       bleiben“, sagte sie AFP. „Was garantiert mir, dass es nicht wieder
       passiert?“
       
       Auf Telegram veröffentlichte Fotos des staatlichen Rettungsdienstes zeigten
       Feuerwehrleute, die Löscharbeiten an einem Gebäude vornahmen, bei dem es
       sich offenbar um ein Wohnhaus handelte. Andere Aufnahmen zeigten
       Rettungskräfte mit Taschenlampen, die Trümmer durchsuchten. Der
       Rettungsdienst erklärte, dass 105 Menschen aus den betroffenen Gebieten in
       Kyjiw gerettet worden seien. (afp)
       
       ## Russische Luftabwehr schießt vier Drohnen ab
       
       Auch die Ukraine griff wieder Ziele in Russland.an. Moskaus Bürgermeister
       Sergej Sobjanin teilte mit, vier Drohnen seien zerstört worden. Über
       mögliche Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Das ukrainische Militär
       [1][nimmt regelmäßig auch Ziele in Russland ins Visier], um den Krieg
       weiter in das Land des Angreifers zu tragen. Das Ausmaß der durch
       ukrainische Angriffe verursachten Schäden und die Zahl der Opfer sind aber
       nicht mit den von Russland angerichteten Zerstörungen in der Ukraine zu
       vergleichen. (dpa)
       
       ## Moskau: Haftbefehl gegen Tochter von getötetem Kremlkritiker Nemzow
       
       Ein russisches Gericht hat gegen die Oppositionelle Schanna Nemzowa,
       Tochter des 2015 in Moskau ermordeten Kremlkritikers Boris Nemzow, in
       Abwesenheit Haftbefehl erlassen. Nemzowa sei als Mitglied in einer in
       Russland für unerwünscht erklärten deutschen Organisation zur Fahndung
       ausgeschrieben, teilte das Gericht in der russischen Hauptstadt mit. Es sei
       eine Untersuchungshaft für zwei Monate angeordnet worden für den Fall ihrer
       Festnahme und die Übergabe an die russischen Sicherheitsorgane. Im April
       2024 nahm das Justizministerium Moskau die von Nemzowa gegründete deutsche
       Boris-Nemzow-Stiftung für Freiheit in die Liste der ausländischen und
       internationalen Nichtregierungsorganisationen auf, deren Tätigkeit auf dem
       Gebiet der Russischen Föderation als unerwünscht eingestuft wurde. Im Fall
       einer Verurteilung drohen ihr bis zu sechs Jahre Haft.
       
       Nemzowa veröffentlichte bei Instagram ein Foto von sich vor der Zentrale
       der Deutschen Welle, dem Auslandssender der Bundesrepublik Deutschland.
       „Ich bin jetzt berühmt“, teilte sie mit. Sie sei gerade in Bonn angekommen,
       wo sie 2015 die Stiftung zur Erinnerung an ihren in Kremlnähe erschossenen
       Vater gründete. In einem Kommentar für die Deutsche Welle meinte sie, dass
       der russische Machtapparat seine Anstrengungen intensiviere, unabhängige
       Stimmen zum Schweigen zu bringen. „Die derzeitige russische Führung geht
       gegen alle Organisationen und Menschen vor, die sich gegen den Krieg
       aussprechen und die Ukraine unterstützen sowie für Menschenrechte und
       bürgerliche Freiheiten eintreten“, sagte sie. Der Machtapparat gehe gegen
       jene Werte vor, die Kremlchef Wladimir Putin unterdrücke. (dpa)
       
       ## Russische Getreidelobby warnt vor Stopp der Exporte im Schwarzen Meer
       
       Russlands wichtigste Getreidelobby hat ‌am Freitag vor einem Stopp der
       Getreideexporte über das Schwarze Meer gewarnt und dies mit
       [2][ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Schiffe und Häfen]
       begründet. Die Angriffe könnten bald zu einer „vollständigen Blockade der
       Exportkorridore“ führen, teilte der Verband der Getreideexporteure der
       Nachrichtenagentur Reuters ‌mit. Dies könne zu einem Ausfall von 30 bis 35
       Millionen Tonnen russischen Weizens führen, was etwa 15 Prozent des
       weltweiten Weizenhandels entspreche. Die Störung der Schifffahrt stelle
       „eine direkte Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit“ dar und könne
       zu Hungersnöten in Afrika und dem Nahen Osten führen.
       
       Russland, der weltgrößte Weizenexporteur, und die Ukraine, ebenfalls ein
       bedeutender Agrarexporteur, haben in den vergangenen ‌Wochen die
       Verladeanlagen und Handelsschiffe des jeweils anderen im Schwarzen Meer
       angegriffen. Die Sorgen um die Lieferungen aus der Region haben ⁠die
       Weizenpreise bereits in die Höhe getrieben. Auch der größte ukrainische
       Bauernverband hatte gewarnt, dass russische Angriffe in der Nähe des Hafens
       von Odessa ‌die ukrainischen ‌Exporte einschränkten. Ein von den Vereinten
       Nationen ⁠vermitteltes Getreideabkommen, das der Ukraine Exporte
       ermöglichte, ist in den vergangenen Wochen durch den russischen Beschuss
       ‌faktisch zum Erliegen gekommen. (rtr)
       
       ## Trump verhalten zu Patriot-Lizenzen für Ukraine
       
       US-Präsident Donald Trump hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Vergabe
       von Lizenzen an die Ukraine zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen
       geäußert. „Wir haben dem nicht zugestimmt. Wir sprechen darüber“, sagte der
       Präsident in einer Kabinettsitzung auf eine entsprechende
       Journalistenfrage. Man müsse besonnen und vorsichtig vorgehen. Es sei eine
       schwierige Entscheidung, eine solche Technologie aus der Hand zu geben.
       Anfang Juli hatte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara der Ukraine die
       Vergabe einer Lizenz in Aussicht gestellt.
       
       In dieser Woche hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dann
       [3][nach einem weiteren Gespräch mit Trump im Weißen Haus in Washington] im
       Interview mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity gesagt: „Er hat zugesagt,
       uns die Lizenzen zu erteilen.“ Die ukrainischen Streitkräfte beklagen, dass
       ihnen Flugabwehrraketen fehlten, um feindliche Geschosse vom Himmel holen
       zu können. Zur Hilfe aufgerufen sind die USA und andere Länder, die über
       moderne Patriot-Systeme verfügen – die einzigen wirklich wirksamen Mittel
       gegen Russlands ballistische Raketen. (dpa)
       
       ## Polen: Abgestürztes Geschoss war russische Rakete
       
       Bei einer über Polen abgestürzten Rakete handelt es sich nach Angaben der
       Regierung in Warschau tatsächlich um einen russischen Marschflugkörper.
       „Ich habe mit dem Einsatzleiter, General Ireneusz Nowak, gesprochen, und
       wir können mit voller Verantwortung bestätigen, dass es sich um eine
       russische Ch-101-Rakete handelt“, sagte Vizeverteidigungsminister Cezary
       Tomczyk am Donnerstagabend dem Radiosender Rmf.fm. Dies sei ein
       Marschflugkörper, der potenziell sehr gefährlich sei und auch
       Atomsprengköpfe transportieren könne. Die Rakete sei beim Aufprall
       explodiert.
       
       Aus Protest gegen den Vorfall bestellte das polnische Außenministerium den
       russischen Botschafter in Warschau ein, wie Regierungschef Donald Tusk
       mitteilte. In Polen und den baltischen Staaten gibt es Befürchtungen, dass
       Russland wegen seiner Probleme im Ukrainekrieg Provokationen gegen
       Nato-Gebiet unternehmen könnte. (dpa)
       
       1 Aug 2026
       
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