# taz.de -- Repressionen in der Türkei: „Sinem bleibt unsere Bürgermeisterin“
       
       > Im Istanbuler Stadtteil Üsküdar protestieren die Menschen für die
       > Freilassung ihrer Bürgermeisterin. Sinem Dedetaş war zuvor am Mittwoch
       > festgenommen worden.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen die Festnahme von Bürgermeisterin Dedetaş im Istanbuler Bezirk Üsküdar am 30. Juli
       
       „Erdogan hau ab, Sinem bleibt unsere Bürgermeisterin.“ Es waren solche
       Parolen, mit denen sich die rund 5.000 Demonstranten Mut machten, die am
       Donnerstagabend mehr oder weniger spontan gegen die Verhaftung von Sinem
       Dedetaş, der Bezirksbürgermeisterin von Üsküdar, auf die Straße gingen. Sie
       füllten nahezu die gesamte Hauptstraße des historischen Istanbuler
       Stadtteils auf der asiatischen Seite der Stadt und machten ihrem Unmut
       lauthals Luft.
       
       Am Mittwoch hatte die Polizei Dedetaş verhaftet, am Donnerstag folgte die
       Verhaftung von Erdal Beşikcioğlu, einem Bezirksbürgermeister in Ankara.
       Beide gehören offiziell noch der CHP an. Doch [1][nachdem der ehemalige
       CHP-Vorsitzende Özgür Özel] vor wenigen Tagen mit der Yeni Parti eine neue
       Partei gegründet hatte, ist von der CHP nichts mehr zu sehen.
       
       Am Donnerstagabend in Üsküdar war jedenfalls eindrücklich festzustellen,
       dass die alte, unter die Kontrolle der Regierung geratene CHP nichts mehr
       zu melden hat. Nicht eine CHP-Fahne tauchte bei der Demo auf, stattdessen
       die ersten Wimpel der Yeni Parti. Inoffiziell war die Demonstration in
       Üsküdar so etwas wie die erste Manifestation der neuen Partei auf der
       Straße.
       
       ## Parteigründung macht Hoffnung
       
       [2][Die erfolgreiche Gründung der Yeni Parti] vor wenigen Tagen macht den
       Leuten wieder Hoffnung, dass man gemeinsam der Repression der Regierung
       doch noch etwas entgegensetzen kann. Özgür Celik, der frühere
       CHP-Vorsitzende von Istanbul, sagte auf einer improvisierten Kundgebung vor
       dem Rathaus von Üsküdar, am Ende „werden wir und die Demokratie siegen. Sie
       können uns nicht alle ins Gefängnis stecken“.
       
       Auffallend viele Frauen waren dabei, auch ältere Menschen hatten sich zu
       der Kundgebung aufgerafft und waren ins Zentrum von Üsküdar gekommen. „Wir
       wollen uns unsere Bürgermeisterin nicht nehmen lassen“, sagte eine Frau,
       die in der ersten Reihe neben der Schwester von Sinem Dedetaş marschierte.
       
       Die Polizei ließ die Demonstrierenden an diesem Abend weitgehend in Ruhe.
       Von der berüchtigten schwer bewaffneten Einsatzpolizei war nichts zu sehen.
       Entsprechend friedlich verhielten sich die Demonstranten. Es gab keinerlei
       Provokationen, es blieb ein friedlicher Spaziergang an einem schönen
       Sommerabend.
       
       31 Jul 2026
       
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