# taz.de -- Mehr Geld für Abgeordnete in Hamburg: Das Ende der Diät
> In Hamburg geht das Gerücht, Rot-Grün wolle die Bezüge der
> Bürgerschaftsabgeordneten drastisch erhöhen. Vorbild könnte Berlin sein.
(IMG) Bild: Ist da was im Busch? In Hamburg gibt es Stimmen, die eine Erhöhung der Abgeordneten-Diäten fordern
In der Hamburgischen Bürgerschaft gibt es Stimmen, die eine Erhöhung der
Abgeordneten-Diäten fordern. Angeblich ist eine drastische Erhöhung der
Vergütung um 60 Prozent ins Spiel gebracht worden. Das entspräche dem
Sprung, den das vergleichbare Berliner Abgeordnetenhaus zum 1. Januar 2020
getan und entsprechende Kritik nach sich gezogen hatte.
Die Hinweise, die das Hamburger Abendblatt in der Sache kolportiert hat,
sind allerdings ziemlich vage: Man höre von vielen Abgeordneten, dass
Aufwand und Vergütung nicht in einem angemessenen Verhältnis zueinander
stünden. Offenbar stellen gerade die neuen Abgeordneten fest, dass der mit
einem Mandat verbundene Aufwand größer ist als erwartet.
Dafür, dass etwas im Busch zu sein scheint, spricht, dass ein Mitglied der
SPD-Fraktion den parlamentarischen Geschäftsführer der Linken angesprochen
hat, wie Linken-Fraktionschefin Heike Sudmann berichtet. Dabei sei es aber
nur allgemein um das Thema Diätenerhöhung gegangen.
Dennis Gladiator, der parlamentarische Geschäftsführer der ebenfalls
oppositionellen CDU, verweist auf den Flurfunk. „Es gab mit uns keine
Gespräche“, sagt der Abgeordnete. „Für uns ist das kein Thema.“ Befassen
müsse sich damit die neue Diätenkommission, die die Bürgerschaft nach der
Sommerpause einsetzen will und die Vorschläge zur finanziellen Ausstattung
der Abgeordneten machen soll.
## Arbeitsbelastung gestiegen
Die Kommission wird von der Präsidentin der Bürgerschaft vor Ablauf der
Wahlperiode einberufen und setzt sich aus fünf unabhängigen Mitgliedern,
oft ehemaligen Parlamentariern, zusammen. Die letzte [1][Kommission hatte
empfohlen, das Entgelt gegenüber der vorherigen Wahlperiode um 1.000 Euro
zu erhöhen]. Die Bürgerschaft erhöhte nur um 450 Euro. Dagegen sah die
Kommission keinen Grund, die Pauschalen anzuheben, mit denen die
Abgeordneten etwa ihre Büromiete bezahlen können.
Ihre Empfehlung begründete die Kommission damit, dass sich die
Arbeitsbedingungen der Bürgerschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten
stark verändert hätten: Ein neues Wahlrecht mit Wahlkreisen und zehn
Stimmen, eine fortschreitende Diversifikation der Parteienlandschaft sowie
die Digitalisierung hätten die Bürgerschaft zu der Einsicht geführt, dass
ihre Arbeitsabläufe „einer Renovierung bedürfen“.
Die Abgeordneten benötigen mehr Zeit für ihr Mandat, ihre Arbeit habe sich
beschleunigt und differenziert. Allein die Anzahl der Drucksachen habe sich
in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Es gebe mehr Ausschüsse, mehr
entsprechend kleinere Fraktionen, die Themen seien komplexer geworden und
die weltweiten Verwicklungen größer. Die Abgeordneten müssten auf diversen
Kanälen ständig erreichbar sein. Dazu komme die Besonderheit eines
Stadtstaates, der zugleich Kommune ist.
Die Kommission verwies auch auf die anderen Bundesländer, die ihren
Abgeordneten samt und sonders eine höhere Grundvergütung bezahlen.
Allerdings kommt dazu in vielen Fällen eine Sachkosten- und auch noch eine
Mitarbeiterpauschale. Das eingerechnet, landet Hamburg auf Platz zwei.
## Kritik an der Selbstbedienungsmentalität der Parteien
Im direkten [2][Vergleich bietet sich der Stadtstaat Berlin] an. Die
dortigen Abgeordneten haben sich tatsächlich eine 60-prozentige
Gehaltserhöhung ermöglicht – verbunden mit einer halbgaren
Systemumstellung. Wie heute noch Hamburg und Bremen hatte Berlin bis 2020
ein sogenanntes Feierabendparlament. Berlin machte daraus mit der Erhöhung
nicht etwa ein Vollzeitparlament, sondern ein „Hauptzeitparlament“, wie der
Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim kritisierte.
Von Arnim, bekannt für seine Kritik an der von ihm so gesehenen
Selbstbedienungsmentalität der Parteien, schrieb eigens ein kleines Buch,
um die [3][Berliner Erhöhung] zu geißeln. „Ein paar Stunden mehr Arbeit
können keine um 58 Prozent erhöhte Entschädigung und Altersversorgung
rechtfertigen“, kritisierte er. „Das ist eine vorgeschobene Begründung.“
Dazu kamen in Berlin noch das Inkrafttreten der Erhöhung während einer
laufenden Legislaturperiode und dass die Altersvorsorge rückwirkend
aufgestockt wurde.
Eine 60-prozentige Erhöhung in Hamburg ist aus Sicht der
Linken-Fraktionschefin Sudmann jedenfalls völlig neben der Spur. Dabei hat
sie die Einsparungen im aktuellen Haushalt im Blick: Lehrer sollen zum
Beispiel eine Stunde mehr arbeiten; wer nicht digitale Dienstleistungen in
Anspruch nehmen will, soll bezahlen; bei der [4][Schulbegleitung wird an
Fachkräften gespart]. „Alle sollen weniger Geld kriegen, aber die
Abgeordneten mehr“, sagt Sudmann, „never!“
Patrick Schembecker, Pressesprecher der SPD-Fraktion, bestätigt zwar, dass
es einzelne Abgeordnete gebe, die eine Diätenerhöhung zum Thema machten.
Das sei aber in jeder Legislaturperiode so. Zu dem Thema gebe es keine
Beschlüsse der Fraktion. Es müssten die Vorschläge der neuen
Diätenkommission abgewartet werden. Von den Grünen gab es bis
Redaktionsschluss keine Stellungnahme.
9 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Diaeten-in-der-Hamburgischen-Buergerschaft/!5569028
(DIR) [2] /Parlamentsreform/!5622541
(DIR) [3] https://www.steuerzahler.de/aktuelles/detail/parlamentarische-kostenexplosion-1/
(DIR) [4] /Inklusion-in-der-Bildung/!6191038
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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