# taz.de -- Bodenschätze Simbabwes: Das Lithium unter ihrem Land
       
       > China beutet Simbabwes Rohstoffe aus. Menschen in den Abbaugebieten
       > verlieren ihre Lebensgrundlage, versprochene Entschädigungen bleiben oft
       > aus.
       
 (IMG) Bild: Arbeiter der Prospect Lithium Mine in Goromonzi, Simbabwe, 2023
       
       Nach dem Läuten der Schulglocke machte John Tauya sich auf den Weg in sein
       Heimatdorf Mukwasi in der Provinz Manicaland, ganz im Osten Simbabwes. Er
       freute sich auf warme Maiskolben und Kürbisblätter mit Maisbrei, in der
       lokalen Shona-Sprache Sadza genannt. Danach wollte er sich in seiner Hütte
       ausruhen. Doch als der Schüler das Grundstück seiner Familie erreichte, sah
       er nur einen Haufen Trümmer.
       
       Dort, wo das Haus gestanden hatte, war nichts mehr. „Es fühlte sich an, als
       wäre ein Teil von mir weggerissen worden“, sagt er später. Fremde hätten
       ihm gesagt, er befinde sich auf „Privatgrund“. John ging, ohne zu wissen,
       wo er seine Eltern finden konnte, von denen er sich eine Erklärung
       erhoffte.
       
       In Simbabwe vergibt die Regierung zunehmend sogenannte Exclusive
       Prospecting Orders (EPOs). Sie geben Bergbauunternehmen oder Einzelpersonen
       das exklusive Recht, in einem festgelegten, oft riesigen Gebiet nach
       bestimmten Rohstoffen zu suchen. Das Kürzel EPO klingt harmlos, für die
       betroffenen Dorfgemeinschaften kann die Wirkung jedoch der einer Atombombe
       gleichen. In kürzester Zeit können Hoffnungen, Häuser und Lebensgrundlagen
       ausgelöscht werden.
       
       Chinas grüne Wende hat zahlreiche chinesische Bergbaufirmen und Investoren
       nach Simbabwe geführt. Das afrikanische Land verfügt über große
       Rohstoffvorkommen, zugleich sind staatliche Strukturen schwach und
       Korruption ist weit verbreitet. Mit den EPOs in der Hand suchen chinesische
       Unternehmen nach Metallen, Mineralien und anderen Rohstoffen,
       beispielsweise Lithium. Werden sie fündig, können sie Bergwerke errichten.
       Auch dort, wo seit Generationen Menschen leben und Landwirtschaft
       betreiben.
       
       ## Vertreibung vom angestammten Land
       
       Genau das geschah bei der Sabi-Star-Mine, einem mehrere Millionen Dollar
       schweren Lithiumprojekt in Manicaland. Für die Mine wurden 41 Familien aus
       Mukawasi Village von ihrem angestammten Land vertrieben, ohne vorherige
       Warnung oder öffentliche Bekanntmachung. Eine von ihnen war die Familie von
       John Tauya. Der stand kurz davor, seinen ersten Schulabschluss zu machen,
       und wollte danach auf eine weiterführende Schule gehen. Doch nachdem das
       hinter der Mine stehende chinesische Unternehmen Max Mind Investments 2022
       seine Familie vertrieben hatte, war seine Zukunft ungewiss.
       
       „Ich hatte mich auf die Abschlussprüfungen vorbereitet und gehofft,
       anschließend das Advanced Level zu machen. Aber all meine Mühe war umsonst,
       weil ich die Schule abbrechen musste“, sagte John.
       
       Die 41 vertriebenen Familien schliefen zunächst auf einer Brache neben dem
       Haus des Gemeinderats im Nachbarort Murambinda. „Ich war zufrieden mit dem
       wenigen, das wir hatten. Aber jetzt kann ich das nicht mehr sein“, sagt
       John und zeigt dem Reporter bei einem Besuch die erbärmlichen Verhältnisse,
       unter denen die Familien nun leben.
       
       2025 entfielen rund 10 Prozent der weltweiten Lithiumproduktion auf
       Simbabwe. Im Februar 2026 verbot die Regierung in Harare die Ausfuhr von
       Lithiumkonzentrat. Die Regierung wollte den Rohstoff im Land behalten, um
       von der Weiterverarbeitung zu profitieren. In der Folge kam es etwa an der
       Börse von Guangzhou in China zu einem starken Anstieg der Lithiumpreise und
       der Aktienkurse. Gleichzeitig wuchs die Sorge, dass das weltweite Angebot
       des für Batterien wichtigen Rohstoffs knapper werden könnte.
       
       ## Lithium gelangt nach China – trotz Exportstopp
       
       An der Guangzhou Futures Exchange sprang der Preis zunächst um 6 Prozent
       auf 177.000 Yuan pro Tonne und dann bis Mai weiter auf fast 210.000 Yuan
       (rund 27.000 Euro). Doch der Exportstopp scheint bislang vor allem auf dem
       Papier zu bestehen. Weiterhin werden EPOs vergeben, chinesische Unternehmen
       vergrößern ihre Anlagen. Lastwagen mit unverarbeitetem Lithium werden nach
       wie vor auf dem Weg zur Grenze beobachtet – über die Nachbarländer soll der
       Rohstoff anschließend nach China gelangen.
       
       Max Mind Investments ist eine Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns
       Shenzhen Chengxin Lithium Group. Den Dorfbewohnern versprach das
       Unternehmen zunächst, ihnen nach der Umsiedlung Häuser mit 5 Zimmern zu
       bauen. Tatsächlich wurden sie in kleine Wohnparzellen von rund 300
       Quadratmetern umgesiedelt. Sie verloren 5 Hektar landwirtschaftliche
       Flächen. Ihre Einkommensquellen und Lebensgrundlagen sind zerstört: Gärten,
       Brunnen und Bohrlöcher ebenso wie Hühner, Ziegen und Kühe.
       
       Johns Familie erhielt eine Entschädigung von 1.000 US-Dollar pro Kind und
       1.500 US-Dollar pro Erwachsenen. Für jeden verlorenen Baum erhielten die
       Familien zusätzlich 20 US-Dollar. Zerstörte Viehställe wurden überhaupt
       nicht entschädigt, auch nicht die Exhumierung der Gräber ihrer Vorfahren.
       
       Das Geld war bald aufgebraucht. Die höheren Lebenshaltungskosten in der
       Stadt verschlangen die Ersparnisse der Familie und zwangen John schließlich
       dazu, die Schule abzubrechen. Viele der Dorfbewohner:innen sahen sich
       gezwungen, ihr verbliebenes Vieh zu verkaufen. Ihre wirtschaftliche Not
       verschärfte sich dadurch weiter.
       
       ## Proteste der Gemeinde gegen Mine
       
       Emerson Njanjamangezi, einst bekannter Journalist im Land, heute Sprecher
       der Sabi-Star-Mine, ließ Anfragen dazu unbeantwortet.
       
       Die vertriebenen Bewohner:innen wandten sich über die NGO Buhera
       Residents Network Trust an das Parlament. Sie beklagten, dass der
       Lithiumabbau ihre Gemeinden in zentralen Lebensbereichen beeinträchtige –
       bei der Wasserversorgung, der Gesundheit, beim Zugang zu Land und bei der
       Ausübung wirtschaftlicher Tätigkeiten. Sie legten Karten, Labordaten,
       Fotografien und Aussagen von Bewohnern vor.
       
       Panas Muteera aus Mukwasi Village verwies bei einer Anhörung auf die enorme
       Staubbelastung. „Teils fahren am Tag rund 100 Lastwagen über die Straße“,
       sagte er. Die Häuser seien mit Staub bedeckt. „Kinder und ältere Menschen
       wachen hustend und mit Kopfschmerzen auf. Die meisten Schulen liegen direkt
       an der Straße.“ Hinzu kämen die regelmäßigen Sprengungen. Sie hätten Risse
       in den Häusern verursacht und viele Gebäude instabil gemacht. Gleichzeitig
       verschärfe sich der Wassermangel, insbesondere während der Trockenzeit.
       
       ## Wasser wird knapp
       
       „Unsere Brunnen sind etwa 40 Meter tief, die Schächte der Mine reichen mehr
       als 200 Meter hinunter. In der Trockenzeit trocknen unsere Bohrlöcher aus,
       während das Wasser in die Mine läuft“, sagte Muteera.
       
       Der Ex-Bergbauminister Polite Kambumura verwies auf eine Vereinbarung mit
       dem Minenunternehmen, mindestens 80 Prozent der Arbeitsplätze mit
       Einheimischen zu besetzen. „Doch daran halten sie sich nicht“, sagte
       Kambumura.
       
       Die Delegation, die die Petition der Bewohner anhörte, ging auf die
       Beschwerden nicht ein, sondern lobte die Maßnahmen der Mine im Bereich der
       sozialen Unternehmensverantwortung, etwa die Errichtung einer Klinik sowie
       von Brunnen und Wohnraum in Murambinda. Bei vielen Simbabwern wächst so die
       Sorge, dass chinesische Investoren gegenüber der lokalen Bevölkerung
       bevorzugt behandelt werden.
       
       20 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Garikai Mafirakureva
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Afrika und der Wettbewerb globaler Mächte
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 (DIR) GNS
       
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