# taz.de -- UNO warnt vor Versorgungskrise: Antonio Guterres besucht Rohingya in Bangladesh
       
       > Den aus Myanmar geflohenen muslimischen Rohingya droht in Bangladesch
       > eine Hungersnot. UN-Chef Guterres will vor Ort auf ihre Lage aufmerksam
       > machen.
       
 (IMG) Bild: Rohingya-Flüchtlinge mit Lebensmitteln, die vom Welternährungsprogramm (WFP) in ihrem Flüchtlingslager Cox's Bazar verteilt wurden
       
       Delhi taz | Mit Plastikplanen bedeckte Bambushütten prägen das Bild im
       größten Flüchtlingslager der Welt: Cox’s Bazar im Südosten Bangladeschs.
       Dort leben Hunderttausende Rohingyas unter prekären Bedingungen. Jetzt
       sollen ihre Nahrungsmittelhilfen halbiert werden. Um auf diese desolate
       Situation aufmerksam zu machen, ist am Donnerstag UN-Generalsekretär
       António Guterres persönlich nach Bangladesch gekommen.
       
       Die Rohingya gehören zur muslimischen Minderheit in Myanmar und sind schon
       vor Jahren vor Gewalt und Verfolgung nach Bangladesch geflohen. Von der
       Regierung in Dhaka werden sie geduldet, der legale Zugang zu
       Arbeitsmöglichkeiten ist jedoch stark eingeschränkt. Eine Rückkehr in ihre
       Heimat ist derzeit aussichtslos.
       
       ## Massive Kürzungen bei Nahrungsmitteln
       
       Am Freitag wird Guterres mit dem Chef von Bangladeschs Übergangsregierung,
       Muhammad Yunus, im Lager am abendlichen Fastenbrechen teilnehmen. In der
       Vergangenheit hatte er vergeblich [1][ein Ende der Gewalt in Myanmar] und
       der Verfolgung der Rohingya gefordert.
       
       Doch in den vergangenen Monaten seien rund 100.000 weitere Rohingya nach
       Bangladesch gekommen, teilte das Welternährungsprogramm (WFP) mit und
       schlägt nun wegen der knappen Finanzmittel Alarm. Die massiven Kürzungen
       könnten Hunderttausende Rohingya in Bangladesch treffen. Der Betrag für
       ihre Versorgung soll von monatlich 12,50 US-Dollar pro Person auf 6
       US-Dollar sinken. Damit gäbe es ab April nur noch acht Kilo Reis, eine
       Packung Linsen, eine Flasche Öl und etwas Salz pro Monat.
       
       ## Unterernährte Kinder im Flüchtlingslager
       
       „Die Rohingya sind für ihr Überleben weiterhin vollständig auf humanitäre
       Hilfe angewiesen“, mahnte Dom Scalpelli, WFP-Landesdirektor in Bangladesch.
       Jede Kürzung werde sie noch tiefer in Hunger und Verzweiflung treiben.
       Expert:innen sind beunruhigt, dass sich dadurch Gewalt und Entführungen
       in den Flüchtlingslagern verstärken könnten. Laut Angaben des WFP fehlen
       derzeit 81 Millionen Euro, um die Nahrungsmittelversorgung der Rohingya wie
       bisher bis Ende des Jahres aufrechtzuerhalten.
       
       Ohnehin sind die Ressourcen knapp, doch die Bevölkerung in den Lagern
       wächst. Das Kinderhilfswerk Unicef betont, dass Fälle von Mangelernährung
       im Flüchtlingslager Cox’s Bazar ein wachsendes Problem sind. „Die Kinder
       leiden unter der schlimmsten Unterernährung seit der Massenvertreibung
       2017“, so die Unicef-Vertreterin Rana Flowers.
       
       Im Februar sei die Zahl der Krankenhauseinlieferungen wegen schwerer akuter
       Mangelernährung im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel gestiegen.
       Täglich würden mehr als 38 Kinder unter fünf Jahren zur Notversorgung
       eingeliefert, sagte Flowers.
       
       ## Krankenhäuser wegen USAID-Stopp geschlossen
       
       Das WFP erklärte, die Finanzierungslücke sei auf einen allgemeinen
       Mittelrückgang zurückzuführen und nicht explizit auf den derzeitigen
       [2][Stopp der US-Auslandshilfe (USAID)] durch Präsident Donald Trump.
       Dennoch ist die Gesundheitsversorgung in den Rohingya-Flüchtlingslagern in
       Bangladesch von letzterer direkt betroffen. Mindestens fünf Krankenhäuser
       und 14 weitere Einrichtungen, die von US-Geldern abhängig waren, wurden
       laut Angaben von Amnesty International geschlossen. Von Frauen geführte
       Haushalte sowie Kinder, schwangere Frauen und ältere Menschen sind am
       stärksten betroffen, warnt Smriti Singh, Südasien-Direktorin von Amnesty
       International.
       
       Tun Khin, Präsident der Burmese Rohingya Organisation in Großbritannien
       (BROUK), sieht den Besuch als „Moment der Hoffnung“. Dennoch müsse Guterres
       einen Korridor für humanitäre Hilfe sicherstellen, Druck auf Geber als auch
       auf die Arakan-Armee ausüben, um die Menschenrechtsverletzungen an den
       Rohingya zu beenden.
       
       13 Mar 2025
       
       ## LINKS
       
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