# taz.de -- Blackout in Kuba: Der dritte in diesem Jahr
       
       > In Kuba werden inselweite Stromausfälle immer häufiger. Grund ist nicht
       > nur der Mangel an Öl, sondern ein marodes System der Energieversorgung.
       
 (IMG) Bild: Manche Kubaner kümmern sich selbst: Während eines Stromausfalls in Havanna bereiten Menschen auf der Straße Solarmodule vor
       
       Der Direktor für die thermische Energiegewinnung des nationalen kubanischen
       Stromversorgers, Edier Guzmán Pacheco, und das Unternehmen Unió Eléctrica
       (UNE) geraten immer mehr in Erklärungsnot: Kraftwerke fallen aus, die
       Stromversorgung wird instabiler, die Menge des generierten Stroms nimmt ab.
       
       Am Montag, als Kubas Energiesystem wieder einmal inselweit in die Knie
       ging, standen der Nachfrage von 3.100 Megawatt nur 935 Megawatt gegenüber –
       ein enormes Defizit von 2.165 Megawatt. Das ist deutlich mehr als noch vor
       einem Jahr, als durchschnittlich etwa 2.000 Megawatt zur Verfügung standen.
       
       Das hat Gründe und der [1][Mangel an Erdöl] ist nur einer. Das System ist
       marode, krankt an strukturellen Defiziten, Ersatzteilmangel, Fehlen von
       Schmierstoffen und Chemikalien, die dafür sorgen, dass das extrem schwere
       Öl aus kubanischer Förderung vor allem in der Provinz Matanzas verflüssigt
       und dadurch einfacher zu verarbeiten wird.
       
       „Doch an diesen Chemikalien fehlt es, hinzu kommt, dass das Erdöl sehr
       schwefelhaltig ist und dadurch sehr schädlich für die verarbeitende
       Infrastruktur, die außerhalb Kubas wohl schon lange ersetzt worden wäre“,
       so Omar Everleny Pérez. Der Ökonom, der mit vier Kollegen an Reformmodellen
       für die kollabierende Wirtschaft arbeitet, lebt im Stadtteil Marianao und
       direkt um die Ecke eines Krankenhauses, das in aller Regel von
       Stromabschaltungen verschont bleibt. Ein immenser Vorteil in Havanna im
       Jahr 2026.
       
       ## Ohne Strom gibt es auch kein Wasser
       
       Doch die heißen Monate, Juli und August, stehen den Menschen noch bevor,
       und die Aussichten auf Besserung sind mau. Kaum jemand in Havanna glaubt
       Edier Guzmán Pacheco, der in den letzten Wochen mehrfach angekündigt hat,
       dass der Juli mit der Wiederverfügbarkeit mehrerer Kraftwerke, die wegen
       fälliger Reparaturen abgeschaltet worden waren, besser werden würde.
       
       Resignation macht sich breit, erklärt Alina Barbara López, die in Matanzas
       in einer Plattenbausiedlung lebt und zuletzt acht Tage ohne Strom war.
       „Strom ist das eine, aber ohne Strom gibt es auch kein Wasser“, sagt die
       ausgewiesene Kritikerin der Regierung. Das Gros der Pumpen läuft mit Strom
       oder Treibstoff und beides ist nicht verfügbar, sodass die Pegelstände in
       den Wassertanks, die quasi in jedem Haushalt auf dem Dach oder im Hof nahe
       der Häuser stehen, auf ein bedenkliches Niveau sinken.
       
       „Hinzu kommt“, so der in Alamar, auf der anderen Seite der Bucht von
       Havanna lebende Oppositionelle Manuel Cuesta Morúa, „dass der Staat immer
       öfter seinen Service dollarisiert. Für Gas, aber auch für
       Gesundheitsdienste werden mittlerweile US-Dollar verlangt.“ Der 64-jährige
       Historiker fährt fort: „Das ist ein verheerendes Signal, für Menschen ohne
       Zugang zu US-Dollar ein Desaster“.
       
       ## 107 Demonstrationen im Juni
       
       Die Regierung in Havanna wird ihren eigenen Idealen [2][unter dem
       mörderischen Druck eines US-Embargos], dass mehr und mehr zur Blockade der
       Insel mutiert, peu à peu untreu. Das sorgt wenige Tage vor dem Jahrestag
       der Proteste vom 11. Juli 2021 für zusätzlichen Unmut.
       
       Der manifestiert sich laut der Kubanischen Beobachtungsstelle für Konflikte
       (OCC) in den 107 Demonstrationen im Juni, die es inselweit gab. Meist
       ziehen die Menschen durch die Straßen, schlagen mit der Suppenkelle auf
       leere Töpfe und verlangen Strom- und Wasserversorgung. Doch dazu ist die
       Regierung schlicht nicht in der Lage.
       
       Am Dienstagmorgen lief erst wieder ein Bruchteil des havarierten Systems:
       In Havanna hatten nur 6 Prozent der Haushalte Strom und es ist
       wahrscheinlich, dass es Tage brauchen wird, bis alles wieder normal laufen
       wird – normal [3][unter den Bedingungen der US-Blockade].
       
       8 Jul 2026
       
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