# taz.de -- Neue Anklage gegen Telegram-Gründer: Pawel Durow zeigt Russland den Stinkefinger
       
       > Der Telegram-Gründer wird wegen Beihilfe zu Anschlägen angeklagt –
       > während russische Dienste selbst mit „Wegwerfagenten“ arbeiten.
       
 (IMG) Bild: Telegram-Gründer Pawel Durow 2025 in Paris
       
       Pawel Durow sitzt an einem Tisch mit einer Obstschale und Getränken, dreht
       sich um – und zeigt einen Stinkefinger in die Kamera. Gepostet auf dem von
       ihm gegründeten Messengerdienst Telegram. Es ist die Antwort des
       41-Jährigen auf Beschuldigungen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB
       und des Ermittlungskomitee SKR, Russlands oberster Strafverfolgungsbehörde.
       
       Sie hatten den 1984 im damaligen Leningrad, auch Wladimir Putins
       Heimatstadt und heute St. Petersburg, Geborenen angeklagt, gegen § 205.1
       Abs. 1.1 verstoßen zu haben – Beihilfe zu terroristischen Handlungen. Der
       FSB erklärte, dass „zahlreiche Fälle festgestellt und dokumentiert wurden,
       in denen die ukrainischen Geheimdienste den unter Jugendlichen beliebten
       Chatbot des Messengers Telegram ‚Dajvinchik/Leo – Kennenlernen, Chatten und
       neue Freunde‘ – dazu nutzten, Personen in kriminelle Aktivitäten zu
       verwickeln“. Telegram habe diese Kanäle trotz russischer Aufforderungen
       nicht gelöscht. Die Ukraine soll demnach über Telegram Menschen angeworben
       haben für angeblich 153.000 Anschläge gegen russische Ziele.
       
       Durow steht zudem seit Donnerstag auf Rosfinmonitorings Liste der
       Terroristen und Extremisten – sein Vermögen muss eingefroren werden,
       Finanztransaktionen sind praktisch unmöglich, allerdings nur in Russland
       und befreundeten Staaten.
       
       ## Seit 2018 versucht Russland Telegram zu streichen
       
       Seit 2018 versucht Russland, Telegram im Riesenreich zu sperren. Denn Durow
       weigerte sich, dem FSB Aufzeichnungen und Zugang zur Entschlüsselung der
       Korrespondenz zur Verfügung zu stellen. Derzeit ist Telegram in Russland
       nur noch über VPNs zu erreichen, die anonymisierten Internetzugang
       ermöglichen. Der Kreml will seinem Land den vollständig von ihm überwachten
       staatlichen Messenger Max aufzwingen.
       
       Denn in Russland kann der FSB Durow, der in Abwesenheit angeklagt wurde,
       nicht greifen: Er lebt seit langem im Ausland, angeblich zumeist in Dubai.
       Er hat auf seinem Telegramkanal 11,4 Millionen Follower und die
       Staatsbürgerschaften der Vereinigten Arabischen Emirate, Frankreichs und
       des karibischen Staates St. Kitts und Nevis.
       
       Ein Gipfel der Doppelmoral: Westliche Ermittler haben in mehreren Fällen
       ein System „Wegwerfagenten“ nachgewiesen, über das russische
       Geheimdienstler angeblich Menschen für Brandanschläge in Polen oder
       Paketbomben in Leipzig anwarben – während die russische Botschaft in
       Washington ausgerechnet auf ihrem eigenen Telegramkanal und am Tag von
       Durows internationalem Haftbefehl die neuen US-Sanktionen als „Bärendienst“
       für die USA bezeichnete.
       
       2006 schloss Durow „Englische Philologie und Übersetzung“ mit Auszeichnung
       ab und gewann Olympiaden in Informatik, Linguistik und Design. Noch als
       Student gründete er ein digitales Forum, aus dem 2006 „VKontakte“ wurde –
       bis heute eines der führenden sozialen Netzwerke Russlands. 2013 folgte der
       Messenger Telegram, der mittlerweile über eine Milliarde Nutzer hat.
       
       Gegen ihn laufen in Frankreich Vorermittlungen wegen mangelnder Moderation
       von Telegraminhalten: Kriminelle Aktivitäten könnten auf der Plattform
       ungehindert aufgenommen und fortgesetzt werden.
       
       Das US-Magazin Forbes taxiert sein Vermögen auf 6,6 Milliarden Dollar. Der
       umstrittene Unternehmer sagt selbst, er habe „nie reich werden“ wollen,
       sondern frei. Er habe mehrere Hundert Millionen Dollar auf seinen Konten,
       doch mache nichts damit. Seine Ausreise aus Moskau 2014 erklärte er damit,
       dass „Russland mit Internetgeschäften unvereinbar“ sei. Wie der Besitzer
       des Konkurrenten X, Elon Musk, sagt auch der unverheiratete Durow von sich,
       er sei als Samenspender Vater von über 100 Kindern in mehr als einem
       Dutzend Ländern.
       
       30 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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