# taz.de -- Lieferant von Rohdiamanten: Botswana greift nach De Beers
> Mehr Einfluss auf den Diamantenkonzern soll dem Land helfen, seine
> Wirtschaft zu diversifizieren. Seine Finanzreserven sind weitgehend
> aufgebraucht.
(IMG) Bild: Roh-Edelstein bei der Botswana Diamond Valueing Company
Seit Jahrzehnten ist Botswana untrennbar mit der Produktion von Diamanten
verbunden. 1969, nur zwei Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes, war die
Regierung mit einer Beteiligung an De Beers, dem heute weltgrößten
Diamantenkonzern, eingestiegen. Das Land, das einst zu den ärmsten der Welt
zählte, steht auch deshalb heute auf Platz 4 bei der Wirtschaftsleistung
pro Kopf in Afrika. Die Bevölkerung profitierte vom Diamantenreichtum unter
anderem durch [1][Investitionen in das Gesundheits]- und Bildungswesen
sowie in soziale Programme.
Doch veränderte Konsumgewohnheiten, ein mit im Labor gezüchteten Diamanten
gesättigter Markt und die insgesamt rückläufige weltweite Nachfrage setzen
Botswanas Wirtschaft unter Druck. Das einst prosperierende Land muss seine
starke Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen verringern.
Gleichwohl erwägt die Regierung, ihren 15-prozentigen Anteil an De Beers
aufzustocken und damit ihren Einfluss auf den Konzern zu vergrößern. Denn
der Mehrheitseigner, der britische Bergbaukonzern Anglo American, kündigte
im Sommer 2026 an, seinen 85-Prozent-Anteil an De Beers zu verkaufen – und
Botswana hat ein Vorkaufsrecht.
Anglo American würde am liebsten an das Global Diamond Consortium
verkaufen, an dem wiederum die ebenfalls Diamanten produzierenden Staaten
Angola und Namibia beteiligt sind. „Dass sich andere Diamanten
produzierende Staaten beteiligen, begrüßt die Regierung der Republik
Botswana“, sagte Botswanas Staatsminister Moeti Mohwasa dazu.
## Botswanas Wirtschaft schrumpft
Die Transaktion biete eine echte Chance, Botswana in einer Branche neu
aufzustellen und strategisch zu positionieren, die maßgeblich zur
Entwicklung unserer Nation beigetragen hat, so Mohwasa. Doch er ließ offen,
ob Botswana ein eigenes Angebot vorlegen wolle, sich gemeinsam mit einem
anderen Interessenten beteiligen werde oder ein Arrangement mit dem Global
Diamond Consortium anstrebe.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen für das Land dürften sich in naher
Zukunft weiter verschärfen. Die von Diamanten abhängige Volkswirtschaft
schrumpfte 2024 um 2,8 Prozent und 2025 um weitere 0,7 Prozent. Und auch
wenn für 2026 wieder ein positives Wachstum erwartet wird, stehen die
öffentlichen Finanzen unter Druck.
„Die Diamantenpreise und -einnahmen werden durch den zunehmenden
Wettbewerb, veränderte Verbraucherpräferenzen und den Aufstieg im Labor
gezüchteter Diamanten belastet“, warnt die Weltbank in einem aktuellen
Bericht. Dadurch habe Botswana seine Rolle als führender Lieferant von
Rohdiamanten auf dem Weltmarkt „teilweise eingebüßt“. Die
Diamantenindustrie sei zwar weiterhin ein Grundpfeiler der nationalen
Wirtschaft, doch der Sektor sei bereits seit mehreren Jahren im Abschwung.
Gleichzeitig ist Botswanas öffentliche Verschuldung von gut 22 Prozent der
jährlichen Wirtschaftsleistung im Jahr 2023 auf knapp 40 Prozent in 2025
gestiegen. Die finanziellen Reserven des Landes sind weitgehend
aufgebraucht.
## Wettlauf um Afrikas Bodenschätze
Die Weltbank empfahl Botswana Haushaltsdisziplin, die Entwicklung des
Privatsektors, Investitionen in Humankapital und ein nachhaltiges
Management der natürlichen Ressourcen.
So will Botswana von einer stark von Diamanten abhängigen Volkswirtschaft
zu einem international wettbewerbsfähigen Staat werden, der mit den
Großmächten des Globalen Südens aus einer Position der Stärke heraus
verhandeln kann. Eine stärkere Kontrolle über den Diamantenkonzern De Beers
soll dabei ebenso helfen wie die Investitionen in erneuerbare Energien und
der Versuch, Botswanas Wirtschaft unabhängiger von einem einzigen Rohstoff
zu machen.
Der [2][Wettlauf um Afrikas Bodenschätze] ist längst in vollem Gange.
Großmächte und aufstrebende Wirtschaftsnationen bemühen sich gleichermaßen
um den Zugang zu kritischen Rohstoffen aus dem Globalen Süden. Und vor
allem die Nachfrage nach Materialien, die für die [3][Energiewende]
benötigt werden, steigt rasant.
Diamanten gelten zwar nicht als kritischer Rohstoff für die Energiewende.
Trotzdem kann Botswana für andere rohstoffreiche Länder des Globalen Südens
zum Vorbild werden. Das Beispiel zeigt, wie ein Staat mit enormen
natürlichen Ressourcen in wirtschaftliche Bedrängnis geraten kann, wenn
seine Verhandlungsmacht begrenzt ist und multinationale Konzerne aus dem
Globalen Norden einen Großteil der Wertschöpfung kontrollieren.
## Wertschöpfung soll im Land bleiben
Der Versuch, seinen Einfluss auf De Beers auszubauen, obwohl das
Diamantenbusiness schrumpft, mutet zunächst paradox an. Tatsächlich
unternimmt Botswana einen wichtigen Schritt, um seine Verhandlungsmacht zu
stärken und bessere Preise für seine Rohstoffe durchzusetzen. Ein
beherrschender Einfluss auf De Beers würde dem Land gegenüber ausländischen
Abnehmern mehr Gewicht verleihen.
Entscheidend ist jedoch die Frage, wie Botswana seinen zusätzlichen
Einfluss nutzen wird, um das Land zu transformieren und zu
industrialisieren. Diamanten werden auch in den kommenden Jahren eine
zentrale Rolle in Botswanas Wirtschaft spielen. Doch neben höheren
Einnahmen muss das Land in der Lage sein, einen möglichst großen Teil der
Wertschöpfung aus seinem Rohstoffreichtum im eigenen Land zu halten – etwa
durch lokale Weiterverarbeitung und die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Eine stärkere Position bei De Beers könnte deshalb eine wichtige Grundlage
für eine umfassendere Strategie zur rohstoffgetriebenen Industrialisierung
und wirtschaftlichen Transformation bilden. Lokale Zulieferer, Hersteller
und Technologieunternehmen könnten dadurch eine größere Rolle innerhalb der
Wertschöpfungskette übernehmen.
Dieser strategische Vorteil sowie die Aussicht auf höhere Einnahmen und
eine stärkere geopolitische Position könnten dem Land helfen, seine
Widerstandsfähigkeit angesichts des unvermeidlichen Bedeutungsverlusts der
Diamantenindustrie zu erhöhen. Vor allem aber könnten die daraus
entstehenden Einnahmen dazu beitragen, die wirtschaftliche Diversifizierung
und die Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren.
19 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Nchidzi Masendu
## TAGS
(DIR) Afrika und der Wettbewerb globaler Mächte
(DIR) Botswana
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