# taz.de -- Drogenlieferdienste in Berlin: Dealer im Promokrieg
       
       > Überall in Berlin finden sich QR-Codes mit Kontakten zu
       > Drogenlieferdiensten. Mittlerweile landen sogar Probe-Goodies in
       > Briefkästen von Mietshäusern.
       
 (IMG) Bild: Ein Sticker von einem Drogenlieferanten
       
       Donnerstagmorgen, grauer Himmel, graue Stimmung. Vor dem Gang zur Arbeit
       noch ein kurzer Blick in den Briefkasten. Eine bunte Postkarte purzelt
       heraus. Das Motiv ist ein KI-generierter Fiebertraum: das Brandenburger Tor
       in psychedelischen Regenbogenfarben, dahinter gleich drei Fernsehtürme.
       Darauf in schnörkeliger Schrift eine Telefonnummer und das, worum es
       eigentlich geht: [1][Coke], Weed, Hasch, Ketamin, Amphetamin. 24/7 Delivery
       in ganz Berlin, verspricht die Postkarte, auf die erste Bestellung gibt es
       10 Euro Rabatt.
       
       [2][Drogenlieferdienste] haben sich in Berlin mittlerweile zur
       dominierenden Vertriebsform für Suchtmittel etabliert. Die Konkurrenz ist
       mittlerweile so groß, dass Anbieter immer offensiver um Kunden werben.
       
       An der Warschauer Straße, einer der beliebtesten Partymeilen Berlins, lässt
       sich die Evolution des Berliner Drogenbusinesses live miterleben. Die
       unerwartete Post im Briefkasten ist da nur der Gipfel des Eisbergs, oder
       besser gesagt, Schneebergs.
       
       Bis zur Pandemie dominierten die klassischen Straßendealer, die sowohl
       Partygänger:innen als auch Bewohner:innen offensiv ansprachen:
       „Hey, brauchst du was?“ Wer keinen Stammdealer hatte oder ein Touri war,
       konnte hier eine Knolle Gras schlechter Qualität zu noch schlechterem Kurs
       kaufen.
       
       ## Innovationsmotor Pandemie
       
       Während der Pandemie brach dieses Geschäftsmodell zusammen, dafür kamen die
       ersten Telegram-Lieferdienste auf. Nach wenigen Stunden kamen die Dealer
       mit dem Auto vorgefahren, meistens ein Mietwagen. Kurz einsteigen, eine
       Runde um den Block fahren, Übergabe, aussteigen.
       
       Die Kontakte wurden zunächst nur in klandestinen Gruppen geteilt, in die
       nur aufgenommen wurde, wer jemanden kannte, der jemanden kannte. Teilweise
       musste man sich mit Ausweis und Videochat verifizieren.
       
       Von solchen Vorsichtsmaßnahmen haben die Dealer sich längst verabschiedet.
       Allgegenwärtig sind mittlerweile auch Sticker mit QR-Codes, die auf eine
       Whatsapp-Nummer verweisen. Sie kleben an Ampeln, Fahrradständern und
       Bartoiletten. Nur ab und an wird mal ein Kurier hochgenommen, die
       Hintermänner preisen das mit ein.
       
       Die klassischen Ansprachen gibt es auch wieder, nur wird meist diskret eine
       Visitenkarte angeboten. Manchmal ist auch eine Knolle Gras dabei, sozusagen
       ein Goodie, das von der Qualität überzeugen soll.
       
       ## Drogen im Briefkasten
       
       Anfang Juni [3][warnte die Berliner Polizei auf Instagram] sogar davor,
       dass solche Testportionen samt Flyer in Briefkästen gelandet sind. Als
       Beweis posteten die Beamten ein Foto einer üppig mit Pillen, Pulvern und
       Kapseln ausgestatteten Drogen-Baggy. Promotionen wie diese dürften allein
       schon aus Kostengründen die Ausnahme sein.
       
       Das offensive Drogenmarketing ist für Anwohnende ein leichtes Ärgernis.
       [4][Für Konsument:innen ist es einfach nur bequem]. Nach außen nährt es
       den Mythos der Partyhauptstadt Berlin, in der alles geht und toleriert
       wird.
       
       Doch für Menschen mit Suchterkrankungen können die kleinen QR-Codes extrem
       belastend sein. Viele ehemalige Abhängige vermeiden bewusst Kontexte, in
       denen konsumiert wird, wechseln nicht selten ihren gesamten Freundeskreis.
       Jede Konfrontation mit dem verlockenden Stoff könnte einen Rückfall
       bedeuten. Doch was tun, wenn die ganze Stadt zum Konsum auffordert?
       
       23 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Drogenhandel-in-Berlin/!5631990
 (DIR) [2] /Drogen-per-Taxi/!6165279
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/p/Dafs3abjNZC/?img_index=1
 (DIR) [4] /Umstrittene-Internetplattformen/!6025942
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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