# taz.de -- Rechter Aufmarsch in Plauen: Das nächste Level des Wohnzimmerfaschismus
> Die AfD greift die Brave-Bürger-Faschisten ab, während Aufmärsche von
> „Bewegungen“ wie in Plauen auf das Umfeld rechts davon abzielen.
(IMG) Bild: Plauen scheint so etwas wir die Hauptstadt der Muss-Weg-Demonstrationen zu sein
Einen „Kosmos aus Stumpfsinn und Blödheit“ nannte der Landesvorsitzende der
sächsischen Bündnisgrünen, Martin Helbig, [1][in Plauen die Bewegung
„M1llion“.] In der Tat war die üble Kontinuität der seit einem Dutzend
Jahren grassierenden immer gleichen „Muss weg“-Demonstrationen schwer zu
ertragen. Der schreiende Widerspruch zwischen dem Postulat neuer
Gemeinschaftsbildung, im Dagegensein wie einst in der DDR natürlich, und
der gemeinschaftszerstörenden Hetze.
Weh tut einem, der in den entscheidenden Oktobertagen 1989 jede Nacht auf
der Straße war, der Missbrauch der Symbole der erfolgreichen Überwindung
der SED-Diktatur. Die „Wir sind das Volk“-Rufe heute sind unerträglich!
Wenn also ein Teil des „Volkes“ andere Teile ausgrenzt.
Einzig den [2][überwiegend westdeutschen Teilnehmern] sei nachsichtig
zugestanden, dass sie postum halt auch ein bisschen Revolutionsromantik
schnuppern wollten. Und eine [3][Vera Lengsfeld], die vor ihrem straffen
Rechtsturn als Vera Wollenberger noch als DDR-Bürgerrechtlerin gelten
konnte, schickt eine ostalgische Grußadresse!
Die Plauener selbst zerstören ihren Mythos als ostdeutsche „Heldenstadt“
der ersten Demonstrationen 1989. Bei aller Enttäuschung über das von ihnen
selbst herbeidemonstrierte System verbietet sich die Gleichsetzung der
repressiven DDR mit der heutigen, leider in Teilen deformierten
Bundesrepublik. Vom Motzen und Nörgeln ist die Welt noch nie besser
geworden. Wer nach direkter Demokratie ruft, sollte sich selbst aktiv
einbringen. Aber daran war schon Pegida gescheitert.
## Nur wenige Gegendemonstranten
In diese Nachfolge darf man die „M1llion“ stellen. Greift die AfD als
Partei inzwischen den ganz gewöhnlichen Wohnzimmerfaschismus ab, so
verbreitern solche „Bewegungen“ die Anschlussbasis weiter. Viele Kurzdenker
fallen auf pseudoneutrale Etiketten angeblich überparteilicher
Mobilisierungen herein. In Plauen war der rechte Aufmarsch eine
Stadtattraktion, als kämen Zirkuselefanten die Straße entlang.
Dass das Demokratiebündnis gegen rechts keine annähernd vergleichbare
Aufmerksamkeit erhielt, lag nicht an mangelnder Organisation. Man könnte es
sogar positiv wenden und auf den CSD am bevorstehenden Wochenende in Plauen
verweisen, der viel Energie bindet.
Als die Konservativen noch nach Friedrich Merz riefen, konnte man ihm und
seiner peinlichen Regierung ein ähnliches Schicksal wie der vorhergehenden
Ampel vorhersagen. Doch wo nur noch Partikularinteressen, Egoismus und
Frust herrschen, wird ein Land tatsächlich unregierbar. Solcher Schwachsinn
wie in Plauen zerstört auch das beste Deutschland.
9 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Bartsch
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