# taz.de -- Türkische Nationalisten „Graue Wölfe“: Wo Rechtsextremismus und Fundamentalismus verschmelzen
> Türkische Nationalisten in Deutschland greifen verstärkt islamistische
> Ideen auf, zeigt ein neuer Report. Doch auch Trump und AfD setzen auf
> Religion.
(IMG) Bild: Ein türkischer Nationalist zeigt den Wolfsgruß am Rande einer kurdischen Demonstration in München
Man möchte meinen, zwischen religiösem Fundamentalismus und
Rechtsextremismus liegen Welten. Wo die Ultranationalisten in Kategorien
wie Ethnie und Volk denken, beziehen sich religiöse Fanatiker auf
Religionsgemeinschaften, die sich oft über Länder-, Sprach- und
Kulturgrenzen hinweg erstrecken. Doch in der Praxis verschränken sich beide
Phänomene, wie ein [1][neuer Report] am Beispiel von [2][türkischem
Nationalismus] und Islamismus in Deutschland zeigt.
Der Bericht, der am Dienstag vom Verbund Islamismusprävention KN:IX Connect
veröffentlicht wurde, warnt, dass islamistische Strömungen innerhalb des
türkischen Rechtsextremismus zunehmend an Bedeutung gewinnen. „Wir sehen
viele Überschneidungen zwischen den Bewegungen“, sagt Maida Ganević, eine
der Autorinnen. „Mit religiöser Ansprache lassen sich konservative
Bevölkerungsteile mobilisieren, die sonst für die Ultranationalisten schwer
zu erreichen wären.“ Gleichzeitig gehen deutsche Sicherheitsbehörden und
die Öffentlichkeit weiterhin oft von getrennten Phänomenen aus, wodurch die
eigentliche Gefahr teils verkannt werde.
In Deutschland sind Anhänger der ultranationalistischen türkischen
[3][Ülkücü-]Bewegung als „Graue Wölfe“ bekannt. Die Sicherheitsbehörden
rechnen der Szene rund 13.000 Personen zu, teils nennen Schätzungen aber
auch bis zu 18.000 Anhänger. Die Grenzen zum Rockermilieu und in die
organisierte Kriminalität verschwimmen. In den Medien taucht die Bewegung
bislang nur punktuell auf, etwa 2024, als Fußballfans mit dem sogenannten
Wolfsgruß provozierten, oder 2020, als ein türkischer Nationalist in
Dortmund einen kurdischen Mann ermordete.
Die Ultranationalisten gehen nicht nur von einer ethnischen Überlegenheit
der Türken aus, sondern imaginieren auch den türkischen Islam als höchste
Ausdrucksform der Religion. Ethnische Minderheiten, die sich gleichzeitig
auch religiös von der türkischen Mehrheitsgesellschaft unterscheiden,
geraten dadurch gleich zweifach ins Visier. Das trifft etwa Alevit*innen
oder Jesid*innen, die auch in Deutschland immer wieder von den Grauen
Wölfen bedroht und angegriffen werden. So wird etwa die Schändung eines
alevitischen Friedhofs in Kiel im Juni 2026 den türkischen
Ultranationalisten zugerechnet.
## Feindbilder
Aber auch andere Minderheiten werden zum Ziel, [4][etwa Kurd*innen] oder
Armenier*innen. Der Bewegung werden außerdem zahlreiche Drohungen gegen
Politiker*innen zugerechnet, etwa nach der Anerkennung des osmanischen
Genozids an den Armeniern durch den Bundestag 2016.
Juden*Jüdinnen bilden ein weiteres Feindbild, das islamistische wie
rechtsextremistische Ideologie eint. Der Nahostkonflikt wird dabei zur
Mobilisierung genutzt, gleichzeitig lässt sich auch eine von Israel
unabhängige Traditionslinie des türkischen Antisemitismus identifizieren,
die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. „Antisemitismus ist ein wichtiges
Brückennarrativ“, sagt Miriam Uludoğan-Heß, die den Bericht mitverfasst
hat. Auch die Ablehnung des Feminismus verbinde islamistische und
nationalistische Ideologie.
Die türkischen Ultranationalisten sind in Deutschland in einer Vielzahl von
Vereinen und Verbänden organisiert, die oft enge Verbindungen in die Türkei
und teils auch zur Partei AKP des türkischen Präsidenten Recep Tayyip
Erdoğan unterhalten. Gleichzeitig wäre es falsch, in der Bewegung eine
primär ausländische Strömung zu sehen, da ein Großteil der Anhänger in
Deutschland geboren und sozialisiert wurde. Die Autorinnen des Berichts
schreiben von einem „Bestandteil der deutschen Gegenwartsgesellschaft“, den
man nicht auf eine „vermeintliche fremde Herkunft reduzieren“ solle.
Gleichzeitig ist das Phänomen religiös-nationalistischer Verschmelzung auch
aus anderen Ländern und Regionen bekannt. So etwa im Fall des schiitischen
Islamismus in Iran, des Hindunationalismus in Indien oder der
evangelikal-rechtsextremen Allianz in den USA oder verschiedenen Staaten
Südamerikas. Nicht zuletzt pflegt auch die deutsche AfD enge Kontakte ins
evangelikale Milieu.
14 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://kn-ix.de/2026/07/14/trendreport5/
(DIR) [2] /Tuerkische-Faschistinnen/!5693374
(DIR) [3] /Verbot-der-rechtsextremen-Grauen-Woelfe/!5725562
(DIR) [4] /Rechtsextreme-Graue-Woelfe/!5976885
## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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