# taz.de -- Spaltung der PiS-Partei: Je mehr, desto besser
       
       > Polens rechte Partei Recht und Gerechtigkeit fällt auseinander. Für ihren
       > Absturz sind nicht ihre wichtigsten Siege verantwortlich.
       
 (IMG) Bild: Nicht Mitglied aber überholt die rechte PiS-Partei gerne mal von rechtsaußen: Polens Präsident Karol Nawrocki
       
       Die [1][Spaltung der rechtsnationalen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS)]
       in Polen kommt nicht von ungefähr. Paradoxerweise begann der Absturz der
       einst mächtigen Partei mit zwei Wahlsiegen: 2023 hatte die PiS die
       Parlamentswahlen gewonnen, war aber unfähig, eine Koalition zu bilden und
       drückt seitdem die Oppositionsbank.
       
       2025 wiederum gewann mit [2][Karol Nawrocki] ein PiS-Kandidat mit knapper
       Mehrheit die Präsidentschaftswahlen, ohne aber je Parteimitglied gewesen zu
       sein. Anders als sein Vorgänger Andrzej Duda, der seine Karriere in der PiS
       begonnen hatte, ist Nawrocki nicht bedingungslos parteiloyal. Als
       ehemaliger Türsteher, Boxer und Fußball-Hooligan mit Kontakten ins
       Rotlichtmilieu überholt er den PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński gerne
       einmal rechts außen. Kaczyński muss dann in den sauren Apfel beißen und die
       Rechts-außen-Politik Nawrockis mittragen.
       
       Beide „Siege“ haben zur Radikalisierung der Partei beigetragen, auch um die
       vielen Negativschlagzeilen abzuwehren, die die aktuelle Strafverfolgung von
       PiS-Politikern aus der Morawiecki-Regierung von 2017 bis 2023 begleiten.
       Allein dem Ex-Justizminister Zbigniew Ziobro werden 24 Straftaten zur Last
       gelegt. Statt sich der Justiz in Polen zu stellen, zog Ziobro es vor, erst
       bei Viktor Orbán in Ungarn politisches Asyl zu beantragen und dann Zuflucht
       bei Donald-Trump-Anhängern in den USA zu suchen.
       
       Bei der PiS [3][bröckelt es] also schon seit 2023 an den Rändern. Dort
       haben sich mit den beiden Konföderationen zwei rechtsextreme Parteien
       aufgestellt, die es mit Spießbürgermoral, Anti-EU-Parolen, Antisemitismus
       und Anti-Ukraine-Hetze auf Platz drei und vier im polnischen
       Parteienranking geschafft haben.
       
       Für Polens politische Kultur wäre es gut, wenn die PiS und auch der
       abtrünnige Morawiecki-Flügel verschwinden würden. Je mehr Spaltung, desto
       besser! Allerdings wäre es fatal, wenn dadurch die noch extremeren Parteien
       Aufwind bekämen.
       
       26 Jul 2026
       
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