# taz.de -- Verhandlungen zum Gazastreifen: Trump verkündet Einigung zur Entwaffnung der Hamas
> Hat Donald Trumps Friedensrat wirklich einen Durchbruch erzielt? Die
> Hamas soll ihre Waffen abgeben, doch die Islamisten stellen Bedingungen.
(IMG) Bild: Vermummte Kämpfer der Kassam-Brigaden, des militärischen Flügels der islamistischen Terrororganisation Hamas
dpa | US-Präsident Donald Trump hat eine Einigung auf eine „vollständige
Entwaffnung“ der mit Israel verfeindeten Palästinenserorganisation Hamas im
Gazastreifen verkündet. Im Gegenzug würden die israelischen Streitkräfte
aus dem Küstengebiet abziehen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth
Social. Der genaue Zeitplan für die Umsetzung ist jedoch offen, ein Erfolg
des Vorhabens fraglich.
Zwar sollen die für den Terroranschlag am 7. Oktober 2023 in Israel
verantwortlichen Islamisten laut US-Kreisen einer Entwaffnung zugestimmt
haben. Eine offizielle Stellungnahme der Hamas gab es zunächst jedoch
ebenso wenig wie eine Reaktion des jüdischen Staates. Zuvor hatten sich
israelische Regierungsvertreter skeptisch zu angeblichen Fortschritten in
den jüngsten Verhandlungen geäußert.
Ein Mitglied der Verhandlungsdelegation der Hamas, Ghazi Hamad, sagte dem
Sender Al Jazeera, die Frage der Entwaffnung hänge vom Rückzug Israels aus
dem Gazastreifen und vom Fortschritt des Wiederaufbaus des großflächig
zerstörten Küstengebiets ab. Die Hamas werde keinen Schritt des
Friedensabkommens umsetzen, wenn Israel seinen Verpflichtungen nicht
nachkomme.
## Umstrittener Friedensrat ganz auf Trump zugeschnitten
Obwohl seit Oktober 2025 formell eine Waffenruhe im Gazakrieg herrscht,
kommt es immer wieder zu tödlichen Konfrontationen und Angriffen. Im Zuge
eines von Trump vermittelten Friedensplans wurde zu Jahresbeginn ein
international besetztes „Board of Peace“ ins Leben gerufen, das gemäß
seiner Charta den Wiederaufbau des Gazastreifens und die Nachkriegsordnung
in dem großflächig zerstörten Küstengebiet überwachen soll.
Sichtbare Fortschritte blieben jedoch aus – zumal die Legitimität des ganz
auf die Person Trumps und sein alleiniges Vetorecht zugeschnittenen
Gremiums höchst umstritten ist: Viele europäische Staaten wie Deutschland
sehen es als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen und lehnen es deswegen
ab. Mit dabei sind dagegen Israel und Länder wie Belarus, Katar,
Saudi-Arabien und die Türkei.
## Trump spricht von „monumentalem Schritt“
Als Knackpunkt bei den Gesprächen galt vor allem die in Trumps Friedensplan
vorgesehene Entwaffnung der Hamas, die von den Extremisten bislang
abgelehnt wurde. Nun verkündete der US-Präsident, die durch den Friedensrat
erzielte Einigung sei „ein monumentaler Schritt“ hin zu dauerhaftem Frieden
und Sicherheit. Auch alle anderen islamistischen Gruppen im Gazastreifen
würden entwaffnet. Trump bezeichnete die Vereinbarung als „Meilenstein“ und
dankte den Vermittlerstaaten Katar, Ägypten und der Türkei.
Eine internationale Stabilisierungstruppe solle mit „einer neuen
palästinensischen Polizei“ zusammenarbeiten, um die Sicherheit der Bewohner
des Küstengebiets und der Nachbarn zu gewährleisten, schrieb Trump weiter.
Israel solle die Garantie erhalten, dass der „Gazastreifen nicht länger als
Basis für Terroranschläge missbraucht wird“.
Laut US-Kreisen und Quellen aus dem umstrittenen Friedensrat soll die Hamas
neben einer vollständigen Entwaffnung auch der Entmilitarisierung des
Gazastreifens zugestimmt haben. Über Vermittler hätten die Islamisten „dem
finalen Text des Zeitplans zugestimmt, wie er ihnen in unserer letzten
Vermittlungssitzung vorgelegt wurde“, sagten mehrere mit der Angelegenheit
vertraute Personen. Allerdings wurden in der Vergangenheit schon mehrere
angebliche Durchbrüche verkündet, die später in sich zusammenfielen.
## Zeitplan noch weitgehend offen
In den kommenden Wochen müssten weitere Details ausgearbeitet werden, hieß
es nun US-Quellen zufolge. „Ich denke, wir können in den nächsten ein bis
zwei Monaten Fortschritte sehen“, sagte ein ranghoher Regierungsbeamter.
Eine andere Quelle aus Kreisen des Friedensrates stellte für das gesamte
Vorhaben einen Zeithorizont von „200 bis 350 Tagen“ in Aussicht. Genauere
Angaben könnten erst gemacht werden, sobald „ein Zeitplan für jede Phase“
vereinbart worden sei.
## Bereits zuvor Berichte über Fortschritte
Zuvor hatte es Berichte darüber gegeben, dass es bei Gesprächen in der
ägyptischen Hauptstadt Kairo über eine Entwaffnung der Hamas im
Gazastreifen Fortschritte gegeben haben solle. Bei intensiven Verhandlungen
sei weitgehende Einigkeit über einen 15-Punkte-Fahrplan erzielt worden.
Die Hamas hatte sich eigenen Kreisen zufolge bereit gezeigt, ihre Waffen
unter Aufsicht [1][der palästinensischen Übergangsverwaltung] sowie der
internationalen Vermittler zu stellen. Eine Übergabe an Israel sei nicht
vorgesehen. Im Gegenzug müsse Israel seine Truppen [2][komplett aus dem
Gazastreifen abziehen] und gezielte Tötungen in dem Palästinensergebiet
einstellen.
## 15-Punkte-Plan aus Israels Sicht nicht ausreichend
Ein israelischer Regierungsvertreter hatte vor Trumps Post am
Donnerstagabend mitgeteilt, Israel fordere eine vollständige Entwaffnung
der Hamas, „einschließlich des Abtransports sämtlicher Waffen aus dem
Gazastreifen und einer vollständigen Entmilitarisierung des Küstengebiets
als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess“.
Der diskutierte 15-Punkte-Plan erfülle diese Forderungen nach israelischer
Auffassung nicht ausreichend, hieß es. Bis zur vollständigen Entwaffnung
der Hamas und Entmilitarisierung des Gazastreifens werde es keinen Abzug
der israelischen Armee von der „gelben Linie“ geben.
Israel kontrolliert weiterhin mehr als die Hälfte des abgeriegelten
Küstengebiets. Der Hamas gelang es seit Beginn der Waffenruhe aber,
[3][ihre Herrschaft im von ihr weiterhin kontrollierten Rest des
Gazastreifens wieder zu festigen].
## Hilfsorganisationen schlagen Alarm
Der Terroranschlag der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7.
Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als
250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden, hatte den verheerenden
Gazakrieg ausgelöst. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten
Gesundheitsbehörde wurden seitdem mehr als 73.300 Palästinenser getötet –
wobei die Zahl nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterscheidet.
Israels Regierung und Militär weisen Vorwürfe zurück, Kriegsverbrechen oder
einen Völkermord begangen zu haben.
Internationale Hilfsorganisationen schlagen weiterhin Alarm wegen der
prekären humanitären Lage im Gazastreifen. Viele der rund zwei Millionen
Einwohner sind angesichts der massiven Zerstörungen nach wie vor gezwungen,
in überfüllten Zeltlagern zu leben, in denen es an vielen grundlegenden
Dingen des täglichen Bedarfs fehlt.
31 Jul 2026
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