# taz.de -- Flüchtlinge in Südostasien: Malaysia will Rohingya loswerden
> Malaysias Premier Anwar Ibrahim brüstet sich im Wahlkampf mit einem
> Flüchtlingsdeal. Nach Myanmar sollen 5.000 Menschen zurück, darunter
> Rohingya.
(IMG) Bild: Der malaysische Ministerpräsident Anwar Ibrahim
Laut dem malaysischen Premierminister Anwar Ibrahim hat die Regierung
Myanmars zugestimmt, 5.000 nach Malaysia geflüchtete Angehörige der
muslimischen Minderheit der Rohingya zurückzunehmen. „Wir haben gute
Beziehungen zu Myanmar“, sagte Anwar am Mittwoch laut [1][Medienberichten]
bei einem Wahlkampfauftritt im malaysischen Staat Negeri Sembilan. Dort
wird am Wochenende gewählt. Details nannte der Premier nicht, lobte aber
die erfolgreiche Diplomatie seiner eigenen Regierung.
Am Donnerstag erklärte Innenminister Saifuddin Nasution [2][vor der
Presse], der Prozess zur Identifizierung der 5.000 Personen habe bereits
begonnen. Klare Kriterien nannte er dafür nicht, ließ aber durchblicken,
dass es nicht nur um Rohingya, sondern auch um andere Staatsbürger Myanmars
gehe.
Aus Myanmars Hauptstadt Naypyidaw kam am Donnerstag ein [3][Dementi]: Es
habe keine Zustimmung gegeben, Rohingya zurückzunehmen. Es ginge vielmehr
um andere Flüchtlinge aus Myanmar. Den Rohingya war bereits 1982 die
Staatsbürgerschaft genommen worden.
Anwars Ankündigung des Zurückschickens erfolgte nur zwei Tage nachdem die
Polizei vor dem Büro des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in der malaysischen
Hauptstadt Kuala Lumpur 109 Rohingya festgenommen hatte. Sie hatten dort
Hilfe eingefordert, nachdem sie nach eigenen Angaben aus ihren bisherigen
Unterkünften im Bundesstaat Penang vertrieben worden waren.
## Die Stimmung gegenüber den Rohingya ist gekippt
Am Tag darauf kamen die Festgenommenen, darunter Frauen und Kinder, wieder
frei, weil sie alle legal beim UNHCR als Geflüchtete registriert waren.
[4][Amnesty International] hatte die Festnahmen als „beunruhigend“
kritisiert. Sie seien das Gegenteil von Schutz und Unterstützung.
In Malaysia leben laut letzten UNHCR-Zahlen vom Februar 2026 offiziell
126.000 geflüchtete Rohingya aus Myanmar. Malaysia hat die
UN-Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet, im Land gibt es kein
offizielles Asylverfahren. Bisher waren die Rohingya aus dem überwiegend
buddhistischen Myanmar im mehrheitlich muslimischen Malaysia geduldet.
## Stimmung gegen Rohingya
Aber bereits seit der Coronapandemie hat sich die Stimmung verschlechtert.
Zuletzt bekam eine Petition im Internet, die Abschiebungen von Rohingya
forderte, mehr als eine halbe Million Unterschriften, bevor sie von den
Behörden gestoppt wurde. Zugenommen haben auch die Drohungen gegenüber
Schulen der Rohingya, von denen laut der Nachrichtenagentur [5][Reuters]
bereits neun geschlossen sind.
Malaysias Außenminister Mohamad Hasan warf dem UNHCR vor, Rohingya zu
großzügig als Flüchtlinge zu registrieren und verlangte einen Stopp. Die
Regierung bemühe sich um den Aufbau eines eigenen Systems der
Registrierung.
Aus Myanmar sind mehr als eine Million Rohingya geflohen oder vertrieben
worden, zuletzt flohen 2017 rund 750.000 Menschen vor Pogromen des Militärs
und buddhistischer Hardliner. [6][Es gibt viele Indizien für den Vorwurf
des Genozids.] In Bangladesch leben rund 1,1 Millionen
Rohingya-Flüchtlinge, meist in Lagern bei der südlichen Stadt Cox's Bazar.
Dort ist ihre Lage perspektivlos, weshalb viele über die Andamanensee
weiter nach Malaysia oder [7][Indonesien] fliehen. [8][Dabei kommt es immer
wieder zu Katastrophen], wenn Schiffe untergehen. Zuletzt verschwanden
Mitte Juli zwei Schiffe mit rund 500 Rohingya an Bord.
## Die Fluchtgründe gelten weiter
Bangladesch schloss schon vor einigen Jahren ein gescheitertes
Rückführungsabkommen mit der Militärregierung des Bürgerkriegslandes
Myanmar. [9][Denn die Fluchtgründe gelten weiter.] Zwar hat Myanmar seit
April eine neue Regierung, die aber nur aus Ex-Militärs in ziviler Kleidung
besteht und dem Führer des Militärputsches von 2021 untersteht. Es gibt
weder Sicherheitsgarantien noch Wiederaufbauhilfen. Vielmehr drohen neue
Vertreibungen oder gar Zwangsrekrutierungen durch das Militär oder
Rebellen.
Innerhalb Myanmars sind laut UN knapp 4 Millionen Menschen auf der Flucht.
Ein Drittel der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, davon
leiden 12 Millionen Hunger.
30 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.thestar.com.my/news/nation/2026/07/29/myanmar-to-take-back-5000-rohingya-refugees-from-malaysia#goog_rewarded
(DIR) [2] https://www.malaymail.com/amp/news/malaysia/2026/07/30/home-ministry-starts-refugee-checks-as-malaysia-prepares-to-send-back-5000-myanmar-nationals/229580
(DIR) [3] https://www.newsday.com/news/nation/malaysia-myanmar-repatriation-rohingya-r97069
(DIR) [4] https://www.amnesty.my/2026/07/28/refugees-seeking-help-require-urgent-protection-not-detention/
(DIR) [5] https://uk.news.yahoo.com/rohingya-schools-malaysia-face-closures-010349149.html
(DIR) [6] /Erklaerung-von-US-Aussenminister/!5840215
(DIR) [7] /Zum-zweiten-Mal-geflohen/!5981750
(DIR) [8] /Vor-der-Kueste-Malaysias/!6128177
(DIR) [9] /Bedingungen-fuer-Rueckkehr-nach-Myanmar/!5930088
## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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