# taz.de -- El Mahdi Lyoubi in Marokko festgenommen: Der König fühlt sich beleidigt
> Der französisch-marokkanische Rapper El Mahdi Lyoubi wurde am Flughafen
> in Rabat festgenommen. Eine Petition setzt sich für seine Freilassung
> ein.
(IMG) Bild: Untersuchungswürdig aus Sicht der marokkanischen Justiz: Der Rapper El Mahdi Lyoubi
Um Orte für sein neues Filmprojekt zu suchen und Zeit mit der Familie zu
verbringen flog der französisch-marokkanische Rapper El Mahdi Lyoubi nach
Marokko. Anstatt an seinen Wohnort nach Marseille zurückzufliegen, wurde er
von der Polizei am Flughafen in Rabat gestoppt. Nun sitzt er im
Oukacha-Gefängnis in Casablanca. [1][Laut seinem Anwalt] droht ihm eine
Anklage wegen Beleidigung der königlichen Familie – was mit bis zu vier
Jahren Haft bestraft werden kann. Tatsächlich wird er wegen seiner
politischen Standpunkte, die er in seinen Rap-Texten vertritt,
strafrechtlich verfolgt. Der Rapper ist ein scharfer Kritiker des
marokkanischen Königshauses.
El Mahdi Lyoubi wurde 1992 in Salé in Marokko geboren. Der 34-Jährige ist
Regisseur, Dokumentarfilmer, Musiker und Produzent. Seit 2017 lebt er in
Marseille. Er machte dort einen Masterabschluss in Dokumentarfilm und
setzte 2018 seine Ausbildung an der Pariser Filmschule La Fémis fort. Sein
erster Dokumentarkurzfilm wurde für mehrere große internationale Festivals
ausgewählt. Derzeit schreibt er an seinem ersten Spielfilm, „Flying Like a
Bird“. Es geht um die Geschichte seiner Freundschaft mit Hamza, einem
Zirkusakrobaten, der in Marokko geblieben ist, während El Mahdi Lyoubi in
Frankreich Filmemacher geworden ist. Es geht um Meinungsfreiheit und um den
Willen, Kunst zu schaffen.
Parallel verfolgte er seine musikalische Karriere unter dem Künstlernamen
[2][Black Wind.] Er tritt regelmäßig in Europa und Marokko auf. Seine Titel
wurden schnell zu Klassikern der Untergrundszene, erzielten Hunderttausende
Aufrufe – und sie erregten die Aufmerksamkeit der Behörden.
## Bekannt bei der Gen Z
Bekannt wurde er im Zuge der Proteste während des arabischen Frühlings
2011. Als die Generation Z im Jahr 2025 auf die Straße ging und gegen
Verschwendung von Steuergeldern für teure Sportstätten protestierte,
während das Gesundheits- und Bildungssystem kaputt gespart werden,
bekundete Lyoubi seine Unterstützung. Der Staat antwortete mit
Polizeigewalt; drei Menschen wurden getötet und Hunderte festgenommen.
Lyoubis Rap ist kritisch und schonungslos. In einem [3][Lied] rappt er: „Im
Rap werde ich einen Staatsstreich inszenieren mit meinen verbitterten
Kumpels, denn ihr Leben ist ein einziger Sturm. Na los, nehmt mich –
verbindet mir die Augen, öffnet Tazmamart wieder und werft mich hinein.“
Tazmamart war ein berüchtigtes Gefängnis, in dem bis Anfang der 1990er
Jahre Menschen unter grausamen Bedingungen inhaftiert wurden, weil man
ihnen Verschwörung gegen die Monarchie vorgeworfen hatte. Kritik an
Regierungsvertretern ist völkerrechtlich geschützt – das interessiert
Marokko, so wie gemeinhin alle autokratischen Regierungen, aber herzlich
wenig.
Am Flughafen teilte die Polizei dem Rapper mit, dass ein Ausreiseverbot
gegen ihn vorliege. Laut seiner Ehefrau sagte die Polizei, ihr Mann solle
sich auf der Polizeiwache seiner Heimatstadt Salé melden. Auf der Wache
erhielt er am 11. Juli eine Vorladung der Nationalen Brigade der
Kriminalpolizei (BNPJ) – einer Einheit, die für Terrorismusfälle und auch
für kritische Journalist*innen zuständig ist. Beamte im Hauptquartier
der BNPJ in Casablanca verhörten Lyoubi am 13. Juli den ganzen Tag lang,
erst dann informierten sie seine Familie. Er wurde einem Staatsanwalt und
Richter vorgeführt, der Richter ordnete am 15. Juli die Untersuchungshaft
bis zum Prozess an. Der Gerichtstermin ist für den 22. Juli angesetzt –
könnte jedoch erneut verschoben werden.
Einen [4][Aufruf zur Unterstützung] des Künstlers haben mehr als 500
Menschen unterzeichnet.
21 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.hrw.org/news/2026/07/20/free-outspoken-moroccan-rap-star
(DIR) [2] https://mehdiblackwind.bandcamp.com/
(DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=qdbXXQPQ5Ao&list=RDqdbXXQPQ5Ao&start_radio=1
(DIR) [4] https://blogs.mediapart.fr/les-invite-es-de-mediapart/blog/140726/pour-la-liberation-immediate-du-cineaste-et-rappeur-marocain-el-mahdi-lyoubi
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
## TAGS
(DIR) Marokko
(DIR) Völkerrecht
(DIR) Autokratie
(DIR) Spanien
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Polisario
(DIR) Marokko
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Migration nach Spanien: Über 40.000 sollen Grenze überwunden haben
Tausende Menschen aus Marokko sind in die spanische Exklave Ceuta gelangt.
Italien fordert den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum.
(DIR) Fußball und Politik: Werkzeug des Monarchen
Marokko ist einer der drei Hauptgastgeber der Weltmeisterschaft 2030. Der
Fußball im Land ist traditionell eng verwoben mit dem Staatswesen.
(DIR) Westsahara: Geraubtes Land mit UN-Segen
Der UN-Sicherheitsrat schafft Fakten: Westsahara soll autonomer Teil
Marokkos werden. Die indigenen Sahrauis warnen vor Verschärfung des
Konflikts.
(DIR) Jugend in Marokko: Die „GenZ 212“ protestiert
In der Jugend des nordafrikanischen Landes herrscht große Unzufriedenheit.
Protestierende verlangen Bildung, Rechenschaft und Gesundheit vor Fußball.