# taz.de -- Kakerlaken-Partei in Indien: Die Stimme der Faulen und Arbeitslosen
       
       > Nachdem der Oberste Richter Indiens arbeitslose junge Menschen mit
       > „Kakerlaken“ verglich, gründete sich im Netz eine Gegenbewegung. Wie
       > Memes politisieren.
       
 (IMG) Bild: Innerhalb weniger Tage überschritt der Instagram-Account der CJP die Marke von 19,3 Millionen Followern
       
       Die „Cockroach Janta Party“ (CJP) geht viral in Indien. Der Name der
       satirischen Jugendbewegung, die auf Deutsch so viel wie
       „Kakerlaken-Volkspartei“ heißt, stößt auf: Sie wirbt damit, die „[1][Stimme
       der Faulen und Arbeitslosen]“ zu sein, denen vorgeworfen wird, ständig
       online zu sein. Dahinter steckt jedoch mehr als ein Generationenkonflikt in
       einem Land, in dem das Durchschnittsalter bei 29 Jahren liegt.
       
       Auslöser für die Gründung waren Aussagen von Surya Kant, dem Obersten
       Richter Indiens. Während einer Anhörung sprach der 64-Jährige über
       arbeitslose junge Menschen, Medienakteure und Personen, die über
       Transparenzgesetze staatliche Informationen anfragen, und bezeichnete sie
       als „Kakerlaken“ und „Parasiten“, die das System angreifen würden. Später
       erklärte [2][Kant], er habe damit Menschen mit gefälschten Abschlüssen
       gemeint.
       
       Doch im Netz wurde die Beleidigung zum Kampfbegriff. So entstand die
       „Cockroach Janta Party“, die auch als ironische Anspielung auf die
       hindunationalistische Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP) von
       Narendra Modi verstanden wird. Kurz darauf tauchten weitere Meme-Seiten
       auf, darunter eine Parodie auf die oppositionelle Partei Indian National
       Congress. Innerhalb weniger Tage überschritt der Instagram-Account der CJP
       die Marke von 19,3 Millionen Followern und übertraf damit weit die rund
       neun Millionen Anhänger der BJP.
       
       ## Nicht nur Satire
       
       In ihren Posts widmet sich die CJP jedoch auch ernsten Themen. So startete
       die Bewegung eine [3][Petition], die den Rücktritt des indischen
       Bildungsministers fordert. Hintergrund sind geleakte Fragen für
       Aufnahmeprüfungen im Hochschulbereich, die immer wieder zu Verschiebungen
       führen und bei Teilnehmenden enormen Stress auslösen. Zudem verweist die
       Bewegung auf Suizidfälle im Zusammenhang mit dem hohen Leistungsdruck.
       
       Unterdessen wurde der ebenfalls erfolgreiche X-Account der Bewegung in
       Indien gesperrt, beklagt der 30-jährige Gründer [4][Abhijeet Dipke], der
       seinen Master in den USA absolvierte und früher für die anfänglich
       erfolgreiche Antikorruptionspartei [5][Aam Aadmi Party] arbeitete.
       
       Mit der Idee der CJP scheint Dipke einen Nerv zu treffen. Hinter dem Humor
       verbirgt sich Frustration. Indien hat weltweit die größte Bevölkerung im
       Alter zwischen 15 und 29 Jahren. Doch der Weg ins Berufsleben ist
       schwierig: Die Arbeitslosenquote unter Absolvent:innen unter 29 Jahren
       liegt laut der renommierten [6][Azim Premji-Universität] bei fast 40
       Prozent, bei den 25- bis 29-Jährigen bei rund 20 Prozent.
       
       Die Bewegung formuliert auch politische Forderungen. So verlangt ihr
       Fünf-Punkte-Manifest, dass oberste Richter:innen nach ihrer Amtszeit
       keine politischen Posten im Parlament erhalten sollen. Zudem werden
       Konsequenzen gegen Mitglieder der Wahlkommission gefordert, falls
       Wähler:innen durch sie ihr Stimmrecht verlieren. Außerdem soll die
       Frauenquote im Parlament von geplanten 33 auf 50 Prozent steigen.
       
       ## Mehr Neutralität in der Politik
       
       „Die größte Bedrohung für die indische Demokratie ist heute, dass all diese
       Institutionen offenbar mit der Regierungspartei verbandelt sind“, sagte
       Dipke in einem Interview. Das sei ein gefährliches Zeichen. Die Bewegung
       kämpfe deshalb für mehr Neutralität und Unabhängigkeit staatlicher
       Institutionen.
       
       Auffällig ist, wie sich politischer Protest in Indien inzwischen in Form
       von Memes und digitalem Aktivismus äußert. Die Aussagen des Richters
       führten zudem dazu, dass im Netz Videos kursieren, in denen [7][junge
       Menschen] als Ungeziefer verkleidet etwa das Ufer des stark verschmutzten
       Yamuna-Flusses säubern.
       
       „Ich verstehe die Frustration der Jugend und kann nachvollziehen, warum sie
       sich damit identifizieren“, sagte der Kongresspolitiker Shashi Tharoor.
       „Demokratien brauchen Ventile für Widerspruch, Humor, Satire und sogar
       Frust“, fügte er hinzu. Doch auch er hofft, dass seine Partei nun ein
       bisschen von dem Wirbel profitieren kann, den die CJP verursacht hat.
       
       22 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://cockroachjantaparty.org/
 (DIR) [2] https://www.thehindu.com/news/national/oral-remarks-and-institutional-limits/article71002054.ece
 (DIR) [3] https://petition.cockroachjantaparty.org/sack
 (DIR) [4] https://www.hindustantimes.com/trending/who-is-abhijeet-dipke-the-boston-educated-founder-of-cockroach-janata-party-101779346291274.html
 (DIR) [5] /Regierungschef-von-Delhi-tritt-zurueck/!5048471
 (DIR) [6] https://azimpremjiuniversity.edu.in/news/2026/state-of-working-india-2026-indias-young-workforce-is-growing-and-getting-more-educated
 (DIR) [7] https://thebetterindia.com/changemakers/cockroach-janta-party-youth-clean-yamuna-river-satire-community-action-11854192
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
       ## TAGS
       
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