# taz.de -- Neonazis attackieren Linke: Rechte Raumnahme in Nordberlin
> Vergangene Woche kam es zu gleich zwei Angriffen auf Linke. Laut Pankower
> Register entwickelt sich Nordberlin zunehmend zu einem Neonazi-Hotspot.
(IMG) Bild: Da, wo der Sticker klebt, wurde an einer Pankower Hauswand ein Hakenkreuz-Graffito mit einem Aufruf zum Mord an Juden übermalt
Der Angreifer, der May K.* in der Nacht zu Mittwoch auflauerte, ließ keinen
Zweifel an seiner Gesinnung: „Ich bin einer von den richtigen Nazis, ich
zeige dir was passiert“, habe er gedroht. So hält es K. später in einem
Gedächtnisprotokoll fest. K. hatte nachts alleine in Moabit für die
[1][linksalternative Internationale Queer Pride] Demo plakatiert, die am
Samstag im Wedding stattfand.
Laut Protokoll sei ein Mann auf ihn zugekommen, habe ihn beleidigt und
körperlich attackiert. Dann habe er gedroht: „Ich werde dich finden und
töten, dich und deinn Schwuchtelscheiß.“ Der Angreifer habe erst von K.
abgelassen, als zwei Passant:innen interveniert hätten.
May K. ist politisch aktiv in der Gruppe Offenes Rotes Treffen (ORT)
Berlin. Gleich zwei Mitglieder der Gruppe wurden vergangene Wochen Ziel
rechter Angriffe. Die „queerfeindlichen und rassistischen Angriffe“ seien
keine Einzelfälle, sondern das Ergebnis einer „zunehmenden Eskalation
faschistischer Gewalt“ in Berlin, schrieb die Gruppe in einem auf Instagram
veröffentlichten Statement.
Der zweite Angriff habe sich am Montagabend am S-Bahnhof Pankow ereignet,
berichtet Leon Seidel*, ein weiteres Mitglied der Gruppe, der taz. Seidel
zitiert aus dem Gedächtnisprotokoll seiner Genossin: „In einer Seitenstraße
wurde ich von drei Personen abgefangen.“ Sie hätten jugendlich gewirkt,
seien schwarz gekleidet gewesen und hätten sich mit Schlauchschals
vermummt.
## Als Linke erkannt und verfolgt
Die angegriffene Person geht davon aus, bereits in der Bahn als Ziel
ausgemacht worden zu sein. Sie sei eindeutig als Linke erkennbar gewesen,
habe Buttons mit der Aufschrift „Fuck Nazis“ und „Feminismus“ getragen
sowie einen „Against Racism“-Pullover. In der Seitenstraße hätten die
Angreifer sofort die Buttons abgerissen und an dem Pullover gezogen. Bevor
sie weiter handgreiflich werden konnte, hätten auch hier Passant:innen
interveniert und die Polizei gerufen.
ORT ist eine politische Gruppe, die sich als „niedrigschwellige
Anlaufstelle für Menschen, die sich sozialistisch organisieren wollen“,
versteht. In Pankow veranstaltet ORT regelmäßig Veranstaltungen zu
politischen Themen. In dem Ortsteil habe es immer wieder Probleme mit
rechter Gewalt gegeben, sagt Seidel. Aber: „Was sich fundamental geändert
hat, ist, dass sich Faschos trauen in der Öffentlichkeit anzugreifen.“
Aufgrund des Tathergangs am Montagabend vermutet ORT, dass Mitglieder der
Nationalrevolutionären Jugend (NRJ), der Jugendorganisation [2][der
rechtsextremen Kleinstpartei Dritter Weg,] hinter dem Angriff stecken
könnten. „Es passt in ihr Muster“, sagt Seidel. „Sie scouten Leute, lauern
ihnen auf und verfolgen sie in Seitenstraßen.“ Die Angriffe würden meist
koordiniert erfolgen, vermummt und in Gruppen. Die NRJ sei derzeit „die
größte Gefahr für Linke, die es gibt“, warnt Seidel.
## Nordberlin entwickelt sich zu einem Neonazi-Hotspot
Andreas Ziehl vom Pankower Register, einer Meldestelle für rechte Gewalt,
bestätigt die Einschätzung, dass sich Nordberlin zunehmend zu einem
Neonazi-Hotspot entwickele. „Es gab in den letzten drei Jahren immer wieder
Übergriffe oder geplante Angriffe auf Linke oder Orte, die der
vermeintlichen Linken zugeordnet werden“, sagt Ziehl. Auch gebe es
[3][immer wieder rechte Kampfsporttrainings] des Dritten Wegs in
Pankow-Zentrum und Weißensee sowie eine „konstante Entwicklung“ rechter
Aufkleber, Tags und Plakate des Dritten Wegs und der Jugendorganisation
NRJ.
„Die Faschos wollen die Randbezirke dominieren“, sagt Seidel.
Widerstandslos hinnehmen wollen er und seine Genoss:innen die rechte
Raumnahme nicht. Für den 6. August kündigen sie eine Abenddemonstration an.
„Wir überlassen den Faschisten weder unsere Kieze noch unsere Nächte“,
heißt es in dem Aufruf.
*Name von der Redaktion geändert
27 Jul 2026
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(DIR) Jonas Wahmkow
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