# taz.de -- Eskalation im Iran: Weitere Eskalation oder Diplomatie?
       
       > Kontrollierte Militärschläge der USA und des Iran werden zu einem Mittel,
       > am Verhandlungstisch Einfluss zu gewinnen. Kann das gut gehen?
       
 (IMG) Bild: Fahren oder nicht fahren? Und wenn ja: auf welcher Route? Schiffe in der Straße von Hormus
       
       Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist in der Nacht zum Sonntag
       erneut militärisch eskaliert. Die USA starteten neue Angriffe auf den Iran,
       nachdem die iranischen Revolutionsgarden ein Schiff in der Straße von
       Hormus unter Beschuss genommen hatten. Der Iran verkündete die Sperrung der
       für den Welthandel wichtigen Meerenge und führte Vergeltungsangriffe auf
       Ziele in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Oman und
       Kuwait aus.
       
       Angesichts der zunehmenden Spannungen steht die Fortsetzung des
       diplomatischen Prozesses erneut infrage. Doch vieles deutet darauf hin,
       dass Teheran und Washington weiterhin versuchen, einen großen Konflikt im
       Ausmaß des vorangegangenen Krieges zu vermeiden.
       
       Während der gesamten Dauer des Waffenstillstands seit Juni führten beide
       Seiten wiederholt sporadische Angriffe auf die Stellungen der jeweils
       anderen Seite durch. Keine dieser Auseinandersetzungen führte jedoch zu
       einer vollständigen Wiederaufnahme des Krieges. Beide Seiten scheinen die
       Logik „kontrollierter Militärschläge“ als Mittel angenommen zu haben, um am
       Verhandlungstisch mehr Einfluss zu gewinnen.
       
       [1][Vor wenigen Tagen erklärte US-Präsident Donald Trump den
       Waffenstillstand zwar für „beendet“], erklärte aber gleichzeitig, die
       Gespräche fortzusetzen. Auch die Vermittlungsbemühungen Katars und Omans
       dauern an. Auf eine US-amerikanische Bodeninvasion im Iran oder einen Krieg
       auf unbestimmte Zeit deutet derzeit wenig hin.
       
       ## Zermürbungskrieg zerstörerischer als Sanktionen
       
       In Teheran beschränkt sich der zentrale Entscheidungszirkel ebenfalls
       bislang auf begrenzte Angriffe und betont weiterhin, an die Bedingungen der
       Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten gebunden zu sein. [2][Der jüngste
       Krieg hat der iranischen Wirtschaft eine Welle von Entlassungen, sinkenden
       Produktionskapazitäten, Inflation und Rezession beschert.] Für ein System,
       das jahrelang sanktioniert war, erweist sich ein langwieriger
       Zermürbungskrieg als noch zerstörerischer als die Sanktionen.
       
       [3][Auch die innenpolitische Lage in Iran ist nicht stabil.] Obwohl es der
       Islamischen Republik gelungen ist, ihren politischen Zusammenhalt nach
       Khameneis Tod effektiver aufrechtzuerhalten, als viele erwartet hatten,
       bestehen weiterhin Meinungsverschiedenheiten zwischen Hardlinern und
       Befürwortern von Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über wichtige
       politische Entscheidungen.
       
       Zwar versuchen beide Seiten, eine größere Konfrontation zu vermeiden, doch
       gleichzeitig rückt die Aussicht auf einen dauerhaften Frieden mit jedem Tag
       weiter in die Ferne. Das iranische Atomprogramm steht seit 2003 auf der
       Tagesordnung der Internationalen Atomenergie-Organisation. Das einzige
       bedeutende Abkommen, das in diesem Zeitraum erzielt wurde, war das
       Atomabkommen von 2015, das Trump in seiner ersten Amtszeit aufkündigte.
       Zwei Jahrzehnte erfolgloser Versuche, Frieden zwischen dem Iran und den
       Vereinigten Staaten herzustellen, zeigen, dass das Problem nicht einfach im
       Fehlen eines Dialogs liegt. Die zentrale Schwierigkeit liegt in den
       strukturellen und identitätsbezogenen Hindernissen.
       
       Im Februar 2025 erklärte Ali Khamenei, Verhandlungen mit den Vereinigten
       Staaten seien „weder rational noch intelligent, noch ehrenhaft“. Hardliner
       in der Regierung sind nun entschlossener denn je, Khameneis Vermächtnis zu
       bewahren – eine Haltung, die sie durch ihre Parolen bei Straßenkundgebungen
       und in regierungsnahen Medien zum Ausdruck gebracht haben. Sie sind
       verärgert über die vorübergehende Einigung mit den Vereinigten Staaten,
       fordern eine härtere Politik und sogar direkte Vergeltungsmaßnahmen gegen
       Trump persönlich.
       
       ## Differenzen unter Golfstaaten
       
       Die angrenzenden Golfstaaten hingegen sorgen sich um ihre Sicherheit.
       Hinter verschlossenen Türen scheinen jedoch erhebliche Differenzen zu
       bestehen. Reuters berichtete am 27. März, dass Katar, Oman und Kuwait ein
       schnelles Ende des Krieges wünschten, da sie dessen wirtschaftliche Folgen
       und die Möglichkeit von Vergeltungsschlägen befürchteten.
       
       Im Gegensatz dazu wollten die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien
       und Bahrain, dass jede Vereinbarung über ein bloßes „Beenden des Krieges“
       hinausgeht und Irans Raketen- und Drohnenkapazitäten sowie seine Fähigkeit,
       den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu stören, einschränkt. So
       sehr die Kriegsparteien also ein Interesse an Deeskalation haben, jede neue
       Eskalation könnte nur wenige Fehleinschätzungen von einem umfassenden Krieg
       entfernt sein. (mit afp)
       
       Die Autorin war im Jahr 2024 [4][Stipendiatin des Refugium-Projekts der taz
       Panter Stiftung] und Reporter ohne Grenzen.
       
       12 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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