# taz.de -- Gen-Untersuchung bei Schwangeren: Nicht auf Kosten von Menschen mit Behinderung
       
       > In der Debatte um Pränataltests werden Menschen mit Behinderung als
       > „vermeidbares Risiko“ behandelt. Das ist Diskriminierung, sagt Gastautor
       > Jeffrey Raffo.
       
 (IMG) Bild: Ausschnitt eines Karyotyps, der eine Trisomie 21 zeigt
       
       Es ist nervig, wenn man sich sicher ist, auf der Seite der Engel zu stehen,
       und dann feststellt, dass der Teufel die ganze Zeit mit am Tisch saß. In
       diesen Wochen debattiert der Bundestag darüber, ob es ein Monitoring über
       die Folgen der Kassenfinanzierung [1][nichtinvasiver Pränataltests] geben
       soll. Und es gibt immer noch Abgeordnete, die genau das verhindern wollen:
       dass Daten und Fakten überhaupt ans Licht kommen. In meinem Herkunftsland
       wird kritisch über „White Feminism“ diskutiert. Gemeint ist damit ein
       Feminismus, der Rassismus wie einen störenden Nebenfaktor behandelt.
       
       Ich erlebe gerade in Deutschland eine Variante davon: einen Feminismus, der
       die Perspektive von [2][Menschen mit Behinderung] zur Nebensache erklärt,
       solange reproduktive Freiheit berührt wird. Dabei werden die
       Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderung wie meinem Sohn, der Trisomie
       21 hat, wieder ignoriert. Wenn ein behindertes Kind als „vermeidbares
       Risiko“ erscheint, dann bewegen wir uns längst mitten im Ableismus, mitten
       in der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung.
       
       Meine erste politische Aktion war der Schutz von Abtreibungskliniken. Meine
       Haltung zu [3][Paragraf 218] könnte also kaum klarer sein. Der Kampf für
       reproduktive Freiheit darf aber nicht dazu führen, dass wir Ableismus mit
       offenen Armen begrüßen. Und darin liegt genau die eigentliche Lehre aus der
       Kritik an White Feminism: Wer glaubt, eine Form von Diskriminierung
       bekämpfen zu können, indem andere Diskriminierungsformen geduldet werden,
       wird am Ende feststellen, dass keine der beiden verschwindet. Das hätten
       progressive Politiker:innen längst gelernt haben müssen.
       
       Gerade deshalb macht mich die Debatte so wütend über die
       Bundestagsabgeordneten, die nicht bereit waren, sich mit der Komplexität
       [4][dieser Thematik] auseinanderzusetzen, aber bereit waren, eine
       belastbare Grundlage für die weitere Debatte zu verhindern – und Menschen
       mit Trisomie 21 auf dem Altar gesellschaftlich akzeptierter Diskriminierung
       zu opfern.
       
       9 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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