# taz.de -- Debatte über indisches Wahlsystem: Trump lobt, Indien streitet
> US-Präsident Trump preist die Nachweispflicht beim indischen Wahlsystem
> als Vorbild für die USA. Dabei sind Teile des Systems in Indien selbst
> umstritten.
(IMG) Bild: Wahlhelfer überprüfen elektronische Wahlmaschinen und Wahlurnen
In Indien füllt eine Botschaft des US-Präsidenten auf Truth Social
[1][Abend-Talkshows]: Darin erklärte Donald Trump das indische Wahlsystem
zum Vorbild. Indien zeige, dass Wahlen mit verpflichtender
Identitätsprüfung auch in einem Land mit mehr als einer Milliarde Menschen
funktionieren können. Bei der Parlamentswahl 2024 seien rund 646 Millionen
Stimmen abgegeben worden. Jeder Wähler habe ein gültiges Fotodokument
vorlegen müssen.
Trump bezog sich auch auf den indischen Wahlkommissar Gyanesh Kumar und
verband das Lob mit seiner Forderung nach dem „SAVE America Act“. Das
Gesetz soll in den USA unter anderem einen strengeren Nachweis der
Staatsbürgerschaft bei der Wahlteilnahme einführen. Sein Mann in Delhi, der
neue US-Botschafter Sergio Gor, unterstützt die Forderung.
Was Trump als indisches Erfolgsmodell präsentiert, ist allerdings
komplexer. Wer in Indien wählen will, muss zunächst in der Wählerliste
registriert sein. Im Wahllokal wird die Identität überprüft. Dafür kann die
Wahlkarte mit Foto verwendet werden, aber auch andere Dokumente wie
Aadhaar, Indiens biometrische Identitätskarte.
Das Land Indien verwendet seit vielen Jahren elektronische Wahlmaschinen,
sogenannte EVMs. Das Gerät zeigt den Namen und vor allem das Symbol der
Kandidaten. Das erleichtert auch Menschen die Wahl, die nur eingeschränkt
lesen können. Per Knopfdruck wird die Stimme elektronisch gespeichert.
Parallel wird ein Papierbeleg erzeugt.
## Umstrittene elektronische Wahlmaschinen
Doch die EVMs sind ebenso umstritten. Oppositionsparteien kritisieren immer
wieder Manipulationen. Der aktuelle politische Streit betrifft jedoch die
Wählerlisten. Derzeit werden mit der „Special Intensive Revision“ (SIR)
Verzeichnisse um Verstorbene, Weggezogene oder doppelte Einträge überprüft.
So verloren kürzlich Menschen in Lokalwahlen ihr Anrecht.
Beobachter:innen wie von der UN befürchten, dass davon vor allem
Minderheiten betroffen sein könnten.
Entsprechend spöttisch fiel die Reaktion auf Trumps Lob bei manchen aus.
Kongress-Politiker [2][Pawan Khera] schrieb, Washington könne Gyanesh Kumar
übernehmen und die EVMs gleich mit dazu. In einer TV-Debatte argumentierte
sein Kollege Hardip Singh Kingra, dass ein Fotoausweis allein keine
Wahlfälschung verhindere. Er verwies darauf, dass das Foto eines
brasilianischen Models auf mehreren Wahlkarten aufgetaucht war.
Laut dem politischen Analysten Anand Ranganathan ist Trump zwar keine
Instanz, deren Urteil über die Qualität einer Demokratie besondere
Autorität besitze. Doch sein Lob zeige den Widerspruch in der Argumentation
der Opposition: Wenn das indische System grundsätzlich manipuliert sei,
warum werde ausgerechnet dieses System nun von Trump als Vorbild
präsentiert?
Trump lobte allerdings vor allem die Wahlkarte als Identitätsprüfung und
die persönliche Stimmabgabe. Das nutzt er zugleich, um seinen eigenen
Vorstoß für strengere Regeln in den USA zu begründen. Darin liegt die
Ironie: Er präsentiert ein Element des indischen Wahlsystems als Vorbild,
während in Indien selbst darüber gestritten wird, wer überhaupt auf der
Wählerliste stehen darf und wie zuverlässig die Überprüfung ist.
TMC-Politiker [3][Saket Gokhale] spottete, Delhi berate Washington nun
dazu, „wie man US-Wahlen manipuliert“, nachdem in Indien Millionen
Wählereinträge überprüft oder gestrichen worden seien.
## US-Botschafter erzürnt Pakistan
Unterdessen machte der US-Botschafter Sergio Gor weitere Schlagzeilen. Am
Donnerstag reiste er in den [4][indischen Teil Kaschmirs], den er dabei vor
Journalisten als „[5][wichtigen Teil Indiens]“ bezeichnete. Darauf wurde im
benachbarten Pakistan aus Protest der US-Gesandte einbestellt.
Das Außenministerium dort erklärte, es habe „nachdrücklich hervorgehoben,
dass Jammu und Kaschmir ein international anerkanntes umstrittenes Gebiet
ist“. Kaschmir ist seit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans 1947
geteilt. Beide Länder beanspruchen Kaschmir vollständig für sich.
21 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ndtv.com/video/trump-praises-india-s-poll-system-does-it-undercut-vote-chori-claims-1144990
(DIR) [2] https://x.com/Pawankhera/status/2089572983966928965
(DIR) [3] https://x.com/SaketGokhale/status/2089556372937683165
(DIR) [4] https://www.ndtv.com/travel/us-ambassador-sergio-gor-visits-srinagar-from-dal-lake-to-pari-mahal-things-to-do-11935126
(DIR) [5] https://www.deccanherald.com/world/pakistan/pakistan-summons-us-envoy-over-sergio-gors-jk-important-part-of-india-remark-4117289
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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