# taz.de -- VW-Chef zu Einschnitten: Bis zu 50.000 Jobs bedroht
       
       > Volkswagen-Konzernchef Blume äußert sich erstmals zum Ausmaß der
       > möglichen Werkschließungen. Weltweit könnten Zehntausende Stellen
       > wegfallen.
       
 (IMG) Bild: Von der Schließung bedroht: VW-Werk in Zwickau
       
       dpa | Mitten im Ringen um die Zukunft des größten europäischen Autobauers
       hat [1][Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume] erstmals das mögliche Ausmaß
       der erwarteten Einschnitte beziffert. Ohne Veränderung der Arbeitskosten
       würde sich eine Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit ergeben,
       sagte er einem internen Interview im Volkswagen-Intranet zufolge, das der
       Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte der Spiegel berichtet.
       
       Diese Zahl ergibt sich laut Blume aus dem [2][Vorhaben, die Kosten für
       Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützung des Kerngeschäfts auf ein
       wettbewerbsfähiges Niveau zu senken.] Die entsprechenden Kosten lägen bei
       Volkswagen noch um 20 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer
       Unternehmen. Das bedeute, dass „eine theoretische Ableitung ohne
       Veränderung der Arbeitskosten rund 50.000 Stellen weltweit ergeben“ würde.
       
       ## Höhe des Personalabbaus steht noch nicht fest
       
       Derzeit werde in allen Marken, Gesellschaften und Regionen ermittelt,
       welche Anpassungen „nötig und möglich“ seien. Personalkosten ergäben sich
       neben der Zahl der Beschäftigten aus den Arbeitskosten. „Diesen Hebel
       müssen wir ebenfalls ziehen“, sagte er und deutete damit an, dass das
       genaue Ausmaß des Personalabbaus wohl noch nicht feststeht.
       
       Bis 2030 hatte Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen
       in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen,
       der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte
       hätten bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben, bis zum
       Jahresende sollten rund 27.000 Beschäftigte ausgeschieden sein, sagte Blume
       nun.
       
       ## Blume: Intelligente Lösungen sind besser als Schließungen
       
       Die Äußerungen kommen wenige Tage nach der Aufsichtsratssitzung am
       Donnerstag, bei der Blume einem Medienbericht zufolge mit einem
       weitergehenden Sparpaket gescheitert sein soll. Was konkret im abgelehnten
       Paket steht, war zunächst nur aus Medienberichten bekannt – demnach könnten
       bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, sogar von 120.000 war die Rede.
       Vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland könnten zudem von Schließung
       bedroht sein: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.
       
       „Überkapazitäten kosten Geld“, sagte Blume im VW-Intranet zu möglichen
       Werkschließungen. Und: „Die Wahrheit ist auch, dass wir heute für die Werke
       Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in den 30er-Jahren noch keine
       wettbewerbsgerechte Belegung bestätigen können.“ Wichtig sei ihm:
       „Intelligente Lösungen sind immer besser, als ein Werk zu schließen.“
       
       ## Alternative Lösungen werden geprüft
       
       Mut mache, dass die Fabrikkosten bei Volkswagen an den deutschen Standorten
       allein im vergangenen Jahr um 20 Prozent gesunken seien – das zeige in die
       richtige Richtung, sagte der Konzernchef. Auch alternative Lösungen würden
       geprüft, so sei Volkswagen für den Standort Osnabrück mit Unternehmen aus
       der Verteidigungsindustrie „in fortgeschrittenen Gesprächen“. Er betonte:
       „Uns ist es wichtig, Beschäftigung zu sichern.“
       
       Zuvor hatte der bei Volkswagen mächtige Betriebsrat einen großen
       Vertrauensverlust in der Belegschaft ausgemacht. Ein Sprecher des
       Betriebsrates sagte am Sonntag, für Beschäftigte, Zulieferer, Dienstleister
       und ganze Standortregionen, die am größten Industriekonzern Deutschlands
       hingen, sei eine schwer erträgliche Lage entstanden: „Insbesondere für
       unsere mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit
       Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und
       Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die
       Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr
       auszuhalten.“
       
       ## Hannovers Bürgermeister fordert Bekenntnis zum Standort
       
       Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay forderte, Volkswagen müsse sich
       immer zum Standort Deutschland bekennen. „Es ist mit Blick auf den
       internationalen Wettbewerb absurd, darüber nachzudenken, hoch
       qualifiziertes Personal nach Hause zu schicken und topmoderne Fabriken
       auslaufen zu lassen“, sagte der Grünen-Politiker auf Anfrage der Deutschen
       Presse-Agentur.
       
       In Emden sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff, er habe schon am Tag der
       Aufsichtsratssitzung deutlich gemacht, dass Volkswagen „kreative und
       intelligente Lösungen entwickeln muss, anstatt immer wieder über
       Werksschließungen oder einen schleichenden Rückbau von Standorten zu
       diskutieren“. Für Emden erwarte er „eine langfristige Perspektive mit neuen
       Produkten, neuen Aufgaben und weiteren Investitionen“. Der parteilose
       Politiker betonte: „Die Beschäftigten haben den Wandel zur Elektromobilität
       mitgetragen, sie haben ihren Beitrag geleistet und verdienen Respekt.“
       
       Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Sebastian
       Lechner, machte klar: „Volkswagen ist mit Niedersachsen und seinen Menschen
       auf besondere Weise verbunden. Deshalb haben der Erhalt und die
       Zukunftsfähigkeit der niedersächsischen Standorte für uns als Landespolitik
       höchste Priorität.“ Er mahnte einen schnellen, klaren und verbindlichen
       Zukunftsplan an: „Volkswagen braucht wettbewerbsfähige Produkte,
       effizientere Strukturen und konkrete Investitionsperspektiven für seine
       Werke.“
       
       13 Jul 2026
       
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