# taz.de -- Dokuzentrum für rechten Terror: 6 Millionen Euro für NSU-Gedenken
> Der NSU mordete jahrelang, die Behörden versagten. Ein Dokuzentrum fand
> die Bundesregierung erst zu teuer. Jetzt stehen doch 6 Millionen Euro
> bereit.
(IMG) Bild: NSU-Tatort in Nürnberg: Hier wurde Abdurrahim Özüdogru von den Nazis 2001 ermordet
Das in Nürnberg geplante NSU-Dokuzentrum ist gerettet. Für den Aufbau der
Trägerstiftung stelle man nächstes Jahr nun doch rund 6 Millionen Euro
bereit, teilte das Bundesinnenministerium (BMI) der Grünen-Abgeordneten
Marlene Schönberger mit. Im ursprünglichen Haushaltsentwurf für 2027 hatte
die Bundesregierung keinen Cent für das Vorhaben eingeplant. Schönberger
spricht jetzt von einem „Schritt in die richtige Richtung“, nennt den
Umgang der Bundesregierung mit dem Projekt aber „beschämend“.
Schon in den letzten Tagen hatten verschiedene bayerische Lokalmedien
berichtet, die Bundesregierung habe doch noch Geld für das Zentrum
aufgetrieben, allerdings ohne konkrete Zahlen. Die Mitteilung des BMI
schafft jetzt Klarheit, wobei es ebenfalls betont, den genannten 6
Millionen Euro müsse auch noch das Bundesfinanzministerium zustimmen. Das
Vorhaben sei „weiterhin Gegenstand hausinterner Beratungen und
Ressortabstimmungen“.
Als selbsterklärter [1][„Nationalsozialistischer Untergrund“] (NSU) hatten
die Mitglieder des NSU jahrzehntelang Menschen mit Migrationshintergrund
terrorisiert. Das Kerntrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe
ermordete zwischen 2000 und 2006 insgesamt neun Menschen mit
Migrationshintergrund. Auch der Mord an einer Polizistin in Heilbronn 2007
sowie ein Sprengstoffanschlag mit vielen Verletzten in der Kölner
Keupstraße sowie diverse Raubüberfälle werden der Gruppe zugerechnet.
Die deutschen Sicherheitsbehörden ignorierten Hinweise auf die Gruppe und
einen rechten Hintergrund weitgehend. Stattdessen ermittelten sie teils
gegen Angehörige der Opfer. Erst 2011 enttarnten sich Böhnhardt, Mundlos
und Zschäpe nach einem missglückten Banküberfall selbst. Die beiden Männer
begingen Suizid, Zschäpe wurde verhaftet und 2018 zu lebenslanger Haft
verurteilt. Viele Fragen, etwa zu weiteren Mitgliedern, den
Ermittlungspannen sowie zur Verstrickung der Verfassungsschutzämter sind
bis heute ungeklärt.
## Notwendige Aufmerksamkeit verweigert
Zum NSU und seinen Opfern gibt es bislang lediglich [2][ein lokales
Dokuzentrum in Chemnitz], dem langjährigen Wohnort des Trios. Pläne, auch
auf nationaler Ebene einen Erinnerungs- und Dokumentationsort zu schaffen,
wurden erstmals 2021 konkret, als SPD, Grüne und FDP sich dies in ihren
Koalitionsvertrag schrieben. Als [3][Standort war damals Berlin geplant].
Nach zahlreichen Verzögerungen legte das SPD-geführte
Bundesinnenministerium Anfang 2024 einen Gesetzentwurf vor, der vor den
Neuwahlen aber nicht mehr verabschiedet wurde.
Nach zwischenzeitlichen Befürchtungen, das Projekt sei damit komplett am
Ende, nahmen es im Frühjahr 2025 Union und SPD auch in ihren
Koalitionsvertrag auf. Allerdings mit neuem Standort in Nürnberg. Seitdem
war von dem Projekt kaum etwas zu hören – bis vor wenigen Wochen die
Nachricht kam, die Bundesregierung [4][streiche dem Projekt sämtliche
Mittel]. Jetzt also eine weitere Kehrtwende.
Schönberger, die für die Grünen auch im Innenausschuss sitzt, sagt: „Für
die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden des NSU-Terrors ist dieses
Hin und Her eine enorme Belastung.“ Die Bundesregierung habe dem Thema
bisher die notwendige Aufmerksamkeit verweigert und müsse nun liefern: „Mit
einer verlässlichen Finanzierung, einem klaren Zeitplan für die Umsetzung
des NSU-Dokumentationszentrums und der umfassenden Einbindung der
Angehörigen und Betroffenen.“
Tatsächlich gibt sich das Bundesinnenministerium in seiner Antwort an
Schönberger sichtlich Mühe, klarzumachen, dass die Pläne jetzt auch über
das nächste Jahr hinaus gesichert seien. Zusätzlichen zu den 6 Millionen
Euro für den Aufbau der Trägerstiftung sei ab 2028 vorgesehen, dass die
Mittel schrittweise um zusätzliche 3 Millionen Euro pro Jahr aufwachsen.
Damit solle der laufende Betrieb des bis dahin aufgebauten Zentrums bezahlt
werden.
21 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nationalsozialistischer-Untergrund-NSU/!t5020499
(DIR) [2] /NSU-Dokumentationszentrum-in-Chemnitz-/!6090525
(DIR) [3] /Erinnerung-an-rechten-Terror/!6025574
(DIR) [4] /Nationaler-Erinnerungsort-in-Nuernberg/!6176093
## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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