# taz.de -- Fußballnationalmannschaft der Männer: Der eine und Einzige, der’s kann
> Der DFB verkündet, dass Jürgen Klopp neuer Männer-Bundestrainer wird, Per
> Mertesacker wird Geschäftsführer. Der Fußballbetrieb funktioniert wie
> immer.
(IMG) Bild: Volles Haupthaar, strahlend weiße Zähne, große Zuversicht: Jürgen Klopp
Der Retter hat strahlend weiße Zähne und wird von einem Weltkonzern
freigestellt. [1][Jürgen Klopp] soll nicht weniger als dieses Land und
dessen Fußball retten. Nach dem WM-Aus der deutschen Fußballmänner in
Amerika gab es keine Zweifel, dass niemand anderes als er den Job des
Bundestrainers übernehmen kann.
Am Freitag um 11.04 Uhr versandte der Deutsche Fußballbund die Nachricht:
„[2][Jürgen Klopp] wird neuer Bundestrainer der A-Nationalmannschaft der
Männer.“ Habemus Zahnweiß. Einen Vierjahresvertrag hat der 59-Jährige
unterschrieben. Eine Viertelstunde später gab es die nächste Mail des DFB:
„[3][Per Mertesacker] wird ab dem 1. Januar 2027 neuer Geschäftsführer
Sport der DFB GmbH & Co. KG und tritt damit die Nachfolge von [4][Andreas
Rettig] an.“
Der Fernsehexperte von Magenta macht den einen Job, der Fernsehexperte des
ZDF bekommt den anderen. Und jener der ARD, [5][Bastian Schweinsteiger],
wurde auch als Kandidat für den Geschäftsführerposten gehandelt. Weiß denn
beim DFB niemand, dass Lothar Matthäus Experte bei RTL, bei Sky und bei
Bild ist? Dass er also dreimal so kompetent wie Klopp ist?
Der Fußballbetrieb funktioniert wie immer. Auf Julian [6][Nagelsmann]
musste Klopp folgen. Alternativlos, kein anderer Name wurde gehandelt. So,
wie einst Nagelsmann auf Hansi [7][Flick] folgen musste. Und davor Flick
auf Jogi Löw. Immer sind sich alle sicher, dass es genau dieser eine ist,
der die Nationalmannschaftskrise beenden wird. Für künftige Suchen darf man
sich also die Namen Thomas Tuchel und Sebastian Hoeneß notieren.
Die Kriterien für die Bundestrainerakquise sind immer gleich: Es muss einer
sein, den ganz Deutschland als guten Trainer anerkennt. Daher auch die
Selbstverständlichkeit, mit der man sich bei den Fernsehexperten bedient:
Entscheidend ist nicht „auf’m Platz“, wie eine alte Fußballweisheit glauben
machen wollte, entscheidend ist, was später mit Zeitlupe, kalibrierter
Linie, Standbild und so weiter aus dem Fußball gemacht wird.
Ein weiteres Kriterium für die deutsche Bundestrainerfindung, das allen
Beteiligten so selbsterklärend scheint, dass gar nicht darüber nachgedacht
wird: Es muss immer ein Mann sein, und es muss immer ein Deutscher sein.
Diese zwei Kriterien schränken die Suche derart ein, dass die Qualifikation
des Kandidaten gar nicht erst abgefragt wird. Spaniens, Argentiniens und
Frankreichs Coaches, deren Teams in den vergangenen Jahren nachweisbar
besser spielten, waren überwiegend Auswahltrainer, niemand von ihnen hat
einen Klub in die Weltklasse geführt, die Nationalteams aber sehr wohl.
In Deutschland ist man hingegen überzeugt, dass so einen Job nur jemand
meistern kann, der Vereine trainiert hat und den man Fernsehen als
freundlich lächelnden Experten kennt.
24 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Martin Krauss
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