# taz.de -- Kakerlaken-Bewegung in Indien: Gegen die Arroganz der Macht
       
       > Die Modi-Regierung sieht sich derzeit mit den größten Massenprotesten
       > seit Jahren konfrontiert. Und sie könnten ihr tatsächlich gefährlich
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Proteste der satirischen Kakerlaken-Partei (Cockroach Janta Party) in Dehli am 19. Juli
       
       Die indische Regierung von Narendra Modi hat sich verkalkuliert, als sie
       die [1][Kakerlaken-Partei] zunächst einfach ignorierte. Was als
       [2][satirisches Internetphänomen] anfing, führte am Montag zu den größten
       Massenprotesten seit Jahren.
       
       Auslöser war ein wiederholter großflächiger Betrug bei landesweiten
       Aufnahmeprüfungen fürs Medizinstudium, der nach Medienberichten zwölf
       Suizide von Bewerber:innen auslöste. Die zentrale Forderung der
       friedlichen Protestbewegung ist der Rücktritt des Bildungsministers
       Dharmendra Pradhan. Der jedoch ließ die Kritik arrogant an sich abprallen
       und bezeichnete Demonstrierende als „Terroristen“.
       
       Mit dem Hungerstreik eines namhaften Aktivisten bekamen die Proteste dann
       weiteren Schwung – erst recht, als dieser am Wochenende von den Behörden in
       ein Krankenhaus zwangseingeliefert wurde.
       
       ## Modi und die nationale Größe
       
       Während Zehntausende Protestierende am Montag dem lokalen
       Demonstrationsverbot samt Internetsperre und massivem Polizeiaufgebot in
       Delhi trotzten, ignorierte Modi in seiner Ansprache zur Eröffnung der
       Sitzungsperiode des Parlaments einfach die Unzufriedenheit junger Menschen
       in Indien.
       
       Stattdessen verwies er auf das Wirtschaftswachstum von 7,7 Prozent, Indiens
       ersten privaten Weltraumflug und die erste wasserstoffbetriebene
       Zugstrecke. Nur hat der Großteil der Bevölkerung nichts von der nationalen
       Größe, die Modi immer wieder in den Mittelpunkt seiner Politik rückt.
       
       Erst am Montag signalisierte die Regierung dann Gesprächsbereitschaft, als
       der Gesundheitsminister zwei Kakerlaken-Vertreter traf. Doch hatte er sie
       für das zehnminütige Treffen zwei Stunden warten lassen, um dann nach
       eigenen Worten ein Ende der Proteste verlangen. Derweil zeigten die
       repressiven Polizeimaßnahmen, mit der die Regierung gegen die Bewegung
       vorgeht, die Nervosität hinter ihrer Arroganz.
       
       Modis hindunationalistische Volkspartei hat zwar zuletzt alle wichtigen
       Regionalwahlen für sich entschieden und muss auf nationaler Ebene derzeit
       keine Oppositionspartei fürchten. Und die [3][Kakerlaken-Partei] ist trotz
       Millionen Follower im Internet und Zehntausender auf der Straße weit von
       einer solchen Rolle entfernt. Doch der Massenprotest zeigt: Will Modi nicht
       noch mehr junge Menschen entfremden, muss seine Regierung ihre Arroganz
       beenden und der Jugend konkrete Lösungen anbieten. Der Rücktritt des
       Bildungsministers ist überfällig.
       
       20 Jul 2026
       
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