# taz.de -- Frauen und Vorstände: Feminismus ist Wirtschaftspolitik
> Trotz Quotenvorgaben sinkt der Frauenanteil in Vorständen erstmals. Das
> zeigt: Es braucht dabei endlich mehr Verbindlichkeit.
(IMG) Bild: Ein von sehr wenigen Vorstandvorsitzenden bei einem Dax-Unternehmen: Bettina Orlopp von der Commerzbank
Seit Beginn seiner Amtszeit rätselt Bundeskanzler Friedrich Merz, warum die
deutsche Wirtschaft einfach nicht in Schwung kommt – und macht in seiner
Ratlosigkeit Kranke und Teilzeitkräfte dafür verantwortlich. Dabei sollte
er lieber auf die Chef:innenetagen der deutschen Wirtschaft schauen,
die meist gar nicht gegendert werden müssen, da sie eben Chefetagen sind.
Kürzlich veröffentlichte der Verein Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) den
[1][Women-on-Board-Index 2026]. Darin untersucht die Initiative den
Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und den zwei Führungsebenen
unterhalb des Vorstands von 160 Unternehmen, die in DAX, MDAX und SDAX
gelistet sind; außerdem 23 weitere börsennotierte und paritätisch
mitbestimmte Unternehmen, in denen der Aufsichtsrat hälftig aus
Anteilseignern und Arbeitnehmervertretern zusammengesetzt ist. 101 der
untersuchten Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, bei Neubesetzungen
im Aufsichtsrat mindestens 30 Prozent Frauen zu berücksichtigen.
Die übrigen müssen eine Zielgröße des Frauenanteils in Aufsichtsräten,
Vorständen und obersten Managementebenen festlegen. Das Ergebnis: Der
Frauenanteil in Aufsichtsräten steigt nicht mehr weiter, in Vorständen
sinkt er sogar erstmals wieder. Wie stark, hängt davon ab, ob für ein
Unternehmen die gesetzliche Quote gilt. Außerdem steigt die Zahl der
Unternehmen, die sich ein Ziel von „null“ Frauen an der Spitze setzen, die
also gar nicht erst versuchen wollen, Frauen nach oben zu bringen.
Den Kanzler sollten diese Ergebnisse beunruhigen. Denn Studien zeigen, dass
[2][gemischtgeschlechtliche Führungsteams bessere Entscheidungen treffen],
innovativer sind und seltener pleitegehen, als es bei rein männlich
geführten Unternehmen der Fall ist. Warum Frauen dennoch aus der
Führungsriege ferngehalten werden, ist in der Arbeits- und
Organisationspsychologie gut erforscht. Klammert man die soziologischen
Gründe aus, dass Frauen zum Beispiel aufgrund von Sorgearbeit oft weniger
arbeiten und zeitlich unflexibler sind, gibt es zusätzlich zahlreiche
Gründe, weswegen Frauen benachteiligt sind.
## Verträglichere Frauen
Zum einen sind da die Unterschiede in der Persönlichkeit. Frauen sind
durchschnittlich verträglicher, gewissenhafter, rücksichtsvoller als
Männer, außerdem weniger auf Status und Dominanz aus. Metaanalysen zeigen
zum andern, dass Strukturen und Wahrnehmungsverzerrungen wesentlich
stärkere Faktoren sind als Persönlichkeitsunterschiede. So wird das gleiche
Verhalten bei Männern und Frauen unterschiedlich bewertet, einem Mann
positiv ausgelegt und einer Frau negativ. Zudem sind die männlich
dominierten Netzwerke für Männer leichter zugänglich.
Verbindliche Quoten würden dies aufbrechen. Und sie würden der
Quatschzielgröße „null“ ein Ende bereiten, die Unternehmen so gern in ihre
Geschäftsberichte schreiben. Und was heißt das für Friedrich Merz?
Feminismus könnte die Antwort auf seine Ratlosigkeit sein.
1 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.wob-index.de/
(DIR) [2] https://www.mckinsey.de/news/presse/2024-03-06-diversity-matters-even-more#/
## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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